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Konzern wagt Neuanfang Neue Smartphones vorgestellt: Samsung schneidet alte Zöpfe ab – und setzt voll auf die Zukunft

Konzern wagt Neuanfang: Neue Smartphones vorgestellt: Samsung schneidet alte Zöpfe ab – und setzt voll auf die Zukunft
© Samsung / PR
Mit dem Galaxy Note läutete Samsung einst die Ära des Riesensmartphones ein. Mit dem gerade stattfindenden Sommerevent hat der Konzern es nun offiziell beerdigt – und setzt voll auf Faltsmartphones. Auch bei seiner Smartwatch will der Konzern einen Neuanfang.

Die S-Klasse im Frühjahr, das Note im Sommer — so hatte Samsung jahrelang seine Spitzenmodelle der Galaxy-Smartphones vorgestellt. Mit dem heutigen Unpacked-Event ist die Tradition nun zu Ende gegangen. Das Note ist nicht mehr. Samsung setzt bei seiner mobilen Zukunft voll auf Faltsmartphones.

Die sind mittlerweile in der dritten Generation angekommen. Wirkten die ersten Modelle noch wie Prototypen mit etwas mehr Schliff, sind die beiden neuen Modelle der Galaxy-Z-Serie, das Fold3 5G und das Flip3 5G, längst enorm schicke Highend-Geräte. Vom noch einmal stärkeren und helleren Klappdisplay bis zum schicken Scharnier und viel Extraaufwand beim Design: In jedem kleinen Detail sieht man, dass Samsung hier die Spitze seines Könnens präsentiert.

Ein echtes Spitzen-Smartphone, plus Faltdisplay

Das zeigt sich auch technisch. Mit dem Snapdragon 888 von Qualcomm haben beide den schnellsten aktuellen Chip für Android-Geräte an Bord, auch in Deutschland verzichtet Samsung auf die oft verwendeten Exynos-Chips aus dem eigenen Haus. Die ausgeklappt 7,7 Zoll (Fold3), beziehungsweise 6,7 Zoll (Flip3) großen Displays bieten als erste Faltdisplays 120 Hertz Bildwiederholrate,  sind 29 Prozent heller als beim Vorgänger.  

Nachdem der Wow-Faktor der Faltgeräte etwas nachgelassen hat, setzt Samsung nun verstärkt darauf, die Vorteile bei der Nutzung zu betonen. Beide Formfaktoren – das Flip wird wie ein klassisches Falthandy ausgeklappt, das Fold entfaltet sich vom normal benutzbaren Smartphone zu einem Minitablet – unterstützen die Nutzung im halbaufgeklappten Zustand, lassen sich so auf dem Tisch stehend nutzen und können auf beiden Hälften des Displays unterschiedliche Inhalte zeigen. So kann man auf der oberen Hälfte einen Videocall verfolgen und sich unten Notizen machen.

Das wird besonders deshalb interessant, weil Samsung das letzte Alleinstellungsmerkmal der Note-Serie nun auch für andere Geräte freigegeben hat: Wie schon das Galaxy S21 unterstützt nun auch das Fold3 den Bedienstift S-Pen: Schade: Der Stift ist nicht im Lieferumfang enthalten, es gibt auch keinen Einschubschlitz. Trotzdem dürften viele Nutzer sich über die Option freuen, auf das große Display schreiben und zeichnen zu können. Neben dem einfachen S-Pen bietet Samsung erstmals ein besonders präzises Pro-Modell des Stiftes an, er lässt sich zudem am Display selbst befestigen. 

Lernen aus alten Fehlern

Besonderen Wert legt Samsung zudem auf die Stabilität des Gerätes. Das erste Modell musste der Konzern noch kurz vor Start wieder einziehen, als Tester zahlreiche Probleme fanden. Die neuen Modelle sollen noch stabiler, noch kratzfester sein, betont Samsung entsprechend. Zudem sind sie als erste Faltsmartphones nach dem IPx8-Standard wasserfest, können auch längere Zeit unter Wasser durchhalten.

Auf die Kameras geht Samsung übrigens nicht ausführlich ein, die Teleskop-Kamera des Galaxy S21 Ultra fehlt etwa. Wie gut die Knipsen der Falt-Smartphones ausfallen, lässt sich genau wie die Frage, ob das Faltmodell tatsächlich im Alltag überzeugen kann, erst in einem ausführlichen Test beantworten.

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Endlich eine neue Strategie

Bei den Preisen hat Samsung auf jeden Fall dazugelernt. Kostete das erste Fold-Modell noch deutlich über 2000 Euro, sind die neuen Preise schon deutlich realistischer. Das Flip 3 bekommt man in der kleinsten Speicher-Ausführung von 256 GB für 1049 Euro, das zahlt man auch für vergleichbare Premium-Smartphones ohne Falt-Option. Das Fold ist mit einem Preis ab 1799 Euro zwar durchaus teurer, für diese Art Gerät ist es trotzdem der bisher niedrigste Herstellerpreis. Samsung will mit den Geräten ganz klar mehr Menschen erreichen. Die Faltgeräte haben sich vom experimentellen Luxus-Modell in den Mainstream-Bereich geschoben, wenn auch klar am Premium-Ende.

Diese Entscheidung ist überfällig. Die Galaxy-S-Serie hatte in den letzten Jahren erheblich an Beliebtheit eingebüßt, die Verkaufszahlen brachen immer weiter ein. Das aktuelle Galaxy S21 soll sich mit nur 13,5 Millionen Geräten im ersten Halbjahr des Jahres ganze 47 Prozent schlechter verkaufen als es noch beim Galaxy S10 vor zwei Jahren der Fall war. Der einfache Grund: Die starken Mittelklasse-Smartphones boten nahezu die gleiche Erfahrung, kosteten aber deutlich weniger. Auch bei Samsung hatte die in der Mittelklasse platzierte A-Serie den Spitzengeräten den Rang abgelaufen. Foldables könnten das ändern: Sie bieten eine völlig neue Nutzungserfahrung, werden nur von wenigen Herstellern zu sehr hohen Preisen angeboten. Mit dem Mainstream-Foldable könnte Samsung seiner Premium-Sparte endlich neues Leben verleihen.

Alte Zöpfe

Auch an einer anderen Stelle setzt Samsung übrigens darauf, alte Zöpfe abzuschneiden. Jahrelang hatte der Konzern bei Smartwatches auf sein eigenes Betriebssystem Tizen gesetzt, während die Konkurrenten auf Android Wear von Google setzten. Jetzt kündigte der Konzern die erste Uhr in Zusammenarbeit mit dem Suchmaschinen-Riesen an. Die beiden Modelle der Galaxy Watch 4 setzen erstmals auf das neue WearOS, bekommen zusätzlich die von Samsung gestaltete Oberfläche One UI Watch 3.0. Die Uhr soll damit das beste aus beiden Welten verbinden: Die intuitive Nutzung des Samsung-Systems mit dem größeren App-Angebot des Google-Systems. Die schicken Uhren sind je nach Größe und Ausstattung ab 269 Euro erhältlich.

Ebenfalls vorgestellt wurden neue kabellose Kopfhörer. Die Galaxy Buds2 sind laut Samsung noch kleiner und leichter, behalten dabei aber den von vielen Testern gelobten Klang. Sie kosten ab 149 Euro.


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