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Jagd nach Higgs-Boson Neue Hinweise auf das mysteriöse Teilchen


Physiker wollen die Existenz des lang gesuchten Higgs-Teilchens noch 2012 nachweisen. Ein amerikanisches Forscherteam liefert nun hoffnungsvolle Ergebnisse. Trotzdem fehlen noch wichtige Teile des Puzzles.

Neue Messergebnisse stimmen Physiker zuversichtlicher, dass das hypothetische Higgs-Teilchen tatsächlich existiert. "Wir haben jetzt mehr Daten, die auf das Higgs hinzuweisen scheinen", bestätigt Dmitri Denisov vom staatlichen US-Forschungslabor Fermilab. Eine Analyse der am dortigen Tevatron-Beschleuniger gesammelten Daten wurde auf einer Konferenz im italienischen La Thuile vorgestellt. Das Ergebnis stützt sich auf "Hunderte Billionen Experimente", die in mehr als einem Jahrzehnt am Tevatron-Beschleuniger des Labors durchgeführt wurden, heißt es in einer Erklärung von Fermilab.

Das Higgs-Teilchen - auch Higgs-Boson genannt - gilt als letztes noch fehlendes Puzzlestück im derzeit gültigen Standardmodell der Teilchenphysik. Die Masse der Elementarteilchen ließe sich ohne es nicht erklären. Ohne Higgs würde die Suche nach "neuen Dimensionen in Raum und Zeit" beginnen, sagt die Teilchen-Physikerin Anadi Canepa vom kanadischen Nationallabor Triumf. Die Daten des seit September stillgelegten Tevatron-Beschleunigers siedeln das Higgs nach Angaben des zuständigen Projektleiters Rob Roser in einem Massebereich zwischen 115 und 135 Gigaelektronenvolt an. In etwa diesem Bereich war auch das Europäische Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf auf Hinweise gestoßen. Physiker geben die Masse von Elementarteilchen häufig als Energieäquivalent an - die übliche Einheit dafür ist das Elektronenvolt.

Ein Wettkampf der Forscher

Cern jagt mit zwei Forscherteams nach dem Higgs und glaubt, den Nachweis noch in diesem Jahr erbringen zu können. Das europäische Team verfügt durch den modernen Teilchenbeschleuniger LHC (Karge Hadron Collider) über das fast vierzigfache Datenmaterial der Amerikaner. Laut Roser könnte es das Higgs-Rätsel schon im Juli bei der nächsten Konferenz der Teilchenphysiker im australischen Melbourne auflösen.

Capena, die an den Cern-Versuchen beteiligt ist, sagt, der Nachweis des Higgs dürfte mit größerer Sicherheit bis Ende 2012 möglich sein. Die Messwerte des Fermilabs seien nicht beweiskräftig und könnten sich immer noch als Fluktuation herausstellen. "Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, bevor wir mit Sicherheit sagen können, das Higgs existiert", räumt auch Denisov ein.

Direkt beobachten lässt sich das Higgs-Teilchen nicht. Sein Nachweis ist nur über seine Zerfallsprodukte möglich. Am LHC werden dafür nahezu lichtschnelle Wasserstoffkerne aufeinander geschossen. Bei den Kollisionen entstehen etliche Folgeteilchen. Das Teilchen, das nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannt ist, wird seit vielen Jahren gesucht. Das Universum wird dem Modell nach von einem sirupähnlichen Higgs-Feld durchzogen, das Elementarteilchen bremst und ihnen so ihre Masse verleiht.

fwe/DPA DPA

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