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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Seit 20 Jahren gehört er bei Millionen zur Familie

Vor bald 20 Jahren ging die erfolgreiche Quizshow "Wer wird Millionär" zum ersten Mal in Deutschland auf Sendung. Frank Behrendt war damals Mitarbeiter bei RTL und als er letzte Woche Günther Jauch bei der Vorstellung der kommenden TV-Highlights live erlebte, freute er sich ganz besonders.

Günther Jauch bei einem Prominentenspecial im Jahr 2009

Günther Jauch bei einem Prominentenspecial im Jahr 2009

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Als das Licht auf der riesigen Showbühne im Kölner Coloneum anging und Günther Jauch auf seinem typischen Quiz-Stuhl sichtbar wurde, brandete Beifall im weiten Rund auf. Die TV-Sender hatten zahlreiche Medienmenschen zur Vorstellung der kommenden Fernseh-Highlights geladen und auch ich saß im Publikum. Jauch sah aus wie immer und seinen trockenen Humor hatte er ebenfalls dabei. Auch wenn vor und nach ihm dynamische Programm-Macher die Vorzüge von Video-on-Demand und diversen neuen Formaten priesen, es hatte etwas Beruhigendes, dass Günther da war.

Es ändert sich so viel, da ist Günther Jauch ein vertrauter Fels in der Brandung. Und was für einer. Schon vor Jahren überschrieb die Süddeutsche Zeitung einen Artikel über ihn zur 1000. Sendung von "Wer wird Millionär" (WWM) mit dem Titel: "Deutschlands Fernseh-Präsident". Als das Marktforschungsinstitut Ipsos einmal die beliebtesten Deutschen erfragte, entschied sich die Mehrheit der 2100 Probanden für Jauch.

Der Mann ist einfach der Hit. Sein Handwerk hat er einst an der Deutschen Journalistenschule in München gelernt. Anschließend studierte er Neuere Geschichte und Politik. Parallel legte er aber schon am Mikrophon los und wirkte als freier Mitarbeiter beim legendären Sender RIAS Berlin. Danach verschlug es ihn nach München zur Sportredaktion des Bayerischen Rundfunks. Dass Günther Jauch auch ein begnadeter Sportmoderator ist, bewies er nicht zuletzt 1998, als er gemeinsam mit Marcel Reif den Halbfinal-Kracher in der Champions League zwischen Real Madrid und dem BVB kommentierte.

Sein Spruch "Das erste Tor ist schon gefallen" wurde Kult, denn als Jauch den Satz ins Mikro sprach, standen die Spieler noch gar nicht auf dem Platz. Zwei Minuten vor dem geplanten Anpfiff war eines der Tore umgekippt. Erst mit 76 Minuten Verzögerung ging es damals los, Reif und Jauch berichteten allerdings fröhlich weiter. Ein Fernsehmoment für die Geschichtsbücher. Kurioserweise war die Quote während der Berichterstattung ohne Spiel höher als später mit. Für das Meisterwerk der Moderation gab es den Bayerischen Fernsehpreis und Applaus für die Ewigkeit.

Auch bei Deutschlands erfolgreichstem TV-Quiz hat Günther Jauch großartige Momente am Fließband produziert. Langweilig wurde es in all den Jahren nie - das liegt vor allem an ihm. Seine Mimik, die Sprüche, der Talk mit den Kandidatinnen und Kandidaten sind einfach beste Unterhaltung. Im Herbst spendiert RTL eine Jubiläumssendung zum 20. Geburtstag. Der Clou: Es werden nur Fragen gestellt, die in der WWM-Geschichte schon mal drankamen. Feinstes TV-Entertainment ist garantiert.

Und eine neue Show mit dem Quotengaranten Jauch wird es demnächst auch geben: "Bin ich schlauer als Günther Jauch?" heißt sie und jeder kann sich dann mit dem klugen Moderator aus Potsdam messen. Ich selbst hatte auch schon einmal die Freude, als Kandidat auf den großen Quiz-Meister im Studio zu treffen. Beim "Winnetou-Special" im Zuge der damaligen Neuverfilmung des Stoffes.

Als der Jingle ertönte und die Zeit erbarmungslos lief, wurden allerdings selbst gestandene Rampensäue wie ich nervös. Um den Bruchteil einer Sekunde habe ich damals den Sprung auf den Ratestuhl verpasst. Nach der Sendung traf die gesamte Quizrunde Günther Jauch zum After-Show-Talk. Nahbar war er, witzig, einfach ein Mensch, den man mögen muss.

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Mein Sohn Josh will es einmal besser als sein Vater machen, die Familienehre retten und natürlich die Million holen. Gemeinsam mit seiner kleinen Schwester übt er daher fleißig im WWM-Online-Trainingslager und verfolgt begeistert die Sendung. Mehrfach hat er es schon geschafft, sich im Netz bis auf den Thron vorzuarbeiten und ist sich seitdem sicher, dass er auch auf dem Stuhl im Studio ganz cool bleiben würde. Nun hoffe ich für ihn, dass Günther Jauch noch ein paar Jahre den Millionärs-Quizmaster gibt, damit mein Sohn die Kohle auch in echt klar machen kann. Großzügig hat er mir immerhin ein Prozent der Gewinnsumme versprochen, "weil du meine Handyrechnung bezahlst".