Leichtathletik Showdown der Super-Sprinter


Nach den Schwimmern schlägt die Stunde der Leichtathleten. Während sich die deutschen Sportler bescheiden geben, fällt am Samstag der Startschuss für das Rennen, auf das die ganze Welt schaut: der 100-Meter-Sprint der Männer. Einer der Protagonisten verspricht einen heißen Tanz.

Schnelle Sprinter, starke Männer - und deutsche Frauenpower: Während die Jamaikaner Usain Bolt und Asafa Powell in Peking den US-Amerikaner Tyson Gay abhängen und den Titel unter sich ausmachen wollen, setzen die deutschen Leichtathleten zum Auftakt der olympischen Kernsportart auf eine Initialzündung von Kugelstoßerin Nadine Kleinert. "Der perfekte Stoß fehlte mir in diesem Jahr noch", sagte die Magdeburgerin vor ihrem Auftritt im 91.000 Zuschauer fassenden Nationalstadion. Auf die Olympia-Zweite von Athen war stets Verlass auf der internationalen Bühne: Seit 1997 hat Kleinert sechs Medaillen geholt.

Seit Juni hat sich die 32-Jährige, die parallel eine Boxkarriere plant, ganz auf den Kugelstoßring konzentriert. Mit 19,89 Metern liegt sie auf Platz vier der Weltbestenliste, die von der Weißrussin Nadeschda Ostaptschuk mit 20,90 Meter angeführt wird. Im Kugelstoßen der Männer musste Europameister Ralf Bartels aus Neubrandenburg die Sachen packen: Wadenverletzung - das Olympia-Aus. Die Medaillen wollen ohnehin die US-Kraftprotze Adam Nelson, Reese Hoffa und Christian Cantwell unter sich aufteilen.

Mit Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am ersten Wochenende noch einen "Geheimtipp" in seinem 59-köpfigen Team. "Wenn es rund läuft, könnte einiges drin sein", sagte die EM-Dritte aus Paderborn vor dem Auftakt des Siebenkampfes am Freitag. "Das Ziel ist immer eine Medaille. Ich weiß aber nicht, ob ich soweit bin." Die letzte Olympia-Plakette in dieser Disziplin hatte Sabine Braun 1992 mit Bronze in Barcelona geholt.

Gay prophezeit heißesten Sprint der olympischen Geschichte

Über allen Stars und Sternchen stehen am Samstag (16.30 Uhr unserer Zeit) die schnellsten Männer der Welt: Weltrekordler Bolt und sein Vorgänger Powell fordern Weltmeister Gay. Der einzige deutsche Starter wird beim Finale am Samstag nicht mehr dabei sein. Tobias Unger will aber mit erhobenem Haupt rennen. "Auch wenn die Amerikaner 9,60 Sekunden laufen. Das interessiert mich nicht", sagte der 29-jährige Schwabe, dessen Bestzeit bei 10,16 liegt.

"Entscheidend wird sein, wer die Nerven behält. Deshalb könnte es Tyson Gay machen", meinte Unger. Powell hatte im vergangenen Jahr als WM-Topfavorit in Osaka weiche Knie und enttäuschte als Dritter. "Diesmal mache ich es. Ich werde das Rennen gewinnen", tönte der Jamaikaner. "Um Usain zu schlagen, werde ich wahrscheinlich eine 9,60er Zeit rennen müssen", sagte Gay und prophezeite: "Das wird definitiv einer der heißesten 100-Meter-Rennen der olympischen Geschichte."

Im Schatten von Gay, Bolt und Powell steht der Sprint der Frauen am Sonntag: Auch hier heißt das Duell USA gegen Jamaika: Die Amerikanerin Torri Edwards ist die Topfavoritin, Veronica Campbell die Weltmeisterin.

Radcliffe will laufen, bis die Beine einknicken

Zu den weiteren Höhepunkten der Leichtathletik-Show zählt sicher der Frauen-Hochsprung mit Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien) und Olympiasiegerin Jelena Slesarenko (Russland). Highlight für die Chinesen sind die 110 Meter Hürden am Donnerstag: Liu Xiang muss sich gegen Weltrekordler Dayron Robles aus Kuba zur Wehr setzen, der Chinas Nationalhelden stoppen will. Im Stabhochsprung dreht sich alles um Jelena Issinbajewa: Die Überfliegerin aus Russland hofft auf das zweite Gold nach 2004 und ihren 24. Weltrekord.

Gleich über 42,195 Kilometer müssen sich die größten Ausdauerspezialistinnen beweisen. Beim Marathon schauen alle Augen auf Paula Radcliffe: Die Britin saß nach ihren Aus in Athen 2004 heulend am Straßenrand. Nach langer Verletzungspause hofft sie nun endlich auf ihr erstes Olympia-Gold, hatte zuletzt aber mit einem Ermüdungsbruch zu kämpfen. "Ich werde laufen, bis meine Beine einknicken", kündigte die 34-Jährige an. Favoritinnen sind allerdings die Chinesinnen Yingying Zhang und Chunxiu Zhou.

DPA/SID DPA

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