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5. Februar 2010, 14:48 Uhr

Verstümmelung als Tradition

Die brutale Praktik ist zwar fast überall verboten, trotzdem werden pro Jahr bei zu drei Millionen Mädchen die Genitalien beschnitten - vor allem in Afrika und im Mittleren Osten. Nur langsam gelingt es, die blutige Tradition zurückzudrängen.

Zoom
Beschneidung, Mä,dchenbeschneidung, female genital mutilation, Unicef

Viele Mädchen werden bereits im Alter von vier Jahren beschnitten© Kim Manresa/VU/Laif

Mehr als 70 Millionen Frauen haben in ihrer Kindheit oder Jugend eine Beschneidung ihrer Genitalien durchgemacht. Jedes Jahr trifft es nach Schätzungen von Experten erneut rund drei Millionen Mädchen; die meisten von ihnen leben in Afrika oder dem Mittleren Osten. Manche sind erst vier Jahre alt, wenn eine Beschneiderin - oder inzwischen auch ein ausgebildeter Arzt - ihre Genitalien verstümmelt. Es gibt verschiedene Formen der Beschneidung: So wird etwa die Vorhaut der Klitoris entfernt oder auch der gesamte Schwellkörper herausgeschnitten. In anderen Fällen trennen die Beschneider die kleinen Schamlippen ab. Oder sie verstümmeln die großen Schamlippen und verschließen sie fast komplett mit Dornen oder Fäden. Schon zur Zeit der Pharaonen wurden Mädchen so beschnitten und die Praktik breitete sich in Afrika aus.

Einem medizinischen Zweck dient die Verstümmelung nicht - ganz im Gegenteil. Viele Frauen leiden danach unter Schmerzen, besonders beim Geschlechtsverkehr, oder haben mit ständig wiederkehrenden Infektionen zu kämpfen. Die Beschneidung erhöht das Risiko von Komplikationen bei der Geburt, nach Angaben von Unicef sterben dadurch ein bis zwei von einhundert Babys. Depressionen oder Angstzustände können ebenfalls Folgen des brutalen Eingriffs sein.

Trotzdem lebt der brutale Brauch in vielen Ländern fort. Weil die Folgen für Mädchen, die nicht beschnitten werden, noch gravierender erscheinen: Sie würden sozial ausgegrenzt, hätten keine Chance, einen Mann zu finden, weil die Verstümmelung als Akt angesehen wird, der eine Art Sauberkeit der Genitalien garantiert. Das ist nicht der einzige Grund, erklärt Joachim Theis vom Unicef-Büro für West- und Zentralafrika. "In Sierra Leone beispielsweise gibt es Geheimgruppen von Frauen, die die Beschneidungen als Teil der Initiation durchführen. Das wirkt für sie identitätsstiftend. Man muss erst einmal begreifen, welche positiven Werte mit der Beschneidung verknüpft sind, um dann Kampagnen und Methoden zu entwickeln, die Wirkung zeigen."

Eine kollektive Entscheidung

In einigen Ländern, etwa in Ägypten, führen immer häufiger Ärzte die Beschneidung durch. Durch diese Medikalisierung werden zwar die Bedingungen auf den ersten Blick besser, es ändert sich aber nichts an den langfristigen Komplikationen, geschweige denn der gesellschaftlichen Situation der Frauen.

Hilfsorganisationen setzen sich schon länger dafür ein, den archaischen Brauch abzuschaffen. Doch zuerst zeigt das wenig Erfolg. "Die ersten Kampagnen gegen die Mädchenbeschneidung liefen komplett an den Gruppen vorbei, die sie erreichen sollten. Man dachte damals, es handle sich um eine persönliche Entscheidung. Tatsächlich aber ist es eine kollektive, die Heiratsnetzwerke treffen, weil sie an diesem Brauch festhalten", sagt Joachim Theis.

Inzwischen ändert sich die Lage in einigen Ländern - und es existieren erfolgreiche Projekte. Im Senegal haben 1600 von 5000 Dörfern offiziell die Mädchenbeschneidung abgeschafft. "Seit einigen Jahren gibt es sehr erfolgreiche Projekte auf Dorfebene. Dort nehmen Frauen, Männer und Jugendliche etwa zwei Jahre lang an Kursen teil, in denen Menschenrechte, Frauenrechte und auch die sexuelle Gesundheit Thema sind. In einigen ethnischen Gruppen sind diese Programme sehr erfolgreich", sagt Theis. "Wir überlegen, wie wir diese in einzelnen Dörfern funktionieren Projekte auf eine größere, nationale Ebene übertragen können."

Nina Bublitz
KOMMENTARE (10 von 14)
 
