Warum wir die Genkartoffel hassen dürfen

4. März 2010, 17:07 Uhr

Dass die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora jetzt in Europa angebaut werden darf, muss nicht auf Begeisterung stoßen. Denn bisher hat die Grüne Gentechnik noch keinen Grund geliefert, sie zu schätzen. Das ändert auch Amflora nicht. Von Nina Bublitz

Amflora, Kartoffel, Genkartoffel, BASF, Monsanto, Gentechnik, grüne Gentechnik

Die genetisch veränderte Kartoffel Amflora wurde in der EU für den Anbau zugelassen©

In Deutschland ist die Grüne Gentechnik so unbeliebt wie in kaum einem anderen Land der Welt. Was wenig überrascht. Für die Verbraucher bietet sich hierzulande folgendes Bild: Der Nutzen gentechnisch veränderter Pflanzen ist nicht ersichtlich, die Risiken sind es dagegen. An die Grüne Gentechnik knüpfen sich eigentlich große Versprechen: Pflanzen, die Dürre und Hitze trotzen. Höhere Erträge in der Landwirtschaft, um die stetig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Weniger Pestizide, so dass die Umwelt weniger Schaden nimmt. Gesündere Lebensmittel, die beispielsweise mehr Vitamine enthalten.

Eingelöst wurden diese Versprechen bisher nicht, obwohl im Jahr 2009 in 25 Ländern von 14 Millionen Landwirten auf 134 Millionen Hektar Land gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut wurden. Das verkündet jedenfalls ISAAA, eine Organisation, die die umfassendste Statistik in Sachen Grüner Gentechnik präsentiert. Da sie jedoch von den großen Saatgutkonzernen wesentlich mitfinanziert wird, sind die von ihr vorgelegten Zahlen, die Jahr für Jahr den Siegeszug dieser Technologie unterstreichen, leider nur bedingt glaubwürdig. Und als würde das noch nicht reichen, gilt Monsanto, der Marktführer der Grünen Gentechnik, seit der Dokumentation "Mit Gift und Genen" der französischen Journalistin Marie-Monique Robin als Sinnbild des bösen Konzerns.

In Deutschland erlitt Monsanto vergangenes Jahr eine Schlappe: Der Anbau der Maissorte "MON 810" wurde verboten - wegen unklarer Risiken für andere Tiere und Pflanzen. Jetzt aber konnte ein Konkurrent punkten: Die EU-Kommission erlaubt, 13 Jahre nach dem Antrag auf Zulassung, dass die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora in Europa angebaut wird.

Wird Papier jetzt günstiger? Wohl kaum

Eine Maßnahme gegen den Hunger in der Welt? Im Gegenteil. Amflora ist gar nicht als Lebensmittel gedacht. Die Knolle produziert Stärke in einer anderen Zusammensetzung als gewöhnliche Kartoffeln und ist somit optimiert für den industriellen Einsatz. Im Werbeprospekt von BASF klingt das so: "Amflora bringt Druckpapier zum Glänzen, sorgt dafür, dass es die Druckfarben besser annimmt und macht es hochwertiger. Amflora sorgt dafür, dass Sprühbeton besser an der Wand haftet. Amflora macht Garn reißfester." Springt der Funke über? Eher kommt wohl der Gedanke auf, dass auch ohne Amflora hochwertiges Papier und reißfestes Garn auf dem Markt sind. Und dass diese Produkte selbst bei einem großflächigen Amflora-Einsatz nicht günstiger werden würden.

Also wieder kein direkter Nutzen für den Verbraucher. Risiken gibt's dagegen schon, auch wenn die EU-Kommission sie als "kontrollierbar" einschätzt. So werden in der Praxis einige Amflora-Knollen auch unter normale Kartoffeln und damit in die Lebensmittelproduktion geraten. Eine Verunreinigung von 0,9 Prozent in Lebensmitteln ist daher freigegeben - dieser Grenzwert gilt auch für andere gentechnisch veränderte Pflanzen.

Antibiotika-Resistenz in der Knolle

Amflora trägt eine Antibiotika-Resistenz in sich. Und diese könnte sich, wenn Amflora gegessen wird, auf Bakterien des Magen-Darm-Trakts übertragen. Die Mikroorganismen würden dann ebenfalls unempfindlich gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin werden. Beide Medikamente werden von der Weltgesundheitsorganisation als sehr wichtige Antibiotika eingestuft. Kanamycin kommt zum Beispiel bei der Bekämpfung von Tuberkulose zum Einsatz. Dass die Resistenzen von der Knolle übertragen werden, ist zwar ein geringes Risiko - aber trotzdem vorhanden.

