Die vom Verbraucherministerium veröffentlichte Liste der Zusatzstoffe in Tabakprodukten soll Transparenz schaffen und den Weg ebnen für das Verbot von krebserregenden Stoffen. Doch auch auf mehr als 1000 Seiten gibt die Liste nicht alles preis.

Zigaretten: Applikationsformen für die Droge Nikotin© Kay Nietfeld/DPA
Teurer sollen sie werden, nicht mehr beworben werden dürfen und alle ihre Inhaltsstoffe offengelegt: Auf mehreren Fronten will Verbraucherschutzministerin Renate Künast dem Absatz von Zigaretten Steine in den Weg legen. Besonders den Schutz der Jugend hat die Ministerin dabei im Blick: Sie werde alles dafür tun, dass Jugendliche gar nicht erst anfangen mit dem Rauchen, so die Ministerin. Neben höherer Besteuerung, einem Werbeverbot, damit Zigaretten nicht mehr als "chic" dargestellt werden, soll vor allem Transparenz über die Inhalte der Glimmstängel die Zahl an Rauchern senken. Denn Zigaretten bestehen nicht nur aus Tabak, Papier und Filter, sondern sind ein hochentwickelter Chemikaliencocktail aus mehr als dreitausend Substanzen.
Nach einem Bericht des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) werden dabei von den Herstellern heutzutage im Fertigungsprozess bis zu 600 verschiedene Stoffe zugesetzt. Das Ziel ist klar: mehr verkaufen. Wie? Indem Zigaretten noch schmackhafter und noch wirksamer sind. Doch damit leider auch noch gefährlicher.
In die sogenannten Zusatzstoffe will Verbraucherministerin Renate Künast jetzt Licht bringen. Wie schon bei den Alcopops die Süßstoffe den Alkohol machen beim Tabak die "Weichmacher"-Aromen das Nikotin attraktiver - vor allem Jugendliche. Diese "Weichmacher" werden von den Herstellern im Fertigungsprozess dem Tabak zugesetzt - nach der seit 1977 gültigen Tabakverordnung des Lebensmittelgesetzes ganz legal. Diese Stoffe klingen erst einmal harmlos: Lakritz, Zucker, Honig, Menthol und andere. Doch beim Verbrennungsprozess entwickeln sich daraus krebserregende Stoffe. Und Aromen sind längst nicht alle Zusatzmittel, die in Zigaretten gemischt werden. Vor allem Ammoniak, Soda oder Harnstoff wird im großen Stil von allen Tabakherstellern verwendet. Sie machen das Nikotin noch wirksamer. Laut Verbraucherministerium soll die Liste der erste Schritt sein auf dem Weg zu einem Verbot aller potenziell gesundheitsgefährdenen Zusatzstoffe.
Das Verbraucherschutzministerium hat von allen Tabakherstellern Angaben über die in ihren Produkten verwandten Zusatzstoffe eingefordert. Herausgekommen ist eine über 1000 Seiten umfassende Liste, die auf der Homepage des Verbraucherministeriums eingesehen werden kann. Dort kann sich jeder informieren, was in seiner Zigarettenmarke alles enthalten ist.
Das liest sich zum Beispiel so:
Markenname: JPS Blue Hersteller: Imperial Tobacco Limited
Teer (mg/Zigarette): 6 Nikotin (mg/Zigarette): 0,5 CO (Kohlenmonoxid) (mg/Zigarette): 6
Zusatzstoff: 1,2 Propylenglykol, Invertzucker, Zucker braun, Kakao und Kakaoprodukte, Cellulosefaser, verschiedene Aromen, Lakritz-Extrakt, Stickstoff, Wasser