Leichtathletik-EM Deutsche gewinnt überraschend Bronze


Die deutschen Siebenkämpferinnen sind bei der EM in Göteborg über sich hinaus gewachsen. Überraschend gewann Lilli Schwarzkopf nach einem dramatischen 800-Meter-Lauf mit persönlicher Bestleistung die Bronzemedaille.

Eine großartige Vorstellung boten die beiden deutschen Mehrkämpferinnen Lilli Schwarzkopf und Jennifer Oeser. Vor allem Schwarzkopf, die zuvor in Götzis und Ratingen zwei Mal ihre Bestleistung auf 6413 Punkten gesteigert hatte, lieferte einen großen Kampf. Die im kirgisischen Nowo Pokrowka geborene Sportstudentin hatte nach dem ersten Wettkampftag noch auf dem 8.Rang gelegen, machte aber in den letzten drei Disziplinen Boden gut und schaffte mit einem furiosen 800-m-Lauf in 2:11,83 Minuten noch den Sprung auf das Siegerpodest. Nur drei Zähler fehlten ihr am Ende am Silberrang. Die letzte deutsche EM-Medaille im Siebenkampf hatte Sabine Braun 1994 bei ihrem Titelgewinn erkämpft.

"Das ist eine unglaubliche Leistung. So etwas haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet", freute sich Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Eingeschlossen ist in dieses Lob auch Jennifer Oeser. Die 22-Jährige rückte nach dem Speerwurf von Platz sechs auf die zweite Position vor. Mit 48,52 Meter stellte die U23-Europameisterin ebenso eine persönliche Bestleistung auf wie im Weitsprung mit 6,28 m, hatte aber über die zwei Stadionrunden nicht mehr die Energie, ganz nach vorn zu kommen. Mit 6376 Punkte verpasste die Leverkusenerin nur knapp einen Medaillenrang und wurde Vierte.

Siebenkampf-Königin von Europa aber ist und bleibt Carolina Klüft. Zum zweiten Mal holte die 23 Jahre alte Schwedin den Titel. Mit ihren 6740 Punkten blieb die Olympiasiegerin deutlich unter der von ihr angepeilten 7000-Punkte-Barriere, stellte aber eine neue Weltjahresbestleistung auf.

Die durch Oberschenkel-Probleme leicht gehandicapte Carolina Klüft hatte vor allem am ersten Wettkampftag mehr Mühe, als ihr recht war. Vor allem im Hürdensprint (13,35 Sekunden) und Hochsprung (1,89 Meter) blieben wichtige Punkte bei der Rekordjagd auf der Strecke. Auch in den letzten drei Disziplinen, dem Weitsprung (6,65 m), Speerwerfen (46,94 m) und im abschließenden 800-m-Lauf (2:14,95) konnte sie keine Bäume mehr ausreißen.

Glück hatte Schwedens Volksheldin, dass ihre französische Rivalin Eunice Barber nach zwei Disziplinen wegen einer Oberschenkelzerrung aufgeben musste. Die in Sierra Leone geborene Athletin hatte ihr bei der WM 2005 in Helsinki das Leben schwer gemacht und war nur knapp geschlagen Zweite geworden. "Jetzt hat sie keine Gegnerin mehr", meinte Eunice Barber, die auch das Weitsprung-Duell mit Carolina Klüft bei der EM am Freitag und Sonntag absagte.

Andreas Schirmer/DPA DPA

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