Gering sind allerdings auch die Erfolgsaussichten von Amflora. Große deutsche Stärke-Hersteller verkündeten bereits, sie wollen die Knolle nicht anbauen. Aus Sorge, Geschäftspartner zu verlieren. Weil eine vollständige Trennung von normalen und Genkartoffeln nicht umsetzbar ist, dürfte die Lebensmittelindustrie erst einmal ein klares Veto gegen den Amflora-Anbau einlegen. Ob es dabei bleibt, wird man sehen. So oder so: Einen Vertrauensgewinn für die Grüne Gentechnik wird die Knolle nicht bringen. Dafür müssten die Konzerne endlich überzeugendere Ideen präsentieren.

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KOMMENTARE (10 von 16)
 
Ramunu (05.03.2010, 13:06 Uhr)
Gute Kommentare..
..u.a. von Bayerbienengift und Kroko! Die Genindustrie ist noch mehr zu verabscheuen als die Waffenindustrie, weil gefaehrlicher, mit kaum absehbaren Langzeitkonsequenzen fuer Biodiversitaet und wirtschaftlichen Abhaengigkeitsgeflechten nicht nur in den Entwicklungslaendern sondern auch bei uns.
Kroko (04.03.2010, 21:20 Uhr)
Ich finde
es ja toll. daß die Wissenschaft in der Lage ist gentechnisch zu verändern.

Das war es aber auch schon.
Ein Gegner gentechnisch veränderter Pflanzen muß nicht nachweisen, daß das veränderte Genom ein Problem für artverwandte Pflanzen ist.
Die Nachweispflicht liegt bei den Erzeugern!!
Die sind NICHT in der Lage, diesen Nachweis zu erbringen.

Weitere Diskussion unnötig. Den Dreck braucht keiner; der Dreck könnte alles kaputtmendeln.

Monsanto z. B. verseucht gerade den neuesten Bundesstaat der USA, weil der so isoliert ist ----ein prima Versuchsgelände.
Auch:
Deutschen Landwirten wird Saatgut kostenlos angeboten.....wenn die Gene verteilt sind müssen alle Saatgut kaufen--raten Sie mal, wer den Preis diktiert; raten °Sie mal, wer sich reich schmarotzt.---Und raten Sie auch noch, wer die Zeche zahlt.......Na?????!!!!!

Genau!!
bayerbienengift (04.03.2010, 20:58 Uhr)
Zur Frage der meinungsfreiheit
Die Industrie meinte zu wissen, dass eine Durchseuchung der angebauten Kulturpflanzen durch Pollenflug von Genpflanzen absolut ausgeschlossen ist. Mit dieser Luege wurde urspruenglich die Gensaat ausgebracht. Jetzt wird aus der Not eine Tugend gemacht und schlicht das gesamte verseuchte Saatgut als eigenes Patent deklariert und die Bauern verpflichtet zu bezahlen. Saatgutfirmen werden aufgekauft, um eine totale Kontrolle ueber die angebauten Kulturpflanzen zu bekommen. Eine andere absolute Wahrheit ist, dass 80% der Bevoelkerung Gentechnik im Essen ablehnen und noch mehr sich eine eindeutige Kennzeichnung gentechnisch belasteter Produkte wuenschen. Diese Wahrheiten werden von der Industrie ignoriert
und den korrupten Politkern wird ein bischen Geld ruebergeschoben, damit die Gesetzgebung genehm ausfaellt.
appaz (04.03.2010, 20:22 Uhr)
"Meinungsvielfalt"
Die Vielzahl der höchst unterschiedlichen Meinungen zum Thema, auch in als informiert zu betrachtenden Kreisen (!), macht nur allzu deutlich, dass es auch hier wahrscheinlich niemals "absolute Wahrheit" geben wird.
Was allerdings selbst vom größten Befürworter nicht übersehen werden kann, ist, dass - sieht man von offenkundig vollkommen uninformierten, indoktrinierten "Papageien" einmal ab - die einzigen, die keinerlei Risiken sehen, diejenigen sind, die an der Entwicklung und / oder Vermarktung der Verfahren bzw. Produkte Geld verdienen.
Und allein dieser Fakt sollte jeden, der über ein Minimum an Geist verfügt, zumindest nachdenklich machen.

