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Leichtathletik-EM in Barcelona Die Jagd nach Gold ist eröffnet


Mit dem Start der 20. Leichtathletik-Europameisterschaft gehen 50 Nationen auf Medaillenjagd. Die deutschen Erwartungen sind eher durchwachsen. Die großen Favoriten kommen aus anderen Ländern. Einmal mehr ganz dick im Geschäft: die Spanier.
Von Daniel Barthold

Der große Sportsommer geht weiter. Nach Fußball-WM, Wimbledon und der Tour de France steht nun die Leichtathletik-Europameisterschaft in Barcelona an. Am Montagabend wurde das Event in der katalanischen Metropole eröffnet. 1370 Athleten aus 50 europäischen Nationen messen sich bis zum 1. August. Wie auch bei den Olympischen Spielen 1992 wird das Olympiastadion in Barcelona Austragungsort der Wettkämpfe sein. Das "Estadi Olímpic Lluís Companys" fasst 55.000 Plätze und soll bei der EM laut Organisatoren einen Schnitt von 30.000 Zuschauern aufweisen.

Es wäre keine schlechte Bilanz und würde die Sportbegeisterung in Spanien bestätigen. Die Iberer räumten diesen Sommer sportlich komplett ab: Fußball-Weltmeister, Wimbledon-Erfolg und Tour-de-France-Sieg. Nun stellen die Spanier bei ihrer Heim-EM mit 88 Athleten die meisten Sportler und können somit auf weitere Kapitel im Sport-Sommermärchen hoffen. Marathonläufer "Chema" Martínez und Langstrecken- und Hürdenläuferin Marta Domínguez gelten als größte Asse der spanischen Leichtathletik.

Licht und Schatten in der deutschen Leichtathletik

In Deutschland ist die Medaillenerwartung durchwachsen. Zwar war die Bundesrepublik bei den Europameisterschaften 2006 mit vier Gold- und vier Silbermedaillen zweitstärkste Nation, in einigen Disziplinen ist der deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) aber gar nicht vertreten. Besonders bitter: Zum ersten Mal in der Geschichte findet der Zehnkampf ohne deutsche Beteiligung statt. Kein Wunder, dass der frühere Olympia-Held Frank Busemann findet: "Es ist wahnsinnig bitter, dass ausgerechnet im Zehnkampf kein Deutscher dabei ist. Vor allem, weil wir ja eigentlich genug Athleten auf internationalem Top-Niveau haben."

In anderen Disziplinen gibt es Chancen auf Edelmetall. Diskuswerfer Robert Harting geht als Weltmeister in den Wettkampf, Christian Reif ist mit 8,27m jahresbester Weitspringer in Europa und Nadine Kleinert und Ralf Bartels könnten beim Kugelstoßen aufs Treppchen. Kleinert erreichte bereits am Dienstag das Finale. In anderen Disziplinen könnten Deutsche für Überraschungen sorgen. Dazu gehören Raphael Holzdeppe im Hochsprung, Moritz Waldmann und Carsten Schlangen über die 1500 Meter und die Sprintstaffel über die vier Mal 400 Meter.

Im Hürdenlauf hat die Hamburgerin Carolin Nytra Medaillenchancen, Betty Heidler im Hammerwurf und Carloin Hingst im Hochsprung sind ebenfalls Hoffnungsträger des DLV. Im Hochsprung der Damen wird jedoch kaum ein Weg an Blanka Vlasic vorbeiführen, die als Weltmeisterin in den Wettkampf geht und Favoritin auf Gold ist. Insgesamt wird es 47 Entscheidungen in Barcelona geben.

Russland holt erstes Gold

Die erste Goldmedaille ging am Dienstag an den 19-Jahre alten Russen Stanislaw Jemeljanow, der sich im 20-Kilometer-Gehen vor dem Italiener Alex Schwazer und dem Portugiesen Joao Vieira durchsetzte. Mit den Russen ist in Barcelona zu rechnen: Bei der EM 2006 holte Russland 12 Goldmedaillen – mit Abstand die meisten.

Hohe Ziele setzen sich auch die Briten, die als Vorbereitung zu den Olympischen Sommerspielen 2012 in London 15 Medaillen bei dieser EM holen wollen. Mutig, denn bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin gewann Großbritannien magere sechs. Eine Ausbeute, die den DLV heuer enttäuschen würde. Vor vier Jahren in Göteborg gab es zehn Medaillen, darunter vier goldene.


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