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Erneutes Gold: Hockey-Helden sind wahre Champions

Auf die deutschen Hockey-Herren ist Verlass. Dank einer grandiosen Teamleistung hat die Mannschaft wie 2008 in Peking Gold gewonnen. Eine Liebeserklärung an ein Kollektiv, das als Vorbild taugt.

Von Klaus Bellstedt

Muss die Würdigung einer Hockeymannschaft wirklich mit einem Vergleich aus der Welt des Fußballs beginnen. Ja, denn Borussia Dortmund und die deutsche Hockey-Nationalmannschaft haben etwas gemeinsam. Etwas, was Sportlern überhaupt nicht hoch genug anzurechnen ist. Der BVB hat seinen Meistertriumph aus dem vergangenen Jahr wiederholen können. Titel zu bestätigen, sich wieder zu beweisen und am Ende erneut ganz oben zu stehen, das ist es, was echte Champions ausmacht. Die Hockey-Nationalmannschaft gewann vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking durch einen 1:0-Finalerfolg über Spanien Gold. Nun hat die Mannschaft von Trainermagier Marcus Weise ihren Coup auch in London wiederholt. Gegen die Niederlande, gegen die man in der Vorrunde noch 1:3 verloren hatte, hieß es dank zweier Treffer von Jan Philipp Rabente am Ende 2:1.

Es ist ein grandioser, ein überwältigender Erfolg eines Teams, das sich in London für den Triumph zerrissen hat. Anders als so manch anderer deutscher Sportler bei diesen Spielen. Man denke nur mal kurz an die Schwimmerin Britta Steffen. Wieder einmal sind es also die Kugel-Künstler mit dem gebogenen Stock, die neben den Beachvolleyballern Julius Brink und Jonas Reckermann die deutsche Fahne bei den Mannschaftsportarten hochgehalten haben. Außer beim Volleyball, im Tischtennis und eben im Hockey konnte sich ja keine weitere Mannschaftssportart für Olympia qualifizieren. Fußballer, Handballer und Basketballer mussten alle zusehen. Eigentlich schlimm genug. Umso schöner, dass eine der großen deutschen Ballsportmannschaften nun mit Gold dekoriert nach Hause fahren kann. Der DOSB sollte wirklich über eine Extra-Prämie nachdenken.

Viele Garanten für den Sieg

Vor allem auch deshalb, weil die Hockey-Herren so gut als Vorbild taugen. Schon im Halbfinale gegen die derzeit beste Mannschaft der Welt, Australien, lieferten Weises Jungs eine fantastische Vorstellung ab. Gegen körperlich überlegene Aussies hielten sie mit Power-Hockey dagegen und zermürbten mit extremer Laufbereitschaft und einer famosen Einstellung den Gegner. Erneut exzellent vom Bundestrainer vorbereitet, ging der Olympiasieger von 2008 auch ins Finale. Einer für alle, alle für einen, ausgestattet mit einem Teamspirit der Extraklasse und bis in die Haarspitzen motiviert schnitt man den technisch starken Niederländern von Beginn an den Schneid ab. Der Lohn ist die erneute Goldmedaille.

Garanten für den Olympiaerfolg der deutschen Hockey-Nationalmannschafft gibt es viele. Natürlich der Kapitän, Max Müller. Der Innenverteidiger ist auch Antreiber. Er ist es, der das Team permanent und auch in diesem Endspiel nach vorne trieb. Oder auch Rekordnationalspieler Matthias Witthaus, der Mittelstürmer, der nie einen Zweikampf scheut und im Kreis wirklich dahin geht, wo es auf die Knochen gibt. Nicht zu vergessen Keeper Max Weinhold, der schon im Halbfinale die Australier mit sensationellen Paraden zur Verzweiflung gebracht hatte. Routiniers wie Timo Weß, Moritz Fürste oder Christopher Zeller, aber auch die jungen Spieler aus diesem verschworenen Haufen wie der erst 20-Jährige Florian Fuchs vom UHC Hamburg, sie alle sind am späten Samstagabend in London im Hockey-Olymp angekommen. Einige von ihnen sogar nun schon zum zweiten Mal.

"Eine sehr clevere Mannschaft"

Und natürlich muss an dieser Stelle auch der Trainer genannt werden. Marcus Weise führt die Mannschaft an der langen Leine, ganz anders als sein Vorgänger, der Disziplinfanatiker Bernhard Peters. Weise gibt dem Team mehr Freiheiten. Alles ist lockerer, auch die Trainingsgestaltung. Die Mannschaft zahlt es ihm zurück. "Wir sind eine sehr clevere Mannschaft, wir werden vom Trainer sehr gut eingestellt und können auf die jeweiligen Situationen während des Spiels flexibel reagieren", sagt Christopher Zeller. Das konnte man gegen die Niederlande gut beobachten. Deutschland ist keine Mannschaft, die blind anrennt, wenn es mal nicht läuft. Die Mannschaft versucht immer, das taktische Konzept zu verfolgen. Das ist eine ihre großen Stärken. Zeller, der in der Liga für Rot-Weiß Köln spielt, zählt aber vor allem auch den Zusammenhalt dazu. "Wenn man 90 Tage im Jahr bei Trainingsmaßnahmen zusammen verbringt, dann entwickelt sich ein stärkeres Teamgefühl als bei Mannschaften, die sich nur für zwei Wochen treffen."

Die Art und Weise, mit welcher Wucht sie ihren Sport ausüben, das Zusammengehörigkeitsgefühl und dazu ein taktikverrückter Trainer, der die richtige Mischung aus Strenge und Milde gefunden hat: Es ist nicht nur die Titelparallele mit dem BVB, auch in entscheidenden anderen Dingen erinnert die deutsche Hockey-Nationalmannschaft stark an den deutschen Fußballmeister.

Von Klaus Bellstedt

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