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Nanotechnologie: Interview mit Michael Crichton

In seinem neuen Thriller erzählt Michael Crichton von ausgeflippten Nanorobotern - ein Gespräch über Kleinkram und Riesenerfolge.

Nanotechnologie wurde vor etwa 40 Jahren erstmals erdacht und will vor allem eins: von Grund auf bauen, von "unten nach oben", Atom für Atom. Erledigen sollen das "Assembler", programmierbare Maschinchen, kaum größer als Moleküle (eine Million Nanometer sind nur ein Millimeter). Unter Spezialmikroskopen können zwar heute schon Atome von links nach rechts geschoben und sogar winzig kleine Motoren gebaut werden - ein Assembler aber ist nirgends in Sicht. Doch für solche Fälle gibt es ja Autor Crichton. Und der fügt von Assemblern gebaute Nanoteilchen gleich zu Wolken zusammen: Schwärme, die mehr sind - richtig! - als die Summe ihrer Teile. Intelligent, anpassungsfähig und - wie ihre menschlichen Schöpfer - ziemlich böse.

Herr Crichton, in Ihrem Roman fallen gelehrige Wolken molekülkleiner Roboter über Menschen her - diesmal Nano statt Dino?

Früher hat mich Nanotechnologie überhaupt nicht interessiert. Ich hielt das alles für komplett spekulativ. Aber ich kam darauf zurück, als ich wieder mal über Frankensteins Monster nachdachte - das stellen wir uns ja immer noch vor wie Boris Karloff, und der ist lange tot. Wie aber müsste eine außer Kontrolle geratene Kreatur heute aussehen? Da fiel mir dann wieder die Nanotechnologie ein: das Ungeheuer als ein Gewimmel von Myriaden kleinster Einzelelemente, aus denen im Zusammenspiel etwas Intelligentes wächst - unberechenbar und äußerst bedrohlich.

Das alte Thema also? Der Mensch spielt Gott und verbrennt sich dabei die Finger?

Sicher. Bei uns im Westen wird technischer Fortschritt viel zu optimistisch beurteilt. Was fehlt, ist die warnende Stimme.

Müssen wir "Beute" als politisches Buch sehen? Kulturkritik als Nanothriller?

Na ja, zunächst mal ist es nur eine spannende Story. Aber mir geht es tatsächlich nicht nur um die Nanoforschung. Beispiel Biotechnologie: Da nehmen wir heute schon irgendetwas aus der Natur, verändern es im Genlabor und lassen es als menschliche Schöpfung wieder los. Solche Versuche haben wir doch nicht im Griff.

Sie sind nicht nur mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore befreundet, sondern auch ein heimlicher Grüner, stimmt‘s?

Nein, ich bin kein politischer Mensch. Ich gehe halt wählen, aber das tun bei uns viele ältere Menschen (grinst).

Sie sind gerade 60 geworden.

Ja. Ein Freund gratulierte mir so: Michael, jetzt kommt das vierte Viertel, und dann ist das Spiel aus. Nett, nicht? Aber zurück zur Politik. Ich glaube, wir müssen uns rechtzeitig mit Problemen befassen, die aus der Forschung erwachsen können. Auch bei der Nanotechnologie, selbst wenn sie noch weit weg scheint. Computerviren wurden auch mal für ein rein theoretisches Problem gehalten. Und Hacker sind für uns heute keine unterhaltsamen Irren mehr, sondern höchst gefährliche Kriminelle.

Schätzen Wissenschaftler Sie als Übersetzer ihrer Forschung ins Populäre?

Wenn ich bei denen auftauche - ich war mal zum größten wissenschaftlichen Kongress der Welt als Gastredner eingeladen -, dann schauen mich manche an, als wäre ich aus einem meiner Bücher ausgebüxt.

Mögen die es etwa nicht, dass Sie der Forschung enorme Publicity verschaffen?

Doch, doch. Schon deshalb, weil es auch ihrem Etat gut tun kann. Da fließt dann aus privaten Quellen mehr Geld, wenn ich zu einem bestimmten Thema ein Buch geschrieben habe.

Geben sich bei Ihnen Wissenschaftler vernachlässigter Forschungsgebiete schon die Klinke in die Hand und bitten um einen Unterstützungs-Thriller?

