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Deutschland-Splitter: Britta Steffen bleibt ohne Medaille

Britta Steffen hat über die 50 Meter Freistil keine Medaille gewonnen, sie wurde Vierte. Dafür sorgte Lilly Schwarzkopf mit Silber im Siebenkampf für strahlende Gesichter im deutschen Team.

Es ist der Tag mit den letzten Schwimmentscheidungen bei den olympischen Sommerspielen in London. Gleichzeitig drehen die Leichtathletikwettbewerbe im Olympiastadion voll auf. Bei den Entscheidungen mischten die deutschen Athleten allerdings nur einmal mit.

Lilly Schwarzkopf gewinnt Silber im Siebenkampf

Lauf-Drama mit Happy End für Lilli Schwarzkopf: Erst wurde die deutsche Siebenkämpferin disqualifiziert, dann mit der Silbermedaille dekoriert. Die 28-jährige Athletin von der LG Rhein-Wied hatte nach einem Wirrwarr um das angebliche Verlassen der Bahn im abschließenden 800-Meter-Lauf am Ende das Glück auf ihrer Seite. "Hauptsache es glänzt - egal, welche Farbe", sagte die gebürtige Kasachin glücklich.

Erst wurde Schwarzkopf disqualifiziert, weil sie angeblich auf die Außenlinie getreten war. Doch nach Ansicht einer Videoaufzeichnung nahm die Jury den Ausschluss wieder zurück. "Die Briten haben eine neue Art von Humor", sagte Schwarzkopf und betonte: "Ich bin drin in der Wertung." Fernsehbilder belegten eindeutig, dass die Russin Kristina Sawizkaja auf die Bahnbegrenzung gelaufen war. Daran änderte auch ein Protest der Ukraine nichts mehr.

Hockey-Damen vor dem Aus

Für Deutschlands Hockey-Damen ist die Tür zum olympischen Halbfinale fast schon zu. Beim verdienten 1:3 (0:2) gegen Weltmeister Argentinien kassierte die Mannschaft von Bundestrainer Michael Behrmann am Samstag in London bereits ihre zweite Turnier-Niederlage und hat nur noch geringe Chancen auf den Sprung in die Vorschlussrunde. Im abschließenden Gruppenmatch ist am Montag (09.30 Uhr) zum einen ein hoher Sieg gegen Neuseeland nötig. Zudem müssten die anderen Ergebnisse in der Gruppe B passen.

Weitspringer Bayer wird Fünfter

Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer ist auch bei seinen zweiten Olympischen Spielen ohne Medaille geblieben. Der 26-Jährige vom Hamburger SV landete am Samstag in London mit 8,10 Metern im Finale auf dem fünften Platz. Gold eroberte vor 80.000 begeisterten Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion der Brite Greg Rutherford: Der Favorit gewann mit 8,31 Metern vor dem Australier Mitchell Watt, der 8,16 Meter sprang. Bronze holte Will Claye aus den USA mit 8,12 Metern.

Diskuswerferin Nadine Müller nur Olympia-Fünfte

Nadine Müller hat die erste Medaille einer deutschen Diskuswerferin bei Olympischen Spielen seit Ilke Wyluddas Gold 1996 in Atlanta verpasst. Die Vize-Weltmeisterin aus Halle/Saale enttäuschte in London als Fünfte mit 65,94 Metern. Gold gewann Sandra Perkovic mit dem Landesrekord von 69,11 Metern. Die Kroatin hatte bereits bei der EM im Juni in Helsinki triumphiert.

Steffen scheitert

Britta Steffen hat die Schwimm-Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen in London ohne Medaille beendet. Die Doppel-Olympiasiegerin von Peking 2008 kam am Samstagabend im Finale über 50 Meter Freistil in 24,46 Sekunden auf den undankbaren vierten Platz. Die 28-Jährige verpasste Bronze um sieben Hundertstel.

Die favorisierte Niederländerin Ranomi Kromowidjojo siegte mit olympischem Rekord von 24,05 Sekunden. Die Niederländerin hatte bereits über die doppelte Freistil-Distanz gewonnen und schaffte damit genau wie Steffen 2008 das Freistil-Double. Zweite wurde die Weißrussin Alexandra Gerassimenja (24,28) vor der Niederländerin Marleen Veldhuis (24,39).

Britta Steffen verpasste bei ihren vierten Olympischen Spielen einen Abschluss mit Edelmetall. Zuvor hatte die 28-Jährige mit der Staffel über 4 x 100 Meter Freistil als Neunte sowie im Einzel über 100 Meter mit Platz zwölf im Halbfinale Tiefschläge hinnehmen müssen.

