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Leichtathletik-WM: Kugelstoßer Storl holt sensationell Gold

Ihn hatte keiner auf der Rechnung: David Storl aus Chemnitz ist neuer Weltmeister im Kugelstoßen. Es ist die zweite Goldmedaille für die deutschen Leichtathleten bei der WM in Daegu.

David Storl hat bei der Leichtathletik-WM in Daegu sensationell als erster deutscher Kugelstoßer die Goldmedaille gewonnen. Der 21-Jährige aus Chemnitz steigerte seine persönliche Bestleistung im letzten Versuch noch einmal auf 21,78 Meter und verdrängte damit den kanadischen Weltranglistenersten Dylan Armstrong um 14 Zentimeter auf Platz zwei. Bronze ging an den Weißrussen Andrej Michnewitsch mit 21,40 Meter. Ralf Bartels aus Neubrandenburg belegte mit 20,14 Meter Rang zehn. Storl gewann damit in Daegu das zweite deutsche Gold nach Diskuswerfer Robert Harting (Berlin).

Der Chemnitzer, der mit der Bestweite im Vorkampf zum Geheimfavoriten avanciert war, bewies Nerven. Sein erster Stoß war ungültig, mit 21,60 Meter schockte er dann im zweiten Versuch die Konkurrenz. Der Weltjahresbeste Armstrong konterte und setzte sich mit seinem letzten Stoß an die Spitze des Feldes. Doch Storl verbesserte im letzten Versuch erneut seine persönliche Bestleistung und lag in der Endabrechung schließlich vor dem Kanadier.

"Es war wirklich schwierig, sich nochmal zu motivieren, aber es hat glücklicherweise geklappt", sagte der 21-Jährige gleich nach dem Wettbewerb in der ARD. "Ich werde das wohl erst in ein, zwei Wochen wirklich realisieren. Jetzt genieße ich erstmal." Moralische Unterstützung erhielt der neue Weltmeister durch den Teamkollegen Ralf Bartels. "Ich wusste, hier geht was ganz Großes ab. Vielleicht habe ich Storli ja ein bisschen helfen können." Bartels gilt als Meister des letzten Versuchs, mit dem nun auch Storl noch einmal entscheidend zulegen konnte. "Das ist sein Betriebsgeheimnis - und bleibt es auch", lächelte der neue Titelträger.

Obergföll im Speerwerfen nur Vierte

Dagegen enttäuschten die mit großen Ambitionen gestarteten Speerwerferinnen auf der ganzen Linie. Vize-Weltmeisterin Christina Obergföll blieb als Vierte ohne Medaille, Katharina Molitor konnte nie in das Rennen um Edelmetall eingreifen. Gold ging an Maria Abakumowa aus Russland mit 71,99 Meter aus Russland vor der Tschechin Barbora Spotakova (71,68) und Sunette Viljoen aus Südafrika (68,38).

"Unglaublich", haderte die zweimalige Vize-Weltmeisterin Obergföll mit ihrem Schicksal. "Ich habe mich so gut eingeworfen wie noch nie, doch dann ist alles an mir vorbeigegangen", sagte die Offenburgerin, die als Favoritin ins Rennen gegangen war. "Mit dem ersten Versuch ist mir der Stecker gezogen worden. Es tut mir leid." Den Gold- und Silbergewinnerinnen zollte die 30-Jährige ihren Respekt: "Chapeau! Heute beneide ich die beiden."

Die beiden deutschen Weitspringer Christian Reif (Ludwigshafen) und Sebastian Bayer (Hamburg) landeten im Finale der Weltbesten auf dem siebten und achten Platz. Vor allem Europameister Reif hatte sich mit dem Spruch "Überraschen würde mich nur Gold" ins Gespräch gebracht. Nach dem Wettkampf gaben sich beide zuversichtlich, sich bei Olympia in London im kommenden Jahr zu verbessern. Top-Favorit Dwight Philipps holte sich vierten Mal nach 2003, 2005 und 2009 den Weltmeistertitel. Der 27 Jahre alte Amerikaner gewann mit 8,45 Metern Gold. Zweiter wurde mit 8,33 der Australier Mitchell Watt, Bronze ging an Ngonidzashe Makusha aus Simbabwe (8,29).

Betty Heidler souverän auf Kurs

Zuvor hatte Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler sicher das Finale am Sonntag erreicht. Die Frankfurterin übertraf in der Qualifikation im ersten Versuch mit 71,48 Metern die geforderte Weite (71,00) deutlich. Die Europameisterin wurde damit Sechste im Vorkampf. Im Medaillenkampf mitmischen kann auch Heidlers Clubkollegin Kathrin Klaas, die auf 71,69 Meter kam. Für die Topweite sorgte die Chinesin Wednxiu Zhang mit 74,17 Meter. Sie ist Heidlers größte Widersacherin im Kampf um die Goldmedaille.

Eine Runde weiter ist auch die Leipziger Hürdensprinterin Cindy Roleder. In 13,01 Sekunden wurde die 22 Jahre alte deutsche Meisterin am Freitag Fünfte ihres Vorlaufs und steht nun im Halbfinale. Dagegen ist die deutsche 4x400-Meter-Staffel gescheitert. In der Besetzung Janin Lindenberg, Esther Cremer, Lena Schmidt, Claudia Hoffmann reichte es am Freitag nur zu einer Zeit von 3:27,31 Minuten und Platz elf.

dho/DPA / DPA

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