Leichtahtletik-WM Zweimal Silber für Deutschland


Bewegende Momente in der Hauptstadt: Kugelstoßerin Nadine Kleinert und Siebenkämpferin Jennifer Oeser gewinnen am Abend jeweils die Silbermedaille und sorgen für beste Stimmung im deutschen Team.

Jennifer Oeser hat erstmals nach zwölf Jahren bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften eine Medaille im Siebenkampf für Deutschland gewonnen. Mit 6493 Punkten holte die 25-Jährige am Sonntag in Berlin Silber. Nur wenige Minuten danach setzte Nadine Kleinert am heißen Sonntag das "Sommermärchen" fort und holte ebenfalls Silber für das deutsche Team.

Weltmeisterin im Siebenkampf wurde die Britin Jessica Ennis mit der Weltjahresbestleistung von 6731 Punkten. Bronze ging an die Polin Kamila Chudzik (6471). Die Neubrandenburgerin Julia Mächtig kam in der Endabrechnung mit 6265 Punkten auf Rang neun. Aufgeben musste wegen einer Fersenverletzung die Paderbornerin Lilli Schwarzkopf. Um ein Haar wäre Oeser das fast sichere Edelmetall noch aus den Händen geglitten, als sie im abschließenden 800-Meter-Lauf bei 350 Metern zu Fall kam. Sie berappelte sich aber und kämpfte sich in 2:14,34 Minuten noch auf den Silberrang. "Ich habe vorher gesagt, mich kann nur noch ein Sturz stoppen. Und schwups da lag ich", sagte Jennifer Oeser. "Dann bin ich aufgestanden und wieder gerannt. Die Zuschauer haben mich nach vorne geschrien."

Angst vorm Speerwurf


Mächtige Angst hatte Jennifer Oeser, die nach fünf Disziplinen an zweiter Stelle lag, vor dem Speerwurf. "Dort wird noch einmal durchgemischt", prophezeite die Bundespolizistin, machte sich jedoch selbst Mut: "Der Speer muss aber weit fliegen, er muss einfach." Und es gelang: Mit 46,70 Meter blieb sie im Medaillenrennen.

Dass der Speerwurf zur Siebenkampf-Falle werden kann, erlebte Julia Mächtig, die sich zuvor in fünf Disziplinen großartig bewährte und an sechster Stelle lag. Während die 23-jährige Neubrandenburgerin im Weitsprung noch das Glück der Tüchtigen hatte und im letzten Versuch auf gute 6,43 Meter kam, fehlte die richtige Zugkraft beim Speerwurf: Mit nur 40,70 Meter blieb sie 4,33 Meter unter ihrer Bestleistung. "Ich bin ganz schön enttäuscht. Wahrscheinlich habe ich alles falsch gemacht, was ich falsch machen konnte", schimpfte Julia Mächtig, die nach dem dritten Versuch enttäuscht zu Boden sank und ein paar Tränen vergoss.

Ein großartiges Comeback feierte dagegen Weltmeisterin Jessica Ennis in Berlin. 2008 hatte sie einen Ermüdungsbruch in drei Knochen des rechten Fußes erlitten und verpasste die Olympischen Spiele in Peking. Wegen der Verletzung springt die 23-Jährige jetzt beim Weitsprung mit dem linken Fuß ab. "Ich kann gar nicht glauben, dass ich zwölf Monate danach später da bin, wo ich bin", freute sich die Britin.

Kleinert trumpft groß auf


Im Finale der Kugelstoßerinnen trumpfte Nadine Kleinert groß auf. Als die persönliche Bestweite von 20,20 Meter auf der Anzeigetafel erschien, machte die 1,90 Meter große Magdeburgerin einen Satz und stieß unter dem frenetischen Jubel der über 50.000 Zuschauer einen Freudenschrei aus. Fast zeitgleich mit der "silbernen" Siebenkämpferin Jennifer Oeser ließ sie sich von den Berlinern feiern.

Nadine Kleinert toppte damit Ralf Bartels, der schon einen Tag zuvor auf derselben Anlage WM-Bronze geholt hatte. Nach zweimal Silber 1999 und 2001 sowie Bronze 2007 war es für Kleinert das vierte WM-Edelmetall. Den Titel holte die haushohe Favoritin Valerie Vili. Die 120 Kilo schwere Neuseeländerin blieb mit 20,44 Metern auch im 24. Wettkampf in Serie seit dem 23. September 2007 ungeschlagen. Nach der Konkurrenz fielen sich Vili und Kleinert jubelnd in die Arme.

"Geil, einfach nur geil. Ich habe mir nur gesagt: Du dumme Kuh, Du kannst das. Und ich wollte alles in die ersten drei Versuche legen, weil die Konzentration weg ist, wenn Usain Bolt einläuft", meinte Kleinert strahlend. "Vor allem freue ich mich für meinen Trainer, wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen", fügte sie hinzu.

DPA/tis


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