whismerh2 (08.02.2009, 12:46 Uhr)
@augentrost
Ich werde mir das Buch holen,
und lesen
Danach weiß ich nicht, mein Herz ist jetzt schon traurig.
Vielleicht habe ich danach mehr die Möglichkeit und den Mut es gewisssen Leuten auf den Schreibtisch zu legen.
Ich vermute jetzt schon Pflicht Lektüre für alle die an Gechtigkeit glauben.
Mein Grund warum ich nochmals melde
ist der Verweiß auf dieses Buch.
Ich hoffe Du findest noch mehr Gehör.
Alles Gute für dich.
aeternitas (08.02.2009, 01:02 Uhr)
Es gibt einen Unterschied
zwischen Sarkasmus und abgrundtiefer Blödheit.
Es möge sich jeder Mann vorstellen, dass er irgendwann von den Männern seiner Familie geschnappt wird, ihm mit einer Glasscherbe, oder wahlweise einer halbwegs stumpfen Rasierklinge, an der das Blut von mehreren anderen klebt die Eier und der Zipfel abgeschnitten werden, das ganze irgendwie mit Dornen oder Paketband oder einer Schnur wieder zugeflickt wird und zusätzlich noch vorne der Rest vom Zipfel zugenäht wird. Bei jedem Pinkeln erleidet ihr Höllenqualen, es kommt kein anständiger Strahl, nur ein trauriges Tröpfeln, ständig ist der Rest von dem, was unten noch übrig ist entzündet, es tropft der Eiter raus, es fault vor sich hin. Wenn ihr Glück habt, überlebt ihr den Eingriff nicht. Wenn ihr Pech habt, leidet ihr euer Leben lang. Wer sich nicht den Zipfel abschneiden lässt, wird nicht heiraten und auch sonst keine Möglichkeit haben, sich oder seine Familie zu versorgen. Weil das so ist, werden eure Eltern euch dazu zwingen. So wie auch ihr irgendwann eure Kinder dazu zwingen werdet...
Soll ich weiter machen? Ich kann es noch ausführlicher darstellen und es ist nicht halb so brutal wie das, was den jungen Mädchen angetan wird. Jedem, der darüber seine dummen Witze macht, soll sich das mal überlegen. Wer dann immer noch Witze macht die noch nicht einmal mehr das Wort geschmacklos verdienen, denen soll der Zipfel abfaulen!
Augentrost (07.02.2009, 21:47 Uhr)
,,Wüstenblume"
Es ist äußerst grausam, egal aus welchen Gründen das gemacht wird
und verletzt zutiefst das physische und psychische Menschengrundrecht der Mädchen.
Wirkungsvoller wäre eine permanente, kontinentale Aufklärungs-Kampagne, ähnlich angelegt wie die Marktstrategien der Großkonzerne.
Bräuche hin oder her, letztendlich sind Menschen lern-und einsichtsfähig, wie es die positiven Beispieldörfer zeigen....
Lege Jenen, die sich nicht in diese Thematik einfühlen können,
die Autobiografie ,,Wüstenblume" von Waris Dirie, ans Herz.
Die Autorin erfuhr dieses furchtbare Ritual am eigenen Leib und beschreibt unter anderem auch die Folgen für ihr Frauenleben.
Persönlich lehne ich jeden Eingriff,der nicht medizinisch erforderlich ist, gegen die Unversehrtheit eines Minderjährigen ab,egal ob Junge oder Mädchen, bis hin zu Ohrläppchenlöchern bei Kleinstkindern.
arniston (07.02.2009, 11:00 Uhr)
es fehlen die worte
dieses thema ist so schlimm und verwerflich, dass einem einfach die worte fehlen...
whismerh2 (06.02.2009, 22:09 Uhr)
@107summer
Froh zu wissen das Sie diese Ungerechtigkeit und diese nicht nachvollzierbare Handlungen, die ins schlimmste Mittelalter gehören und, heute garantiert nicht mehr in diese Welt gehören, nachvollziehen können. Die Zeiten ändern sich in der Hoffnung das die Ethik die uns uns schon so Vieles gebracht hat weiter lebt und sich vermehrt.
anbei ein link
.
http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidung_weiblicher_Genitalien
.
Und das ist leider die nakte Wahrheit.
.
als bittere Info Für die, die glauben ein paar Hautschnippsel im Pimmelbereich verlieren zu müssen wäre dessen gleich zu setzen.
raphael83 (06.02.2009, 22:09 Uhr)
... beschneidung....
ich habe vor einem jahr in afrika selbst eine beschneidung erlebt in einer familie, mit der ich befreundet bin. ein 4jähriges mädchen war das opfer. auf dem land sind fast alle frauen beschnitten, die wenigsten männer würden eine unbeschnittene heiraten. immer wieder liest man von mädchen, die vor ihrer beschneidung geflohen sind.oft wird die beschneidung deshalb im kleinkindalter vollzogen.
107Summer (06.02.2009, 21:47 Uhr)
@Bremer-Alexander
Ihr Kommenar zeugt von Unwissenheit, deswegen werde ich Sie nicht, wie andere es hier getan haben, beleidigen. Bitte informieren Sie sich ausführlich über diese grausame Beschneidung, die vermutlich aus Unwissenheit bzw. auf einer Fehlinterpretation des Koran durch ungebildete Einheimische, vor langer Zeit grausame Wirklichkeit wurde. Es sollte strikt verboten werden. Besonders schlimm ist, dass vor allem dorfälteste Frauen dieses Verbrechen an ihren eigenen Kindern/Mädchen begehen.
L.Gleichmann (06.02.2009, 19:40 Uhr)
Wieviel Schwachfug...
ist eiegntlich nötig um Religion zu treiben? Kann ja wohl nicht wahr sein das es hier Protagonisten solch perverser Praktiken gibt.
Politix (06.02.2009, 19:27 Uhr)
@Bremer-Alexander
bitte gehen Sie zu einem Frauenarzt und lassen Sie sich die Anatomie einer Vagina erklären!
.
Vielleicht kommt dann auch einmal Ihre Partnerin in den Genuß von gutem Sex, wenn Sie begriffen haben, "wie das da bei Frauen so funktioniert"
whismerh2 (06.02.2009, 19:00 Uhr)
@ich vergaß
und einfältige Dummheit
mehr fällt mir nach 3 maligen Lesens Ihres Kommetares nicht ein.
Und kaum zu übertreffende menschenverachtung wie von Rhysanna treffend festgestellt.
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