Gut's Nächtle allerseits!
Fraggles (04.03.2010, 19:47 Uhr)
was solls
soll sich der Dreck doch verbreiten in 20 Jahren kommt dann raus das das Zeug Menschen impotent macht dann hat sich das Problem von selbst erledigt.

Nutzen hat das Zeugs doch nicht wirklich oder sollen hungernde Menschen in Zukunft mit Klebstoff gefüttert werden ? Hier gehts NUR um Geld um nix anderes außer dem schöden Mammon.
bayerbienengift (04.03.2010, 19:04 Uhr)
Wenn sich dieser Gendreck genauso ueber Pollenflug verbreitet,
wie die restlichen schon zugelassenen Genprodukte, dann duerfen wir bald Klebstoffkartoffeln essen.
Das allerschoenste wird dann sein, dass die Biobauern noch zusaetzlich an die BASF Konzessionen zahlen duerfen, da diese ja neuerdings statt Biokartoffeln Klebstoffkartoffeln anbauen. Beim Genmais ist das gaengige Praxis der Genmafia. Da wird der Biobauer verklagt, dass er den Genmais der Firma anbaut, weil dessen Biomais durch Pollenflug aus benachbarten Genfeldern verseucht wurde. So wurden beispielweise in Mexiko und Indien unzaehlige Bauern in den Ruin oder Selbstmord getrieben.
Die Genmafia zeigt in zunehmendem Masse ihre faschhistoide Fratze! Fresst oder verhungert! Die Politik (=Lobbyverband) segnet das gesetzliche ab.
RDUKE7777777 (04.03.2010, 18:09 Uhr)
Auflagen
Gentechnisch veränderte Lebensmittel müssten AUFFÄLLIG gekennzeichnet werden

Gentechnisch veränderte Lebensmittel müssten hermetisch abgeschottet gezüchtet werden, damit die Pollen nicht normale Felder befallen könnten.


Dann könnte man den Kram von mir aus im Supermarkt anbieten. Hauptsache es ist sichergestellt, dass sich nichts von diesem Gendreck in meinem Essen befindet.
Popobawa (04.03.2010, 17:55 Uhr)
Davon abgesehen
ist die Gentechnik mittlerweile schon lange fester Bestandteil für die Herstellung von Wirkstoffen, eindeutiger nutzen, keine Risiken. Wozu man jetzt seine normale Lebensmittel durch genveränderte ersetzten sollte bleibt selbst mir ein Rätsel. Die Risiken sind für den Verbraucher schwer abzuschätzen (tja eine Kartoffel ist eben Komplexer als eine Alge von der auch nur der Wirkstoff übrig bleibt ) und für die Umwelt noch schwerer abzuschätzen. Einige sind hier der Meinung es hat was mit angst und Panik zu tun, nein es hat was mit gesundem Menschenverstand zu tun. Gentechnik hat seinen Einzug in sinnvollen Bereichen seit fast 20 Jahren ohne das der Normalbürger überhaupt was davon mitbekommen hat. Die Landwirtschaft zählt nicht zu den sinnvollen Bereichen, ganz besonders hier.
stasicom (04.03.2010, 17:54 Uhr)
Tss tss...
@Popobawa (04.03.2010, 17:44 Uhr)

"Eher werden die Kommentare für Gelächter sorgen
Ist immer wieder erfrischend wenn sich Arbeiter eine Meinung über wiki bilden..."

muss das sein?
mit dem Rest bin ich ja einverstanden...

Jever-Huelse (04.03.2010, 17:52 Uhr)
Hä?!?
Zitat:
"Der Nutzen gentechnisch veränderter Pflanzen ist nicht ersichtlich, die Risiken sind es dagegen.
[..]
Amflora trägt eine Antibiotika-Resistenz in sich. Und diese könnte sich, wenn Amflora gegessen wird, auf Bakterien des Magen-Darm-Trakts übertragen. "

Ach wirklich? Wo finden sich denn die Beweise für diese Behauptungen?
Sind ja revolutionäre wissenschaftliche Neuigkeiten!
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