Lisicki und Kas kämpfen im Tennis-Mixed um Bronze

Sabine Lisicki und Christopher Kas schrammten haarscharf am Olympia-Finale vorbei, Serena Williams strahlte mit goldenem Haarband über ihr erstes Einzel-Gold. Immerhin: Bronze ist für das deutsche Tennis-Mixed nach dem hauchdünnen 1:6, 7:6 (9:7), 7:10 gegen den britischen Einzel-Finalisten Andy Murray und dessen junger Partnerin Laura Robson am Sonntag noch drin. "Wir sind sehr enttäuscht - aber jetzt erst recht", unterstrich Lisicki. Zuletzt gab es durch Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler 2004 in Athen mit Silber eine deutsche Tennis-Medaille.

Springreiter Ahlmann im Einzel ausgeschieden

Für die deutschen Springreiter haben die Olympischen Spiele mit einem Schreck begonnen. Christian Ahlmann sammelte mit Codex One in der ersten Runde völlig überraschend 15 Strafpunkte und schied damit im Einzel aus. Der Reiter aus Marl darf mit seinem Hengst allerdings weiter am Teamwettbewerb teilnehmen. Die Eröffnungsrunde im Greenwich Park war die erste Qualifikation für die Einzelwertung, bei der 15 Paare ausschieden. Die zwei Runden des Nationenpreises werden am Sonntag und Montag geritten.

"Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass alles glattgeht", sagte Bundestrainer Otto Becker: "Das darf man aber nicht überbewerten." Den anderen drei Teamreitern gelang ein Auftakt ohne Springfehler. Marcus Ehning aus Borken hatte mit Plot Blue lediglich einen Zeitfehler.

Dogonadze verpasst viertes Trampolin-Finale bei Olympia knapp

Anna Dogonadze hat ihr viertes Trampolin-Finale bei Olympischen Spielen nur knapp verpasst. Die mit 39 Jahren älteste Turnerin der Londoner Spiele kam in der Qualifikation mit 100,370 Punkten auf den zehnten Platz und verpasste den Medaillenkampf um 0,625 Punkte. Bei den Spielen 2004 war sie Olympiasiegerin geworden, 2000 und 2008 hatte sie Olympia mit achten Plätzen beendet.

Alle Stabhochspringerinnen im Finale

Die drei deutschen Stabhochspringerinnen haben die Qualifikation gemeistert und stehen im Finale am Montag. Silke Spiegelburg, Martina Strutz und Lisa Ryzih übersprangen am Samstag jeweils 4,55 Meter. Auch die russische Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa schaffte diese Höhe. Mitfavoritin Fabiana Murer aus Brasilien schied dagegen mit 4,50 Meter aus.

Keine Medaillen für die Schützen

Auch Weltmeisterin Barbara Engleder hat bei den Olympischen Spielen in London die erste Medaille für die deutschen Schützen verfehlt. Im Dreistellungskampf mit dem Sportgewehr wurde die 29-Jährige aus Triftern am Samstag mit 680,8 Ringen Sechste. Zu Bronze fehlten ihr nach dem Finale 2,2 Ringe. "Heute lief es im Wettkampf überhaupt nicht", kommentierte Engleder selbstkritisch.

Unglücklich war in der Qualifikation das Ausscheiden von Sonja Pfeilschifter. Die WM-Zweite lag bis zur letzten Disziplin klar auf Medaillenkurs, kam dann aber unter Zeitdruck und schoss in der letzten Serie im Kniend-Anschlag zweimal eine Acht und dazu noch vier Neunen. Die 41-Jährige verfehlte auf Platz 19 auch bei ihrer fünften Olympia-Teilnahme eine Medaille.

Die deutsche Flinten-Schützin Sonja Scheibl hat das olympische Trap-Finale der besten Sechs klar verpasst. Mit 64 Scheiben landete die 32 Jahre alte Tischler-Meisterin auf Rang 17.

Surferin Delle in der Spitzengruppe

Moana Delle surft im Olympia-Revier vor Weymouth weiter in der Spitzengruppe. Die Kielerin ersegelte in der siebten von zehn Wettfahrten bis zum Medaillenrennen der RS:X-Surferinnen Rang vier. Damit rutschte die 23-Jährige im Gesamtklassement zwar auf Platz fünf der 26 Teilnehmerinnen zurück, liegt aber nur vier Zähler hinter der drittplatzierten Polin Zofia Noceti-Klepacka und einen Punkt hinter der viertplatzierten Ukrainerin Olga Maslavets. In Führung liegt die Spanierin Marina Alabau.

Ruderflotte ohne Medaille

Für die deutsche Ruderflotte ist die olympische Regatta ohne weitere Medaille zu Ende gegangen. Am letzten Wettkampftag auf dem Dorney Lake von Eton musste sich der Vierer ohne Steuermann im Finale mit dem letzten Rang begnügen. Im Ziel betrug der Abstand auf den Sieger aus Großbritannien über zwölf Sekunden. "Den Speed im Mittelteil konnten wir nicht mitgehen", klagte Crew-Mitglied Toni Seifert aus Leverkusen.

