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Ist Russland in einigen Jahren die stärkste Wirtschaftsmacht in Europa?

Eine neue Studie berechnet die weltweite Wirtschaftsentwicklung. Bis 2050 werden die alten Industriestaaten inklusive Deutschland entthront. Ausgerechnet Russland wird ein sehr starkes Wachstum bescheinigt.

Präsident Wladimir Putin kann sich freuen, die Studie prognostiziert ein sehr gutes Wachstum für Russland.

Präsident Wladimir Putin kann sich freuen, die Studie prognostiziert ein sehr gutes Wachstum für Russland.

Russland soll laut einer aktuellen Untersuchung schon 2030 die stärkste Wirtschaftsmacht in Europa sein. Im Jahr 2050 soll das Land Deutschland weit hinter sich gelassen haben.  Der Report "The Long View - How will the global economic order change by 2050?" stammt nicht von irgendwelchen Putin-Trollen sondern von der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PWC).  

Der Report ist eine Langzeitprognose für die 32 größten Volkswirtschaften der Erde bis zum Jahr 2050. Bis dahin, so die Studie, wird die Wirtschaftskraft (GDP) der Welt doppelt so hoch sein wie heute. Aber: Die führenden Industriestaaten der G7 – hier zählen auch die USA und dazu – geben nicht länger den Takt an. Die eigentliche wirtschaftliche Dynamik werden die Staaten der Schwellenländer (Emerging Markets, E7) entfalten.

Die Kraftzentren verschieben sich

Tatsächlich müsste man die führenden Industrienationen künftig in E7-Staaten umbenennen: Im Jahr 2050 werden sechs der sieben stärksten Volkswirtschaften aus Staaten bestehen, die heute zu den Schwellenländern zählen. Nur die USA werden ihren Platz unter den Top-Industriestaaten behalten, Länder wie Deutschland durchbrechen die Schwelle dann nach unten. 

Wenig überraschend ist, dass die Volksrepublik China im Jahr 2050 die unangefochtenen Nummer eins sein wird – die hat China nämlich schon im Jahr 2016 überholt. Auch Indien, die Nummer zwei im 2050er Ranking, wird sich an den USA vorbeischieben. Auf Platz vier folgt Indonesien, auf Platz fünf Brasilien.

Russland auf Rang sechs

Erstaunlicherweise soll es Russland jedoch gelingen, seine sechste Position zu halten. Damit wäre das Putin-Reich das einzige Land aus dem europäischen Kulturkreis, dem dieses Kunststück gelingt. Deutschland fällt von Platz fünf auf Platz neun die Treppe runter. Das liegt daran, dass es keine überragende wirtschaftliche Dynamik in Deutschland geben wird. Das GDP Deutschlands setzte die Studie im Jahr 2016 mit vier Billionen US-Dollar an, bis zum Jahr 2050 soll es sich auf 6,1 Billionen steigern. Es werden kontinuierlich kleine "Brötchen gebacken" könnte man sagen. Im selben Zeitraum soll es Russland gelingen, sich von 3,7 Billionen auf 7,1 Billionen Dollar zu steigern – das ist ein Plus von 91 Prozent. Die Bedeutung der Staaten der Europäischen Union schwindet rapide, ihr Anteil am weltweiten Bruttossozialprodukt fällt 2050 auf nur zehn Prozent.

Die großen Drei

Zwischen den drei größten Volkswirtschaften und den Verfolgern klaffen Welten. China soll 2050 ein Inlandsprodukt von 58,5 Billionen und Indien von 44,1 Billionen erreichen. Extrem stark zeigen sich in dieser Projektion auch die USA. Sie wachsen von 18,6 Billionen auf 34,1 Billionen US-Dollar und erreichen ein Plus der Wirtschaftskraft von 83 Prozent. Laut der Studie liegt die größte Gefahr für die alten in Abschottungstendenzen. Schwellenländer müssten aufpassen, dass politische Institutionen und der Ausbau der Infrastruktur mit der wirtschaftlichen Dynamik mithalten können

Lebensstandard wird nicht gemessen

Die Studie ist kein individuelles Wohlstandsbarometer. Dazu müsste das wirtschaftliche Wachstum mit der Bevölkerungsentwicklung abgeglichen werden. Bei Ländern wie Russland oder Deutschland, bei denen keine Zunahme der Einwohner anzunehmen ist, dürfte das erzielte Wachstum auch zu einem größeren Sozialprodukt pro Kopf führen. Ob dieses Plus fair aufgeteilt wird, ist eine andere Frage, aber möglich wäre es, dass jeder von dem Plus profitiert.

In Deutschland nimmt man sogar an, dass die Einwohnerzahl von 83 Millionen auf 74 bis 69 Millionen im Jahr 2050 abnehmen wird. So gesehen ist das in absoluten Zahlen nur mäßige Wachstum sogar erstaunlich hoch. 

Länder wie Indonesien oder Brasilien kann es dagegen geschehen, dass der Wohlstand pro Kopf kaum steigt. Obwohl sie ein enormes Wirtschaftswachstum produzieren, wird das Plus durch die ebenfalls wachsende Bevölkerung zu Teilen aufgezehrt.


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