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Leichtathletik-WM: Bartels holt erste Medaille für Deutschland

Kugelstoßer Ralf Bartels hat in einem packenden Finale bei der Leichtathletik-WM in Berlin Bronze gewonnen. Eine große Show lieferte Supersprinter Usain Bolt. Im 100-Meter-Finale trifft der Jamaikaner am Sonntagabend auf Tyson Gay und Landsmann Asafa Powell.

Für Supersprinter Usain Bolt ist die "Mission Gold" in Berlin planmäßig angelaufen, für die Gastgeber setzte Kugelstoßer Ralf Bartels mit Bronze den Glanzpunkt zum Auftakt der Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Vor 42 546 begeisterten Zuschauern im Olympiastadion gab der 31 Jahre alte Neubrandenburger als Dritter mit 21,37 Metern dem deutschen Team den erhofften Start- Schub für die weiteren acht Wettkampftage.

"Bronze ist Bronze, und ich bin einfach nur überglücklich", sagte Sportsoldat Bartels, der schon bei der WM 2005 in Helsinki Dritter war. "Das ist wunderbar", meinte Jürgen Mallow, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Wenn es einer verdient hat, dann Ralf Bartels."

In einem packenden Endkampf hatte sich der Amerikaner Christian Cantwell mit der Weltjahresbestleistung von 22,03 Meter vor Polens Olympiasieger Tomasz Majewski (21,91) durchgesetzt. Der Leipziger Peter Sack wird sich an den lauen Sommerabend dagegen nicht so gern erinnern: Ohne gültigen Versuch landete er auf dem zwölften und letzten Platz.

Bolt trieb erst seine Spässchen mit den Fans, dann "joggte" der schnellste Mann der Welt ins 100-Meter-Halbfinale: 10,03 und Platz zwei in seinem Zwischenlauf reichten dem 22 Jahre alten Jamaikaner locker. "Ich wollte möglichst viel Kraft sparen. Denn das wird hart morgen", meinte Bolt vor dem Showdown mit seinem Rivalen Tyson Gay (USA), der seinen Titel am Super-Sonntag im Olympiastadion nicht kampflos abgeben will.

"Das fühlte sich sehr, sehr gut an", sagte Gay, der in der zweiten Runde 9,98 Sekunden auf die blaue Bahn zauberte. Nur Ex-Weltrekordler Asafa Powell (Jamaika) war mit 9,95 in seinem Zwischenlauf noch einen Tick schneller. Der Chemnitzer Martin Keller war zuvor als letzter deutscher 100-Meter-Sprinter mit 10,40 Sekunden ausgeschieden.

Gold über 10.000 Meter der Frauen sicherte sich nach einer packenden Schlussrunde und einem kuriosen "Zielsprung" die Kenianerin Linet Masai. Die Olympia-Vierte siegte in 30:51,24 Minuten und beendete damit die Serie der Äthiopierinnen von fünf WM-Titeln hintereinander. Zweite wurde Meselech Melkamu in 30:51,34.

Erster Weltmeister wurde der russische Geher-Olympiasieger Waleri Bortschin. Die vielen Zuschauer längs der Prachtallee Unter den Linden feierten den Russen, der die 20 Kilometer in 1:18:41 Stunden vor dem Chinesen Hao Wang (1:19:06) und dem Mexikaner Eder Sanchez (1:19:22) gewann. Lokalmatador André Höhne kam am Brandenburger Tor in 1:21:59 Stunden als 14. ins Ziel. "Na ja, shit happens", meinte der 31-Jährige, der sich bei seinem WM-Heimspiel bis zur völligen Erschöpfung gequält hatte. Für die Gastgeber hatte das "Heimspiel" mit einem Paukenschlag begonnen: Die Potsdamerin Antje Möldner verbesserte im Vorlauf über 3000 Meter Hindernis in 9:21,73 Minuten ihren deutschen Rekord gleich um fast sechs Sekunden und erreichte souverän den Endlauf am Montag.

Im Siebenkampf greift die Leverkusenerin Jennifer Oeser nach einer Medaille. Nach vier Disziplinen lag die 25-Jährige mit 3814 Punkten als Dritte aussichtssreich im Rennen. "Halbzeit"-Beste war die Britin Jennifer Ennis mit 4124 Zählern. Bitteres Aus für Lilli Schwarzkopf: Die EM-Dritte aus Paderborn musste den Wettkampf wegen einer Fersenprellung aufgeben.

Zuvor hatte Bundespräsident Horst Köhler die zweite Leichtathletik-WM in Deutschland nach Stuttgart 1993 offiziell eröffnet. Gemeldet haben insgesamt 2100 Athleten aus 202 Ländern. Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm auf der Ehrentribüne zwischen Lamine Diack, dem Präsidenten des Weltverbandes IAAF, und Clemens Prokop, dem Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV, Platz.

Ralf Jarkowski und Andreas Schirmer/DPA

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