HOME

Olympiasiegerin und Weltrekordlerin: Was macht eigentlich ... Britta Steffen?

Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gewann die Schwimmerin Gold über 50 und 100 Meter Freistil.

Britta Steffen: Was macht die Olympiasiegerin von 2008 heute?

Britta Steffen, 33, in Berlin. Sie erwartet im Sommer ihr erstes Kind, einen Jungen

Glückwunsch, Frau Steffen: Sie sind im siebten Monat schwanger. Warum haben Sie das so lange geheim gehalten?

Ein Geheimnis war das nicht. Aber ich habe es auch nicht ungefragt herausposaunt. Irgendwann bin ich gefragt worden und habe wahrheitsgemäß geantwortet.

Wenn Sie den Chlorgeruch in der Nase spüren, haben Sie trotz Schwangerschaft noch Lust aufs Schwimmen?

Sobald ich Schwimmbadluft rieche, setzt bei mir sofort die Wettkampfstimmung ein. Und jetzt habe ich auch wieder Lust und ziehe einmal pro Woche die Bahnen. Am Anfang war das anders, jeglicher intensive Geruch war eine Herausforderung.

Der Vater Ihres Kindes ist Kameramann. Zuvor waren Sie fünf Jahre mit einem Schwimmkollegen zusammen: Paul Biedermann. Ist so eine Sportlerbeziehung schwer?

Die fünf Jahre waren eine schöne, aber auch anstrengende Zeit. Wir konnten wenig zusammen entspannen, da Paul und ich sehr ehrgeizig waren und nach Erfolgen strebten. 2013 habe ich meine Karriere beendet und über Familie nachgedacht, für Paul stand der Sport damals weiterhin im Vordergrund. Ich wollte ihm weder Druck machen noch auf meine eigenen Träume verzichten. Wir haben es leider nicht geschafft, auf einen Nenner zu kommen, und uns freundschaftlich getrennt.

Bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften haben Sie insgesamt 35 Medaillen gewonnen und den größten Teil verschenkt. Bereuen Sie Ihre Aktionen?

Eine Medaille je Wettbewerb reicht mir. Der Rest wäre sonst in Kartons gelandet. Stattdessen habe ich lieber den Trainern und freiwilligen Helfern meine Wertschätzung für ihre Unterstützung gezeigt. Das Olympia-Gold behalte ich, es liegt bei meinen Eltern in der Schublade.

Mussten Sie nach dem Olympiasieg 2008 kämpfen, um in der Weltspitze zu bleiben?

Der Schwimmanzug hat meine mangelnde Ausdauer sehr gut kaschiert. Deshalb war es nicht besonders schwer, ganz vorn mitzuschwimmen. Später ging es immer mehr bergab. Bei der WM 2011 in Shanghai habe ich auf ganzer Linie versagt und gemerkt, dass der Aufwand für einen Titelgewinn immer größer wird. Mein Tag bestand nur noch aus schwimmen, essen und regenerieren. Das konnte nicht mehr mein Leben sein. Das harte Training rechtfertigte keinen maximal sechsten Platz.

Sie studierten Wirtschaftsingenieurwesen und machten Ihren Master in Human Resources Management. Das hat ja gar nichts mit Sport zu tun.

Der Sport kann mein Leben begleiten, leben kann ich davon aber nicht. Ich muss ein zweites Standbein haben. An das Studium bin ich ziemlich blauäugig rangegangen. Die Ingenieurwelt fiel mir schwer, deshalb habe ich später den Master im Bereich Personalentwicklung gewählt.

Seit März haben Sie Ihren Abschluss in der Tasche. Wohin geht es beruflich?

Bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung bringe ich jungen Menschen in Projekten die Gesundheit näher. Außerdem bin ich Mitinhaberin einer Coaching-Firma, halte Vorträge in Unternehmen, möchte Talente zu ihren Potenzialen führen.

Können Sie Familie und Beruf miteinander vereinbaren?

Mein Freund ist selbstständig und kann seine Arbeitszeit frei gestalten, und ich habe auch das Glück, meine Termine je nach Erfordernis zu planen. Wir lassen alles auf uns zukommen, sind aber zuversichtlich.

Warnung der DLRG: Das Seepferdchen ist völlig überbewertet - und das ist gefährlich
Interview: Tobias Ott

Wissenscommunity