Aktuelles Heft Gereiztes Klima bei den Experten

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Nach jahrelangem Gezerre tritt am 16. Februar das Kyoto-Abkommen in Kraft, das den Ausstoß von Kohlendioxid begrenzen soll. Nun wird es völkerrechtlich verbindlich, aber ohne Beteiligung des größten Treibhausgasproduzenten USA und ohne China, das sich zur Riesen-Dreckschleuder mausert. Der Effekt dieser CO2-Bremse wird allgemein überschätzt. Selbst wenn sich alle Staaten an die Vorgaben hielten, fiele die globale Erwärmung bis 2100 um nicht einmal 0,1 Grad geringer aus. Ohnehin ist unter Wissenschaftlern umstritten, ob der globale Temperaturanstieg langfristig betrachtet nicht doch nur vorübergehend ist. Kommt eine neue Eiszeit, oder wird es doch Palmen an der Elbe geben? Zur Entwicklung des Klimas lassen die gegenläufigen Meinungen der Forscher jedenfalls keinen klaren Schluss zu. Alles Panikmache also? stern-Wissenschaftsautor Frank Ochmann, Physiker und seit Jahren mit diesem Themenfeld befasst, beschreibt in unserer Titelgeschichte die aktuelle Erkenntnislage.

Erst vergangene Woche alarmierte Chris Rapley, Leiter des British Antarctic Survey, auf einer Klimakonferenz im englischen Exeter die Öffentlichkeit mit der Prognose, der Eispanzer der Antarktis schmelze schneller als bisher angenommen. Insgesamt werde der jährliche Anstieg der Meeresspiegel um derzeit zwei Millimeter zu mindestens 15 Prozent durch das Abtauen rund um den Südpol verursacht. Man wisse jedoch nicht, ob der Treibhauseffekt schuld daran sei. Vor vier Jahren hatten UN-Experten noch erklärt, die Eisdecke sei nicht bedroht.

Um ungerechtfertigte Untergangsszenarien dreht es sich in Michael Crichtons neuem Bestseller "Welt in Angst". Crichton, Harvard-Abschluss in Medizin, Dozent für Anthropologie in Cambridge, Autor von "Jurassic Park", belegt in der stern-Bestseller-Liste diese Woche bereits Platz 3. Getoppt von Frank Schätzings "Der Schwarm", dessen Tsunami-Fiktion bittere Realität geworden ist. Beide Autoren haben jahrelang recherchiert, bevor sie über Klima-Phänomene schrieben. Gerade deshalb ist Crichton zutiefst skeptisch, ob der Mensch den Klimawandel tatsächlich verursacht. stern-Redakteur Stefan Draf bat die beiden Großmeister des Wissenschaftsthrillers für unsere Titelgeschichte zum Doppelgespräch in ein Kölner Hotel. Crichton: "Natürlich ist Klimaforschung nach wie vor wichtig. Ich warne nur davor, Multimilliarden-Entscheidungen wie das Abkommen von Kyoto auf Daten zu stützen, die nicht eindeutig sind."

60 Jahre nach ihrer Zerstörung ist die Dresdner Frauenkirche fast fertig gestellt. Harf Zimmermann hat das Wunder des späten Wiederaufbaus über fünf Jahre hinweg fotografiert. stern-Reporter Uli Hauser, nach der Wende stern-Korrespondent in Dresden, schrieb den Text. Ihn fasziniert, wie ein paar Idealisten Kraft und Ausdauer bewahrt haben, ihren Traum zu verwirklichen. Und ihr Engagement 60 Jahre nach dem Krieg als einen Beitrag zur Versöhnung sehen. Fotograf Zimmermann, 1955 in Dresden geboren, kannte die Kirche nur aus den Erzählungen der Eltern. Seine Mutter schwärmte immer von den Konzerten an der Silbermann-Orgel. Als Kinder, sagt er, hatten wir in der Stadtmitte nichts verloren, da war nur leere Fläche von einem bis ans andere Ende. Und der Schuttberg der Kirche mit seinen zwei Stümpfen, von engagierten Denkmalschützern bis zur Wende als Sinnbild der untergegangenen Stadt verteidigt. Jetzt war Zimmermann Wegbegleiter der Auferstehung. Schleppte jahrelang seine Großbildkamera über Treppen und Gerüste, fotografierte bei Schnee und Hitze. Dokumentierte den Stolz der Maurer und Steinmetze, der Zimmerleute und Restauratoren.

Aus Dresden kommen in diesen Tagen aber auch andere Signale als solche der Versöhnung. Die neuen Nazis im sächsischen Landtag versuchen, das Trauma der Zerstörung für ihre Propaganda zu missbrauchen. Ihre Vorbilder haben die Welt mit Krieg überzogen und Deutschland in den Ruin getrieben. Da trifft es sich gut, dass am Abend des 13. Februar das Hauptschiff der neuen alten Frauenkirche zum ersten Mal geöffnet wird: für einen stillen Protest gegen Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus.

Herzlichst Ihr
Andreas Petzold

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