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Olympia 2012: Schwimmen Debakel für Steffen, Biedermann & Co


Während Michael Phelps in seinem letzten Rennen bei Olympischen Spielen seinen Gold-Rekord ausbaut, erleben auch die deutschen Schwimmer Historisches: Sie blieben ohne Medaille.
Von Christian Ewers, London

Es war der letzte Auftritt von Michael Phelps, dem besten Schwimmer, den dieser Sport je hervorgebracht hat. Und der Meister ging, wie ein Meister gehen sollte: mit einem Triumph. Phelps, 27, siegte mit der 4x100m-Lagenstaffel des US-Schwimmteams; Japan und Australien folgten mit deutlichem Abstand. Phelps hat nun 22 Medaillen bei Sommerspielen gesammelt - 18 Goldmedaillen, zwei silberne, zwei bronzene; er ist damit der erfolgreichste Sportler in der olympischen Geschichte.

Auch der Deutsche Schwimmverband (DSV) erlebte einen historischen Tag im Aquatics Center von London. Erstmals seit 80 Jahren wird das DSV-Team ohne eine einzige Olympia-Medaille die Heimreise antreten. Britta Steffen, die Titelverteidigerin über 50m Freistil, schlug am Samstagabend nur als Vierte an. Es gewann Ranomi Kromowidjojo aus den Niederlanden. Die DSV-Lagenstaffel um Helge Meeuw wurde beim Abschiedsrennen von Michael Phelps Sechste.

Scharfe Kritik am Deutschen Schwimmverband

Auf den DSV kommen nun ungemütliche Wochen zu. Kritik wurde schon in den vergangenen Tagen laut; der ehemalige Weltklasseschwimmer Roland Matthes schimpfte in der Tageszeitung Die Welt: "Unsere Athleten haben keinen Pepp, keinen Mumm, keine entschlossene Körpersprache. Es fehlt die Persönlichkeitsstruktur, die sich mit der Leistung entwickelt." Auch Steffen, die erfolgreichste deutsche Schwimmerin der letzten zehn Jahre, attackierte Matthes hart: "Selbst bei Britta Steffen ist zu spüren, dass sie Olympia nur noch genießen und dort nichts mehr reißen möchte. Ich hätte mich als Olympiasieger nicht so durchreichen lassen wollen."

Britta Steffen ließ am Samstag offen, ob sie ihre Karriere fortsetzen wird. Sie sagte: "Ich werde erstmal in die Pause gehen und dann ganz genau überlegen. Die Leidenschaft für das Schwimmen habe ich immer noch. Bisher bin ich immer gestärkt aus Niederlagen hervorgegangen."

Viel Populismus in der Debatte

Der Verband hat für Sonntagvormittag eine Pressekonferenz angekündigt; über die Tagesordnung wurden allerdings keine Angaben gemacht. Es ist unwahrscheinlich, dass Neuigkeiten bezüglich der vakanten Bundestrainerstelle verkündet werden. Seit Monaten schon sucht die Verbandsspitze um Präsidentin Christa Thiel einen neuen Cheftrainer. Dirk Lange, der diesen Job gern ausgeübt hätte, versagte man die Beförderung vom Bundestrainer zum Boss. Lange schied im Streit; jetzt betreut er das südafrikanische Team, das in London sehr erfolgreich abschnitt. Cameron van der Burgh gewann Gold über 100 Meter Brust, und Chad le Clos wurde Olympiasieger über 200 Meter Schmetterling. Lange spart nun nicht mit Spott. Er hält die deutschen Trainer für unfähig und den Verband für zu geizig, um gute Leute zu holen. Lange sagte: "Wenn man mit Bananen bezahlt, kriegt man halt nur Affen."

Es ist jetzt viel Populismus in der Debatte, die Dinge liegen komplexer, als sie in manchem dieser Stammtischsprüche thematisiert werden. Viel Zeit bleibt dem Verband jedoch nicht, um seine Probleme zu lösen. Bereits im nächsten Jahr finden in Barcelona die Weltmeisterschaften statt.

Von Christian Ewers, London

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