Darüber hinaus kamen auch die beiden leichten Doppelzweier lediglich als Sechste ins Ziel. Dennoch fiel die Gesamtbilanz des Verbandes mit zweimal Gold für den Achter und den Männer-Doppelvierer sowie Silber für den Frauen-Doppelvierer deutlich besser als noch vier Jahren in Peking aus. 2008 hatte es nach nur einmal Silber und Bronze viel Kritik gegeben.

Fotofinish beim Triathlon - leider ohne deutsche Damen

Am packenden Zielsprint waren die Deutschen im Triathlonrennen der Damen leider nicht beteiligt. Als beste Deutsche belegte Anne Haug den elften Platz, Anja Dittmer wurde bei ihrer vierten Olympia-Teilnahme Zwölfte. Svenja Bazlen wurde 32. Minutenlang musst auf die endgültige Entscheidung gewartet werden: Die Schweizerin Nicola Spirig und die Schwedin Lisa Nordén überquerten nach 1:59:48 Stunden die Ziellinie Schulter an Schulter. Per Fotobeweis wurde entschieden, dass Spirig ein Körperteil vorn hatte.

Aus im Achtelfinale für Beachvolleyballer

Das Ergebnis war deutlich. 16:21 und 14:21 mussten sich die deutschen Beach-Volleyballer Jonathan Erdmann und Kay Matysik den Top-Favoriten Alison Cerutti und Emanuel Rego aus Brasilien geschlagen geben. Endstation Achtelfinale heißt es für das Duo. Nun ruhen die Hoffnungen in der Sandkiste auf neben den bereits fürs Viertelfinale qualifizierten Sara Goller/Laura Ludwig auf Julius Brink und Jonas Reckermann.

Degen-Damen scheitern im Viertelfinale

Deutschlands Degenfechterinnen sind im Viertelfinale mit 42:45 am WM-Zweiten China gescheitert und können im Bestfall noch Olympia-Fünfte werden. Fünf Tage nach Einzel-Silber für Britta Heidemann und deren Halbfinal-Drama gegen Südkoreas Shin A-Lam präsentierten sich die Leverkusenerin, Imke Duplitzer aus Bonn und die Heidenheimerin Monika Sozanska gegen den Weltranglistendritten als zu unausgeglichen. Nur Heidemann und Duplitzer entschieden am Samstag Teilgefechte für sich.

Sportausschuss beschäftigt sich mit Neonazi-Affäre

Die Neonazi-Affäre um die deutsche Olympia-Ruderin Nadja Drygalla wird auch den Sportausschuss des Bundestags beschäftigen. Das Gremium werde sich "vermutlich noch im September" damit befassen, sagte die Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) im Deutschlandfunk. Bei der traditionellen Sitzung zur Nachbetrachtung der Olympischen Spiele würden sich die Sportfachleute der Fraktionen "zwangsläufig" auch mit dem Fall Drygalla beschäftigen. Sie werde dabei empfehlen, die Sitzung öffentlich zugänglich zu machen, rechne aber mit Widerstand der schwarz-gelben Koalition, sagte Freitag.

Drygalla hatte nach Berichten über Kontakte zur rechtsextremen Szene die Olympischen Spiele in London verlassen. Unklar blieb zunächst, wer schon vor Olympia von diesen Kontakten wusste. Die 23-jährige Sportlerin hatte deshalb bereits 2011 den Polizeidienst quittiert.

Freitag sagte weiter, sie sei "schockiert" angesichts der Berichte. Es müsse nun aufgeklärt werden, "wer wann was gewusst" habe. Es stellten sich in dem Zusammenhang eine Menge Fragen. Zwar dürfe es keine "Sippenhaft" geben, aber einen solch gravierenden Vorwurf hätte sie "gerne im Vorfeld" der Olympischen Spiele geklärt gehabt. Sie stelle sich die Frage, warum die zuständigen Sportfunktionäre nichts gewusst hätten.

Die 23-jährige Rostockerin hatte mit dem Frauen-Achter den letzten Platz belegt, sie sollte an keinem weiteren Wettbewerb teilnehmen. Der Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) erfuhr nach eigenen Angaben erst am Donnerstag von Vorwürfen, Drygalla lebe oder lebte in einer Beziehung mit einem Mitglied der rechtsextremen Szene.

Volleyballer deutlich überlegen

Die deutschen Volleyballer haben den zweiten Sieg gefeiert. Zwei Tage nach dem Fünf-Satz-Erfolg gegen Europameister Serbien bezwang die Auswahl von Bundestrainer Vital Heynen Außenseiter Tunesien am Samstag mühelos mit 3:0 (25:15, 25:16, 25:16) und wahrte damit ihre Chance auf den Einzug ins Viertelfinale. Die Männer des Deutschen Volleyball-Verbandes boten gegen die Nordafrikaner eine konzentrierte Vorstellung und waren in allen Belangen überlegen. Am Montag steht für die deutschen Männer die letzte Vorrundenpartie gegen Weltmeister Brasilien an.

feh/swd/DPA / DPA

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