16. August 2012, 12:45 Uhr

Pilotenvereinigung attackiert Ryanair

Drei Notlandungen an einem Tag: Hat Billigflieger Ryanair aus Kostengründen beim Kerosin gespart und damit die Sicherheit der Passagiere gefährdet? Der heikle Verdacht steht im Raum. Von Birgit Jennen, Madrid

Ryanair, Notlandung, Sprit, Kerosin, Spanien, Billiflieger, Airline

Ryanairmaschine in Magdeburg. Der irische Billigflieger steht in der Kritik, weil er angeblich aus Kostengründen beim Treibstoff spart und so die Sicherheit der Passagiere gefährdet©

Ryanair ist in Spanien, einem der wichtigsten touristischen Märkte, ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Das spanische Verkehrsministerium hat eine Untersuchung gegen die Billigfluggesellschaft eingeleitet, nachdem an einem Tag gleich drei Ryanair-Maschinen notlanden mussten. Die Behörde will Vorwürfe prüfen, die Flugzeuge seien wegen Treibstoffmangels notgelandet. "Wenn eine Fluglinie an einem Tag dreimal wegen Kerosinmangels notlanden muss, dann stimmt etwas im System nicht", kommentierte der Sprecher der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, die Vorfälle gegenüber der "Financial Times Deutschland".

Der Verdacht, die Sicherheit der Passagiere gefährdet zu haben, ist für jede Fluggesellschaft heikel. Ryanair wirbt jedoch offensiv mit dem Image als Billigfluglinie - und um dem immer wieder aufkeimenden Verdacht zu begegnen, dass solche Low-Cost-Anbieter auf Kosten der Sicherheit sparen, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary in den vergangenen Jahren verstärkt investiert. "Alle drei Maschinen landeten normal und mit ausreichenden Kerosinvorräten", wies ein Sprecher die Vorwürfe zurück.

Ryanair: Sicherheitsvorschriften erfüllt

Die Notlandungen, die sich schon am 26. Juli ereigneten, haben daher das Potenzial, das Image von Ryanair stark zu beschädigen. Im Auftrag des Verkehrsministeriums untersucht nun die spanische Flugsicherheitsbehörde (AESA) unter anderem, ob die Maschinen möglichst knapp betankt wurden. Damit sind die Flugzeuge leichter - und somit billiger zu betreiben.

Wegen eines Gewitters mussten am 26. Juli zahlreiche Flüge nach Madrid auf den Flughafen Valencia umgeleitet werden, der eine Stunde entfernt liegt. Dort hatte sich jedoch bereits eine Warteschleife gebildet. "Nachdem drei Maschinen 50, 68 und 69 Minuten nach der geplanten Landezeit in Madrid noch über Valencia kreisten, beantragten die drei Ryanair-Maschinen eine sofortige Landung, da die Kerosinmengen an Bord ein Minimum erreicht hatten", erklärte Ryanair den dreifachen Notruf. Zum Zeitpunkt der Landung sei noch Treibstoff für rund 30 Minuten Flugzeit im Tank gewesen, womit Ryanair die Sicherheitsvorschriften erfüllt habe. Der spanische Verbraucherverband Ceaccu hingegen sah die Sicherheit der Passagiere "schwer" gefährdet.

Druck auf Piloten ausgeübt?

In der Branche wird nun diskutiert, ob das Vorgehen von Ryanair System hat. "Ryanair setzt die Piloten unter Druck, nicht zu viel Treibstoff zu tanken", monierte Kapitän Handwerg. Die Zeitung "Irish Independent" berichtet von einem internen Schreiben an die Piloten von Ryanair, wonach das Management den "exzessiven" Kerosinverbrauch moniert habe, weil dies den Effizienzzielen widerspreche. Ryanair nimmt hierzu keine Stellung. Der Sprecher erklärte nur, jede Fluglinie verfolge eine auf Flugdaten beruhende Treibstoffpolitik, womit sich Ryanair im rechtlichen Rahmen bewege.

Um auf unvorhersehbare Vorfälle wie Gewitter oder längere Warteschleifen reagieren zu können, müssten Piloten die Tankfüllung in Eigenregie bestimmen können, so Handwerg. Ein Versuch des Managements, den Kerosinverbrauch zu beschränken, sei "grob fahrlässig".

Übernommen aus ... FTD zur Homepage

 
 
Jetzt bewerten
13 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Schwere Vorwürfe gegen Billigfluggesellschaft Spanien prüft Flugsicherheit bei Ryanair

Spanische Verbraucherschützer laufen Sturm gegen Ryanair. Flieger sollen zu wenig Sprit geladen und der Konzern so den Schutz der Passagiere missachtet haben. Das Verkehrsministerium ist alarmiert.

Billigflieger plant SMS-Service Ryanair-Chef gesteht Fehler ein

Der Chef der Billigfluglinie will das Unternehmen in Sachen Kommunikation fitter machen. Für eine neue Strategie investiert er Millionen.

Gepäckfallen der Airlines Der Koffer kostet mehr als der Sitzplatz

Fluggesellschaften haben das Gepäck bei ihren Passagieren als Einnahmequelle entdeckt. Jetzt erhöht Ryanair die Gebühren drastisch: Wer am Flughafen seinen Koffer aufgibt, zahlt bis zu 100 Euro extra.

Ryanairs PR-Strategie Der kalkulierte Porno-Knaller

Pornos über den Wolken und gegen Gebühr - mit diesem Vorschlag sorgte Ryanair für Aufregung. Tatsächlich geht es gar nicht um XXX-Filme in der Flugkabine, die Idee ist nur Teil einer PR-Strategie.

Billigflieger im Test Schlechter Service zu niedrigen Preisen

Versteckte Kosten, mangelnder Flugkomfort und mühsames Stornieren. Wer billig fliegen will, der darf keine hohen Ansprüche stellen. Die Stiftung Warentest hat zehn Billigflieger getestet. Die neuste Untersuchung eines Marktforschungsinstituts bescheinigt Ryanair und Easyjet einen schlechten Ruf.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?