Aufs Abstellgleis!

12. Dezember 2012, 18:24 Uhr

Mittlerweile soll Stuttgart 21 6,8 Milliarden Euro kosten - die Riesensumme hat die Bahn nun eingestanden. Nicht das einzige, was häppchenweise ans Licht gekommen ist. Beendet das Projekt, fordert Arno Luik.

Von der Vernunft längst verabschiedet

Warum bloß halten die Bahn und so viele Politiker an S21 fest? Warum kuschen die regierenden Grünen in Stuttgart, die wegen des Widerstands gegen S21 an die die Macht kamen, noch immer vor der Bahn? Warum kündigen sich nicht die Verträge? Warum überprüfen sie die Verträge nicht? Gründe gibt es genug.

Bei S21 scheint die Vernunft keine Rolle mehr zu spielen. Im September 2011 hatte die Kanzlerin Angela Merkel das Projekt zur Chefsache gemacht, indem sie erklärte, an S21 "entscheide sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands". Es sei eine Frage auch des Prestiges, diesen Bahnhof zu bauen.

Wie bitte? Was hat denn die Zukunftsfähigkeit eines Landes damit zu tun, dass man einen perfekt funktionierenden Kopfbahnhof mit 17 Gleisen zerschlägt, ihn auf acht Gleise reduziert, ihn in die Tiefe legt und zu einer Art ICE-U-Bahnhöfle macht? Was hat das mit Prestige zu tun?

Das Schlimme: Alle Beteiligte wissen, dass der milliardenschwere Neubau im Unterirdischen den Bahnverkehr schlechter, gefährlicher, anfälliger machen wird.

Noch ein paar Zahlen: Der neue Bahnhof in der Hauptstadt Berlin, die rund siebenmal so groß ist wie Stuttgart, kostete 1,2 Milliarden Euro. Der Tiefbahnhof in der Provinzhauptstadt Stuttgart wird mindestens sechs, wohl aber zehn Milliarden Euro kosten. Gerne lobt die Kanzlerin in diesen Krisen-Tagen die schwäbische Hausfrau und ihre Sparsamkeit. Daran sollten sich etwa die Griechen ein Beispiel nehmen. Aber so wie in Sachen S 21 mitten in Schwaben Geld verprasst wird – da können selbst die Griechen noch etwas lernen.

Die jetzt verkündeten Zahlen sind ein Weckruf. Noch ist Zeit für eine Umkehr. Noch sind in Stuttgart keine Tunnel gegraben, noch gibt es für wichtige Bauabschnitte noch nicht einmal Planfeststellungen, noch immer ist völlig unklar, ob der Bahnhof unterm Flughafen genehmigt werden kann. Seit gut zehn Jahren schafft die Bahn es nicht, eine genehmigungsfähige Planung vorzulegen.

Seit fast 25 Jahren plant die Bahn S21. Seit 25 Jahre schafft sie es nicht, das Projekt planerisch, handwerklich, schon gar nicht finanziell in den Griff zu bekommen. 25 verlorene Jahre.

Der Ausstieg ist machbar, finanziell ist er kein großes Risiko.

Und es gibt ja eine optimale Alternative zu S21. Man nennt ihn Kopfbahnhof. Sein Name: Bonatz-Bau.

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