. .
Versicherung
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

 
27. Januar 2008, 10:00 Uhr

Ausgebremst und abgezockt

Schuldlose Opfer von Verkehrsunfällen sind zunehmend der gegnerischen Haftpflichtversicherungen ausgeliefert. Die versuchen sich aus der Verantwortung zu mogeln. Auf Kosten der Geschädigten sparen sie Milliarden. Von Peter Weyer

Haftpflichtversicherung

Wenn es nach einem Unfall ans Zahlen geht, mauern Versicherungen immer häufiger© Picture-Alliance

Für Dieter Schön* aus dem norddeutschen Plön ein klarer Fall: Der Unfallgegner hat die Kollision auf der Kreuzung eindeutig verschuldet. Das bestritt nicht einmal die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners. Reparaturkosten für Schöns böse zerdepperten Mercedes laut Gutachten rund 12.500 Euro. Zur Auszahlung fällig spätestens nach der Reparatur. So steht es in den üblichen Entschädigungsparagrafen, nach denen die Assekuranz den Fall abwickeln muss.

Dachte Dieter Schön. Doch die Itzehoer Versicherung zahlte lediglich einen "Vorschuss" von 8200 Euro. Der Rest werde erst überwiesen, "wenn der Geschädigte das Fahrzeug noch 6 Monate nach dem Unfall in seinem Besitz hat". Da geriet selbst der sonst eher kühle Schleswig-Holsteiner Schön in Wallung: "Das ist Willkür. Ich hab doch keine 4300 Euro so rumliegen." Zum Stopfen der Finanzierungslücke musste er deshalb sogar Sparverträge vorzeitig kündigen und auf die Zinsen verzichten. Nur so kam er an Bares für den Wiederaufbau seines Autos. Doch die "anfallende Zwischenfinanzierung", teilte die Itzehoer vorsorglich mit, "geht nicht zu Lasten des Versicherers". Zermürbend schleppende Auszahlung von Entschädigungen an schuldlose Unfallopfer, das Aushungern, ist nur eine von mehreren Maschen, mit denen Haftpflichtversicherer sich neuerdings aus der Pflicht mogeln wollen. Besonders angesagt ist derzeit die nachträgliche Prüfung von Schadensdokumenten durch externe Dienstleister.

Rechnungspositionen dreist gekürzt oder ganz gestrichen

Was hinter diesem bürokratischen Begriffsmonster steckt, musste Stefan Lemke* aus Bremen erfahren. Sein Citroën C4 wurde an der Fahrerseite durch eine Lenkrad-Schlafmütze an einem Stoppschild arg zerbeult. Obwohl die gegnerische Generali-Versicherung den Schaden voll anerkennt, zerpflückt sie nachträglich Lemkes vorgelegte Unfallgutachten. Eigentlich überflüssig, denn jeder Geschädigte hat Anspruch auf vollständige Wiederherstellung seines beschädigten Autos und Ersatz aller damit verbundenen Kosten. Grundlage dazu ist die Beurteilung eines unabhängigen Sachverständigen. So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch, so haben die höchsten deutschen Gerichte entschieden. Trotzdem versuchen Versicherer zunehmend, am fälligen Schadensersatz zu knapsen. Dazu picken sie einzelne Rechnungspositionen heraus, die angeblich zu hoch oder unberechtigt sind. Die werden dann dreist gekürzt oder gleich ganz gestrichen, beispielsweise Werkstattstundenlöhne oder Arbeitsumfänge.

"Versicherer", so die Hamburger Fachanwältin Daniela Mielchen, "verstoßen klar gegen geltendes Recht und wissen das auch." Dagegen bietet die Juristin Erste Hilfe. Wer möglichst rasch nach einem unverschuldeten Crash mailt (www.autosms.de), erhält Kontakt zu einem unabhängigen Anwalt in der Nähe. Vermittlung und erste Beratung sind kostenfrei.

