4. August 2012, 22:27 Uhr

Chaos um Silber im Siebenkampf

Drama mit Happy End: Siebenkämpferin Lilly Schwarzkopf war nach dem letzten Wettbewerb zunächst disqualifiziert worden. Silber schien futsch - doch die Entscheidung wurde korrigiert.

London, Olympia, Lilli Schwarzkopf, Siebenkampf

Entsetzter Blick: Lilly Schwarzkopf nach dem letzten Wettkampf im Siebenkampf disqualifiziert. Dann stellt sich die Entscheidung als Irrtum heraus.©

Lauf-Drama mit Happy End für Lilli Schwarzkopf: Erst wurde die deutsche Siebenkämpferin disqualifiziert, dann mit der Silbermedaille dekoriert. Die 28-jährige Athletin von der LG Rhein-Wied hatte nach einem Wirrwarr um das angebliche Verlassen der Bahn im abschließenden 800-Meter-Lauf am Ende das Glück auf ihrer Seite. "Hauptsache es glänzt - egal, welche Farbe", sagte die gebürtige Kasachin glücklich.

Erst wurde Schwarzkopf disqualifiziert, weil sie angeblich auf die Außenlinie getreten war. Doch nach Ansicht einer Videoaufzeichnung nahm die Jury den Ausschluss wieder zurück. "Die Briten haben eine neue Art von Humor", sagte Schwarzkopf und betonte: "Ich bin drin in der Wertung." Fernsehbilder belegten eindeutig, dass die Russin Kristina Sawizkaja auf die Bahnbegrenzung gelaufen war. Daran änderte auch ein Protest der Ukraine nichts mehr.

Schwarzkopf läuft vom fünften vom den zweiten Platz

Neue Mehrkampf-Queen ist die Britin Jessica Ennis, die mit der Weltjahresbestleistung von 6955 Punkten die Goldmedaille holte. Die genaue Punktzahl von Schwarzkopf wurde erst knapp eine Stunde nach Wettkampfende bekanntgegeben: Mit 6649 Zählern übertraf die Deutsche ihre persönliche Bestleistung um 113 Punkte. Dritte wurde Tatjana Tschernowa (Russland).

Schwarzkopf hatte vor der letzten Disziplin am Samstag auf dem fünften Rang gelegen und nach einem couragierten Rennen im Ziel bereits über Silber gejubelt. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses konnte sie ihre nachträgliche Disqualifikation nicht fassen und diskutierte lange mit den Kampfrichtern. "Ich war total schockiert", erklärte Schwarzkopf später. Letzte Zweifel über ihren Silber-Coup wurden beseitigt, als sie endlich bei der Siegerehrung auf dem Podest stand und die Medaille um ihren Hals baumelte.

Jennifer Oeser muss aufgeben

Die EM-Dritte von 2006 hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nicht auf seiner Medaillenrechnung, da sie nach ihrem achten Platz bei den Peking-Spielen 2008 im Schatten von Jennifer Oeser stand. Die WM-Zweite und -Dritte von 2009 und 2011 aus Leverkusen hatte mit dem Medaillenkampf jedoch von Anfang an nichts zu tun.

Gehandicapt durch eine Fußverletzung in der Olympia-Vorbereitung war sie weit von ihrer Bestform entfernt und musste im 800-Meter-Lauf nach 300 Metern humpelnd aussteigen. Nach der sechsten Disziplin hatte sie an 13. Stelle gelegen. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Die Leute, die wissen, was mit mir los ist, wissen wie das Ergebnis einzuschätzen ist", sagte sie.

Schwarzkopf: Oh, mein Gott

Schwarzkopf hatte am ersten Wettkampftag noch auf Rang acht gelegen. Im Weitsprung landete sie bei 6,30 Meter, nur fünf Zentimeter von ihre Bestweite entfernt. Dagegen blieb die gebürtige Kasachin mit 51,73 Meter im Speerwurf mehr als dreieinhalb Meter unter ihrem Optimum.

"Ich habe mich wahnsinnig geärgert über den misslungenen letzten Speerwurf, der sollte noch ein bisschen weiter gehen", schimpfte Schwarzkopf. Dann hätte sie entspannter in den 800-Meter-Lauf gehen können. Dass sie überhaupt so weit vorne dabei war, überraschte sie selbst: "Darauf habe ich mich eigentlich gar nicht eingestellt. Oh, mein Gott!"

Andreas Schirmer/DPA
 
 
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