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24. Februar 2009, 11:45 Uhr

Mit dem Katheter in die Harnröhre

Kann man innerhalb von zehn Minuten eine Urin-Probe manipulieren? Man kann, sagt Doping-Analytiker Wilhelm Schänzer im Gespräch mit stern.de. Sogar ein Urin-Austausch mit einem Katheter ist möglich. Von Tim Schulze

Doping, Hoffenheim, Wada, Nada

In Hoffenheim reden sie im Moment über das Thema Doping© Picture-Alliance

Wie kann man in wenigen Minuten eine Urin-Probe manipulieren? Zehn Minuten sind die Hoffenheimer Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Jancker nach dem Bundesliga-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach zu spät zur Doping-Probe gekommen. Das ist ein Vergehen gegen die Kontroll-Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, denen sich auch der DFB unterworfen hat. Den beiden Profis droht jetzt ein Jahr Sperre. Das mutet drakonisch an. Aber Tatsache ist, dass eine ernsthafte Doping-Bekämpfung nur mit strengen Kontrollen und Richtlinien durchzuführen ist. Die harten Sanktionen zeigen, dass der Anti-Doping-Kampf ernst genommen wird - auch im Fußball.

Die Regeln besagen, dass Spieler umgehend nach Spielende zur Kontrolle müssen und zwar in Begleitung. Dort geben sie unter Aufsicht eine Urin-Probe ab. Das hat seinen Grund. Selbst in wenigen Minuten sind Manipulationen möglich. stern.de fragte einen der renommiertesten Doping-Analytiker in Deutschland, was alles möglich ist. Nach Auskunft von Prof. Wilhelm Schänzer, der an der Kölner Sporthochschule auch für das Internationale Olympische Komitee Dopingtests durchführt, gibt es grundsätzlich vier Manipulations-Methoden:

Manipulation mit Medikamenten: Die Einnahme von entsprechenden Substanzen kann die Urinprobe verändern. Das wäre allerdings keine besonders geschickte Methode, "weil diese Medikamente wiederrum zu leicht nachzuweisen sind. Das kann man fast ausschließen" sagt Schänzer.

Chemische Manipulation: Die Spuren von Epo lassen sich mit Chemikalien überdecken, die in die Probe gegeben werden. Aber auch hier gilt, dass die das Epo überlagernden Substanzen bekannt sind und zumindest einen Hinweis auf eine Manipulation geben.

Austausch der Urinprobe: Auch mit diesem simplen Trick lässt sich nur oberflächlich täuschen. "denn mit einer präzisen DNA-Analyse" lässt sich auch dieser Trick nachweisen, betont Schänzer.

Urin-Austausch mit einem Katheter:: "Um diese Methode anzuwenden, muss man logistisch perfekt ausgerüstet und perfekt vorbereitet sein" sagt Schänzer. Über einen Katheter, der in die Harnröhre eingeführt wird füllt man die entleerte Blase mit Fremd-Urin. Auch hier gilt, dass Fremd-Urin mit einer späteren DNA-Analyse nachzuweisen ist.

Fazit: Auch in zehn Minuten lässt sich natürlich eine Dopingprobe manipulieren, aber die Wahrscheinlichkeit erscheint in diesem Fall eher gering, weil sich simple Tricks nachweisen lassen. Die Tests der Hoffenheimer Spieler waren negativ, und anscheinend gab es keine Hinweise auf Manipulationen. Jetzt muss geklärt werden, ob die Wada tatsächlich auf einen Jahr Sperre besteht oder auch ein geringeres Strafmaß akzeptiert. Aber eines ist klar: Den Profis Jancker und Ibertsberger wird in jedem Fall eine Sperre aufgebrummt werden.

Von Tim Schulze
 
 
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