Bis zu 500.000 illegale Sparversuche liefern

Die vorgelegten Gutachten zerpflückt die Versicherung meist nicht selbst, sondern reicht sie weiter an externe Helfer. Dahinter steckt eine neue Gattung williger Versicherungsdiener, die bundesweit arbeiten und zu großen Organisationen gewachsen sind. Deren gewiefte Spezialisten liefern oftmals Alibi-Fakten für die Zahlungsverweigerungen der Versicherer. Sogar die Dekra mischt da mit. Der TÜV-Konkurrent erzielt in dem Bereich nach eigenen Angaben bereits zwei Millionen Euro Umsatz, was nach stern-Schätzung jährlich etwa 20.000 bis 30.000 Fälle ausmacht, bei denen die Dekra Gutachten nachprüft. Insgesamt, so schätzen Insider, dürfte die Kostendrückerbranche die Vorlage für bis zu 500.000 illegale Sparversuche liefern.

Stefan Lemkes Gutachten durchleuchtete die "HP ClaimControlling GmbH" aus Leipzig und meldete der Generali rasch Vollzug. Man habe, schrieben die Controller an die Versicherung zurück, "auftragsgemäß" das Gutachten "überarbeitet". Mit teuren Folgen für das Crash- Opfer. Denn statt 5500 Euro, wie ursprünglich veranschlagt, zahlte die Versicherung nur etwa 4700 Euro. Die Schadensprüfer von Claim Controlling hatten andere Vorstellungen von einer kompletten Reparatur und zogen vom Kostenvoranschlag 800 Euro ab. Erst als der Citroën-Fahrer dagegen Klage einreichte, zahlte die Versicherung kurz vor dem Gerichtstermin. Aber nicht auf einen Schlag, sondern in zwei Etappen, die als Vergleichsangebote verbrämt wurden.

Meist wird nur der geringere Betrag anerkannt

Platzhirsche im neuen Drückergewerbe sind "Control Expert" aus dem rheinischen Langenfeld oder die Eucon GmbH aus Münster mit "Check-it". Schadensmanagement heißen beide Verfahren. Klingt vornehm, seriös und modern. In Wahrheit steckt eine ausgetüftelte Methode dahinter, fällige Schadensersatzzahlungen automatisch zu kürzen. Das läuft so: Eingereichte Unfallgutachten werden in einen Rechner eingelesen, dort in alle Einzelposten zerlegt und danach Ziffer für Ziffer mit Konkurrenzpreisen verglichen. Finden die Suchmaschinen zu einem Kalkulationswert aus dem Gutachten das Dumping-Angebot einer billigeren Werkstatt, dann wird meist nur dieser geringere Betrag anerkannt.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 04/2008

  zurück
1 2
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Risiko 4 Schäden & Haftpflicht

Einbruch, Tollpatschigkeit und andere Katastrophen sind die lästigen Begleiter des Lebens. Haftpflicht- und Schadenversicherungen kommen für die Verluste auf. mehr...

Privathaftpflichtversicherungen Eltern haften für ihre Kinder

Eine Privathaftpflichtversicherung sollte jeder abgeschlossen haben, rät die Verbraucherzentrale Hessen. In besonderem Maße gilt das für Eltern. Schließlich haften sie nicht nur für Schäden, die sie selbst verursachen. mehr...

Kfz-Haftpflicht Auto-Unfall im Ausland besser versichert

Endlich einmal gute Nachrichten aus Brüssel für den Autofahrer. In den EU-Ländern gibt es jetzt einen besseren Versicherungsschutz bei Verkehrsunfällen. Aber Vorsicht: In Ländern wie Bulgarien sind die Entschädigungssummen immer noch erschreckend niedrig. mehr...

 
Partnerangebot Kfz-Versicherungsvergleich

Versicherungsbeiträge erhöht? Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht und sparen Sie bis zu 500€ im Jahr. mehr

 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (6/2012)
Sport-Legende Rudi Assauer exklusiv: "Ich habe Alzheimer"