Christina Graf schreibt ein kleines Stück TV-Geschichte

3. Februar 2013, 09:26 Uhr

Fußball und Frauen - längst schließen sich diese Begriffe nicht mehr aus. Der Bezahlsender Sky setzt vermehrt auf Reporterinnen. Nun kommentiert mit Christina Graf erstmals eine Frau live. Von Maximilian Koch

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Sky, Christina Graf, Esther Sedlaczek, Laura Wontorra, Ruth Hofmann

Gibt heute ihr Debüt als Sky-Kommentatorin: Christina Graf (M.), neben den Moderatoren Jessica Kastrop (l.) und Oliver Pocher©

Das Lob kam von höchster Stelle. "Sie bringt alles mit, was man in diesem Job braucht: großes Fachwissen, sprachliche Fertigkeit, eine markante Stimme und echte Begeisterung für den Fußball." Wer Marcel Reif, dem Chefkommentator des Pay-TV-Senders Sky schon einmal bei einer Fußball-Übertragung zugehört hat, der weiß, dass eine solche Laudatio bei ihm sehr selten vorkommt. Reif ist ein kritischer Begleiter des Spiels, der hohe Ansprüche stellt – an sich und an die Protagonisten auf dem Rasen. Umso mehr dürfte sich Christina Graf an jenem Tag im November des vergangenen Jahres geschmeichelt gefühlt haben.

Reif war Teil einer Jury, die für den Münchner Sender die erste Frau suchte, die ein Spiel der Fußball-Bundesliga live im Fernsehen kommentiert. 1200 Frauen bewarben sich – am Ende setzte sich die 27-jährige Christina Graf aus Siegen durch. "Das ist der Job, den ich immer machen wollte", sagt die Studentin der Medienwissenschaft stern.de. "Man darf dem Zuschauer, der nicht ins Stadion gehen kann, ein Spiel nahe bringen. Das ist ein absolutes Privileg."

Am Sonntag wird es nun ernst für Graf, sie kommentiert das Zweitliga-Duell Jahn Regensburg gegen Hertha BSC. Es ist ihr Debüt: "Die Anspannung ist in den letzten Tagen natürlich gestiegen", verrät sie. "Das ist eine Aufgabe, die man perfekt schaffen möchte. Da hat man sehr viel Respekt vor." Seit Wochen habe sie sich auf die Partie vorbereitet, Statistiken und Fachmagazine gelesen. "Ich habe mir sogar die Autogrammkarten beider Mannschaften zukommen lassen, um die Gesichter der Spieler zu lernen. Jetzt freue ich mich, dass es endlich losgeht."

"Sky" wird für eine mutige Strategie belohnt

Respekt ja, Angst nein – Graf, die als Radio-Kommentatorin bereits Live-Erfahrungen gesammelt hat, sieht sich gewappnet für die große Aufgabe am Sky-Mikrofon. Auch deshalb, weil sie selbst jahrelang für die Clubs Bad Neuenahr und Heike Rheine in der Bundesliga Fußball spielte. "Das hilft mir schon", sagt Graf, "dieses Gefühl zu haben für Raum im Spiel."

Die Zuschauer wird sie davon erst überzeugen müssen. Nicht ausgeschlossen, dass es bei ihrer Premiere auch kritische Stimmen geben wird: "Natürlich kann das passieren", sagt sie. "Aber solange man mir fachlich nichts vorwerfen kann, bin ich da unantastbar für mich selber." Falls es tatsächlich zu negativen Reaktionen kommen sollte, könne sie das sogar ein bisschen verstehen: "Ich glaube, das ist dieses Gewohnheitsding. Man kennt einfach nur den männlichen Kommentar, hat sich daran gewöhnt und deshalb ist es eine Umstellung, nun einer Frau zuzuhören."

Frauen und Fußball – noch vor einigen Jahren war diese Kombination vor allem für männliche Zuschauer nur schwer vorstellbar. Doch inzwischen hat sich die Skepsis weitgehend gelegt. Frauen haben sich in der Sport-Berichterstattung etabliert, Vorurteile nimmt man immer seltener wahr. Sky nimmt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle ein, setzt vermehrt auf weibliche Reporter. Beim Montagsspiel der zweiten Liga etwa liegt die Moderation ganz in den Händen von Esther Sedlaczek, Laura Wontorra und Ruth Hofmann. Und Statistiken belegen, dass sich diese Strategie auszahlt. "Die Reaktionen unserer Zuschauer sind sehr positiv", sagt Ralph Fürther, Chef der Produkt- und Programmkommunikation bei Sky. In dieser Saison würden beim Topspiel am Montag doppelt so viele Zuschauer einschalten wie noch in der vergangenen Spielzeit.

"Die Akzeptanz uns gegenüber ist definitiv da"

"Ich finde es super, wie die Drei das machen", sagt auch Graf, "das Spiel am Montag hat dank ihnen das gewisse Etwas." Generell sei die Toleranz gegenüber Frauen im Fußball größer geworden. Dies bestätigt auch Esther Sedlaczek: "Die Akzeptanz uns gegenüber ist definitiv da. Es ist mir noch nie passiert, dass ich von einem Gesprächspartner nicht ernst genommen wurde."

Die Erfolgsgeschichte bei Sky soll nun von Graf fortgeführt werden. "Wir wollen, dass es Normalität wird, dass auch eine Frau ein Fußballspiel kommentiert", sagt Ralph Fürther. Es liegt nun an Graf, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Ganz schön viel Drück für die Debütantin, die damit aber professionell umgeht: "Ich spüre großen Rückhalt, der Sender gibt mir ein gutes Gefühl." Einem gelungenen Start steht also nichts im Wege.

Von Maximilian Koch
 
 
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