Zeitreisen sind möglich: Wer von einem Kontinent zum anderen fliegt, zwingt seinem Körper eine neue Zeitzone auf. Flüge in den Osten sind besonders schlimm - die innere Uhr muss sich selbst zurückstellen. Damit hat der Körper enorme Probleme.

Entspannen Sie sich: Ein Flug gen Westen schenkt Ihnen Stunden© Colorbox
Wer von Deutschland in die USA fliegt oder nach China, kommt nicht nur in ein neues Land - er kommt auch in eine andere Zeit. Dadurch kommt der innere Tag-Nacht-Rhythmusdurcheinander: Der Mensch leidet unter Jetlag, er ist ziemlich müde und zerstreut. Denn unsere innere Uhr tickt zunächst weiter nach heimischem Takt.
Unser Körper besitzt viele biologische Uhren, jede Zelle hat eine, jedes Organ gleich mehrere. Gesteuert werden sie alle von einem kleinen Nervenknäuel im Gehirn, dem so genannten Nukleus suprachiasmaticus. Dieser Hirnkern koordiniert die täglichen Abläufe im menschlichen Körper. Er sorgt dafür, dass wir müde werden, wenn es draußen dunkel ist. Er lässt uns zu bestimmten Zeiten Hunger verspüren oder Durst. Er beeinflusst unsere Körpertemperatur und stimmt die Verdauung auf den Tagesablauf ab. Geeicht wird dieser Hirnkern durch das Sonnenlicht.
Doch auch Hormone drehen an der inneren Uhr. So produziert die Zirbeldrüse im Gehirn während der Nacht besonders viel Melatonin. Dieses Hormon hat in einem Orchester verschiedener Botenstoffe einen wichtigen Part, wenn es darum geht, die innere Uhr mit den äußeren Gegebenheiten in Einklang zu bringen. Der Melatonin-Fluss versiegt, sobald es draußen hell wird.
Wenn Sie von Europa nach Asien fliegen und dabei mehrere Zeitzonen überqueren, dann trifft der Jetlag Sie unweigerlich. Denn beim Reisen gen Osten verkürzt sich unser Tag: Während des Fluges gehen Stunden verloren. Das bringt unsere innere Uhr ziemlich durcheinander, sie muss sich vorstellen. Einfacher ist die Reise nach Amerika: Bewegen wir uns westwärts, bekommen wir Stunden geschenkt, die innere Uhr braucht nur etwas gemächlicher zu ticken.
Ob Osten oder Westen - die Folgen des Jetlags sind immer gleich: Mitten am Tag sind Sie müde, des Nachts hingegen hellwach. Alle anderen speisen mit Appetit, aber Sie haben keinen Hunger. Sie sind launisch und können sich nicht richtig konzentrieren. Zu allem Übel ist auch noch die Verdauung durcheinander, vielleicht haben Sie sogar Bauchkrämpfe.
Constanze Löffler