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Sergej W. war offenbar Einzeltäter und handelte aus Habgier

Sergej W. wollte Spieler des BVB schwer verletzen oder sogar töten. Davon geht die Bundesanwaltschaft nach der Festnahme des 28-Jährigen aus. Der Deutschrusse soll jetzt vor den Haftrichter kommen - wegen versuchten Mordes.

Die Festnahme des 28-jährigen Sergej W. markiert eine spektakuläre Wende nach dem Anschlag auf Bus und Mannschaft des Fußball-Bundesligisten : Weder islamistische noch rechts- oder linksextreme Motive stecken hinter den Bombenexplosionen, sondern offenbar Geldgier.

Der im Raum Tübingen Gefasste wird von der verdächtigt, den Sprengstoffanschlag verübt zu haben, um mit Aktienoptionen einen hohen Gewinn zu machen. Er soll laut Bundesanwaltschaft auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie durch tote oder verletzte Spieler gesetzt haben. Dadurch habe er einen hohen Gewinn einstreichen wollen. Wie viel Geld der Verdächtige maximal an der Börse hätte gewinnen können, ist noch nicht klar. Das werde derzeit noch berechnet, sagte Frauke Köhler, die Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Der Mann habe drei verschiedene Derivate auf die Aktie von Borussia Dortmund erworben - die meisten davon am Tag des Angriffs selbst. Dafür habe er einen Verbraucherkredit in Höhe von mehreren zehntausend Euro aufgenommen. Sicher sei: Je tiefer die Aktie des Fußballvereins gefallen wäre, desto höher wäre der Gewinn für den Verdächtigen ausgefallen, hieß es.

Sergej W. handelte beim Anschlag auf BVB-Bus alleine


Herkunft und Art des beim Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus verwendeten Sprengstoffs sind noch nicht ermittelt. Da bei der Explosion der drei Sprengsätze vergangene Woche der gesamte Sprengstoff umgesetzt worden sei, seien die Untersuchungen "etwas komplexer und etwas aufwendiger", sagte Köhler. Die Kriminaltechniker müssten zum Beispiel Bodenproben untersuchen. Dafür brauchten sie Zeit.

Die Bundesanwaltschaft hat nach der des Verdächtigen bislang keine Anhaltspunkte für Komplizen. Es gebe keine Hinweise auf Gehilfen oder Mittäter, sagte die Sprecherin. Die Ermittlungsbehörde behalte diese Frage aber weiter im Blick. 

Der Verdächtige kommt vor den Haftrichter

Der Verdächtige werde am Freitagnachmittag einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt. Dieser kann Haftbefehl erlassen. Ihm werden nach dem Anschlag auf die Fußballspieler versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Bei dem Anschlag waren ein Spieler von Borussia Dortmund und ein Polizist verletzt worden.

wue/DPA/AFP

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