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20. April 2009, 08:38 Uhr

183-mal Waterboarding für Terror-Scheich

Drastische Folter-Vorwürfe: Laut "New York Times" soll der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, Chalid Scheich Mohammed, allein in einem Jahr 183-mal durch Waterboarding gefoltert worden sein. Auch ein anderer mutmaßlicher Terrorist wurde offenbar mehr als 80-mal gequält.

Scheich Mohammed, Mahommad, Terrorscheich, Waterboarding

Der "New York Times" zufolge wurde der als Chefplaner der Anschläge von 11. September 2001 geltende Chalid Scheich Mohammed 183-mal mit dieser perfiden Verhörmethode gequält© EPA/DPA

Der US-Geheimdienst CIA hat das sogenannte Waterboarding bei Verhören von mutmaßlichen Terroristen offenbar viel häufiger angewandt als bisher bekannt. Der als Chefplaner der Anschläge vom 11. September 2001 geltende Chalid Scheich Mohammed musste sich nach Informationen der "New York Times" im Jahr 2003 insgesamt 183-mal dieser umstrittenen Verhörmethode unterziehen, bei der das Opfer das Gefühl bekommt zu ertrinken. Die Zeitung beruft sich auf Memos des US-Justizministeriums von 2005.

Ein anderer mutmaßlicher Terrorist, Abu Subaida, sei im Jahr 2002 insgesamt 83-mal auf diese Weise gequält worden. Ein früherer hoher CIA-Mitarbeiter, John Kiriakou, hatte im Jahr 2007 noch erklärt, Abu Subaida sei nur 35 Sekunden dem Waterboarding ausgesetzt worden, bevor er alles gestanden habe.

Die Memos gehörten zu vier bislang geheimen Dokumenten, deren Veröffentlichung am vergangenen Donnerstag von Präsident Barack Obama angeordnet worden war. Die CIA hatte sich gegen ihre Offenlegung ausgesprochen. Die Zahlen waren der "New York Times" zufolge am Wochenende zuerst Bloggern aufgefallen. Offenbar waren sie aus einigen Ausgaben der Memos herauszensiert worden, aus anderen nicht.

Die "New York Times" hatte bereits 2007 berichtet, dass Chalid Scheich Mohammed über 100-mal "harten" Verhörmethoden unterworfen worden war, allerdings waren damals keine Details bekannt.

Obama hatte kürzlich Straffreiheit für Folterverhöre angekündigt und damit einen Sturm der Entrüstung auch unter vielen seiner Anhänger ausgelöst. Wer "seine Pflicht im guten Glauben in den Rat des Justizministeriums erfüllt hat", habe keine strafrechtliche Verfolgung zu befürchten, hatte Obama am Donnerstag vergangener Woche mitgeteilt.

Das Land sei "durch ein dunkles und schmerzliches Kapitel" seiner Geschichte gegangen, so die Mitteilung des Präsidenten. "Aber in einer Zeit großer Herausforderungen und einem verstörenden Mangel an Einheit, ist nichts gewonnen, wenn wir unsere Zeit und Energie für Beschuldigungen aus der Vergangenheit einsetzen." Die Mitarbeiter der Geheimdienste arbeiteten "mutig an den Frontlinien einer gefährlichen Welt". Ihre Identitäten müssten genauso geschützt werden, wie sie die Sicherheit des Landes schützten.

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU hatte die Haltung der Obama-Regierung als "schlicht unhaltbar" kritisiert. Wenn Verbrechen begangen worden seien, müssten die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen worden. Die Gesetze anzuwenden, dürfe keine politische Entscheidung sein.

DPA/AP/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 76)
 
