Jubel bei der "Gottesteilchen"-Suche

4. Juli 2012, 10:24 Uhr

Physiker stehen vor dem Durchbruch. Sie vermelden große Fortschritte bei der Fahndung nach dem Higgs-Boson im Kernforschungszentrum Cern. Es wäre eine wissenschaftliche Sensation.

Die Erwartungen waren groß: Ist eines der größten physikalischen Rätsel der Gegenwart gelöst? Haben die Wissenschaftler am Teilchenforschungszentrum Cern das mysteriöse Higgs-Boson gefunden, nach dem die Wissenschaft seit Jahrzehnten sucht? Die Entdeckung des Higgs kündigten die Wissenschaftler zwar noch nicht an - dafür reichten die Daten nicht aus. Doch was sie heute auf dem Seminar am Genfer Kernforschungszentrum präsentierten, war nicht weniger faszinierend.

Demnach haben beide Forschungsgruppen am weltgrößten Teilchenbeschleuniger ein bisher nicht bekanntes Teilchen aufgespürt, das eine Masse im Bereich von 125 bis 126 Giga-Elektronenvolt hat. Es könnte durchaus sein, dass es sich bei dem Teilchen um das Higgs handelt. Doch darauf wollen sich die Wissenschaftler noch nicht festlegen. Dazu müssten die Eigenschaften des nun gefundenen Teilchens noch genauer untersucht werden.

Noch sprechen die Wissenschaftler daher von vorläufigen Ergebnissen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem beobachteten Signal um einen statistischen Ausreißer handelt ist allerdings sehr gering. Sie liegt bei weniger als eins zu einer Million und damit nur ganz knapp unter der Grenze von fünf Standardabweichungen. Bei den Ergebnissen, die im vergangenen Dezember präsentiert wurden, war die Fehlerwahrscheinlichkeit noch relativ hoch.

"Was sich hier anbahnt, ist für mich bisher die Entdeckung des Jahrhunderts", sagt Joachim Mnich, Forschungsdirektor des Deutschen Elektronen-Synchrotrons Desy. "Am deutlichsten überzeugt mich, dass wir in den zwei unabhängigen Datensätzen aus dem letzten und aus diesem Jahr das gleiche Signal sehen, und das konsistent in beiden Experimenten, Atlas und CMS."

Das Higgs-Teilchen, das nach dem schottischen Physiker Peter Higgs benannt ist, gilt als Beweis für die Existenz des sogenannten Higgs-Feldes. Dieses soll das ganze Universum durchziehen und erklären, wie die Teilchen - und damit die Grundbausteine der Materie - überhaupt zu ihrer Masse kommen.

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