AtticusFinch (21.04.2009, 23:10 Uhr)
Nur noch mal zum Verdeutlichen
Einem menschenverachtendem System, wie es in der DDR zweifelsfrei vorherrschte, darf man keine, noch so kleinen, guten Seiten zubilligen.
Menschenverachtenden Praktiken, wie es z.B. Waterboarding ist, hingegen schon?
Das finde ich widersprüchlich.
AtticusFinch (21.04.2009, 22:46 Uhr)
Äußerst widersprüchlich
auf der einen Seite DDR Verbrechen anzuprangern, auf der anderen Seite aber Folter (die auch in der DDR praktiziert wurde) gutzuheißen. Das sind Methoden die einzig allein der Unterdrückung dienen, niemals der Verbrechensaufklärung oder -bekämpfung. Was, wenn es mal einen Falschen erwischt? Billigend in Kauf nehmen? Höre ich da eine gewisse Sehnsucht nach verflossenen Diktaturen heraus?
chatahootchee (21.04.2009, 19:36 Uhr)
RICHTIG!
Es geht um Menschenleben, Opfer. Um weitere Schandtaten zu vermeiden, sollte man die Terroristen ruhig nass machen.
Red058 (21.04.2009, 11:23 Uhr)
Lieber Stern,
Ich hoffe, dass es sich hierbei um ein Versehen ihrerseits handelt, aber auf allen Seiten der NYT war die Rede von 183x Waterboarden innerhalb EINES MONATS, nicht innerhalb eines Jahres. Ich hoffe, dass es sich hierbei um ein Versehen handelt und bitte Sie, dies schnellstmöglich zu korrigieren, da dies letzten Endes doch eine drastische Verharmlosung der Tat darstellt.
AtticusFinch (21.04.2009, 10:49 Uhr)
@vegefranz
So ein Schwachsinnkann auch nur von Ihnen kommen.
Der Täter verdient, wenn er überführt ist, die härteste Bestrafung. Aber Folter hat dabei nichts verloren. Damit wird weder dem Andenken an die Opfer noch der Prävention gegen zukünftige Gräueltaten gedient. Ist das so schwer zu verstehen?
Was sie von sich geben, kann man vom Geistesgehalt und moralischer Anschauung auch von Terroristen und Kinderschändern erwarten. Wenn sie sich in diese Riege einreihen wollen, bitte sehr.
vegefranz (21.04.2009, 10:31 Uhr)
typischer Gutmenschen-Reflex: Solidarisierung mit dem Täter
die Opfer? scheissegal!
AtticusFinch (21.04.2009, 09:13 Uhr)
@Folterbefürworter
Noch mal die Frage, wozu soll Folter dienen?
Geständnisse? Unter Folter gesteht man alles, das haben die Inquisition und etliche Diktaturen der Welt bewiesen. Was den Wahrheitsgehalt des Geständnisses angeht, darüber breiten wir mal den Mantel des Schweigens aus.
Informationen? Siehe Geständnisse. Unter Folter gewonnene Informationen sind unzuverlässig. Sie können wahr sein, sie können aber auch der Phantasie entspringen, getreu dem Motto: "Ich erzähle denen was sie hören wollen, Hauptsache es hört auf".
Bestrafung: So wie in Abu Ghraib? Da habt ihr ja ne tolle Party verpasst. Wer Folter als Bestrafung einsetzen möchte, verhindert weder zukünftige Gräueltaten noch macht er das Geschehene rückgängig. Aber er gibt seiner dunkelsten Seite nach, dem Sadisten, der in den meisten von uns schlummert. Ihr begebt euch auf eine moralische Ebene mit Vergewaltigern, Kinderschändern und Mördern. Das nenn ich einen Schritt nach vorne, meinen herzlichsten Glückwunsch.
klassikbkk (21.04.2009, 04:20 Uhr)
183:2974=0,0615
Für 2.974 umgebrachte Väter/Mütter/Kinder/Ehepartner/Freunde/usw.. eine recht milde Strafe
Garnet (20.04.2009, 16:14 Uhr)
@ globalhumanist
Das Grundgesetz der Bundesrepublik ist in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung. Gefoltert wird und wurde in Installationen ausserhalb der Bundesrepublik. Folter hatte immer einen grossen Stellenwert wenn es darum ging von hochmotivierten Verbrechern oder sehr gut ausgebildeten oder religioesen Fanatikern Informationen zu bekommen um groesseren Schaden zu vermeiden. Das wird immer passieren und diese Praxis wird nicht nur von Amerikanern angewendet sondern von vielen anderen Nationen auch. Man muss dies nicht gutheissen oder unterstuetzen. Sie sind in der gluecklichen Situation das Sie in Ihrem Land offen und ohne Represalien Ihre Meinung zu den unterschiedlichsten Themen aeussern duerfen. Dies ist nicht ueberall der Fall. Und war schon gar nicht der Fall in der DDR vor 1989. Auch dort wurde gefoltert. Die NVA war eine Schweinebande ohnegleichen und im Vergleich konnte diese Bande in jeder Hinsicht mit allen Kriegsverbrechern dieser Welt mithalten. Hier sei auf die Einsatze in s.g. sozialistischen Bruderlaendern hinzuweisen.
Folter in jeder Form ist abscheulich. Aber sehr oft eben notwendig. Waeren Sie bereit das Leben Ihrer Familie zu opfern wenn Sie es mit Informationen welche durch Folter extrahiert werden, retten koennten? Im Leben ist nicht immer alles auf einen Nenner zu bringen. Ist nicht immer alles so einfach. Die Tuerken sind echte Weltklasse wenn es zu Verhoermethoden kommt. Von denen haben Sie einige Millionen in Ihrem Land und es waere angebracht dort mit dem Aufraeumen anzufangen.
oxmoxox (20.04.2009, 15:57 Uhr)
@ auwei
Apropos "schönes Wetter"... ich geh jetzt mal raus und genieße die Sonne und meine Menschenrechte. Ich hoffe für Sie, dass Ihre Menschenrechte nie verletzt werden und Sie Opfer von Terroristen oder ähnlichen gesellschaftsfeindlichen Idealisten werden.
P.S. Sie haben "Recht".
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