Nein, so weit ist es noch nicht. Ich könnte auch gar nicht auf Bestellung schreiben.

Sie haben mal gesagt, bei der Themensuche gingen Sie wie ein Farmer vor. Wie bestellen Sie denn Ihre Felder?

Was wächst, ist zunächst mal der Zeitungsstapel. Den gehe ich durch - aber dann weiß ich selbst nicht, wie ich auf ein Thema komme. Es geschieht einfach.

Was brachte Sie denn zum Beispiel dazu, Dinosaurier aus dem Genlabor in Ihren "Jurassic Park" einzupferchen?

Ich hatte lange zuvor ein Drehbuch geschrieben, in dem ein Wissenschaftler Saurier-DNA aus einem Knochen gewinnt. Die Idee kam mir selbst abstrus vor. Aber ein paar Jahre später kam die Meldung, es sei genau das gelungen - Erbmaterial aus einem alten Knochen zu isolieren. Und da dachte ich: Gut, jetzt aber los.

Und wie gehen Sie dann vor? Konstruieren Sie Ihre Geschichten komplett durch, bevor Sie mit dem Schreiben anfangen?

Nein. Es ist, als führe ich mit dem Auto nachts durch eine fremde Stadt - man sieht am Lichtschein am Himmel, wo das Zentrum ist. Das ist die Richtung, in die ich will. Trotzdem kann unterwegs viel passieren. Sperrungen, Sackgassen. Wenn ich anfange zu schreiben, höre ich meist schnell wieder auf, weil ich auf Strukturprobleme stoße oder weil mir Fakten fehlen.

Arbeiten Sie mit einem Rechercheteam?

Nein, das mache ich alles allein. Und es ist für mich das Schönste an meiner Arbeit. Das Schreiben selbst ist Qual.

In "Beute" beschreiben Sie sehr anschaulich eine Produktionsanlage für Nanoroboter in der Wüste von Nevada, die Sie natürlich erfunden haben. Gehen Sie so visuell vor, damit sich Ihre Bücher leichter verfilmen lassen? Sie haben ja früher selbst Regie geführt.

Kein einziges Mal hat im Film etwas so ausgesehen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Bei Ihren Büchern hat man häufig das Gefühl, schon ein Drehbuch zu lesen.

Wenn ich schreibe, muss ich mir eine Situation oder Szene bildlich vorstellen können. Aber das ist für mich selbst, nicht für spätere Verfilmungen. Wenn Sie so wollen, beschreibe ich in meinen Büchern einen Film, der in meinem Kopf abläuft.

Wie lange saßen Sie an "Beute"?

Das ging ziemlich schnell. Angefangen zu tippen habe ich vergangenen September, und so gut wie fertig war ich Ende Mai. Normalerweise brauche ich ein paar Monate länger.

Sie verkaufen Millionenauflagen...

...und wer populär ist, kann nicht seriös sein, stimmt‘s? Bei uns denkt man so: Populär kann nur werden, wer trivial ist. Ich habe das nie verstanden. Denn es ist sehr schwer, klar zu schreiben. Müssen undurchdringliche akademische Texte der Maßstab der Seriosität sein? Weil ihre Autoren so unglaublich tiefe Denker sind, dass sie allein ihre Ergüsse verstehen?

In Deutschland gönnt man Ihnen wahrscheinlich eher Ihr Einkommen nicht. Obszön hohe Summen. Genieren Sie sich wenigstens?

Mich traf der Reichtum wie ein Unfall. Das begann in Hollywood. In der Filmbranche werden nun mal absurd hohe Summen gezahlt. Da kann man sich gar nicht wehren.

Trotz dieses Erfolges: Auch mit "Beute" dürften Sie dem Nobelpreis nicht näher gekommen sein. Warum versagt die Kritik Ihnen die Anerkennung?

Was interessiert mich denn der Nobelpreis! Ich bin als Schriftsteller so was wie die erste Stufe einer Rakete: Ich kann eine sehr große thematische Last auf relativ geringe Höhe transportieren und einer Menge Menschen eine Einführung in ein wissenschaftliches Thema geben. Danach allerdings muss ein anderer übernehmen.

Ihre Charaktere seien flach, heißt es in Kritiken. Diesmal präsentieren Sie ein Paar im Rollenkonflikt. Warum aber erfährt man kaum etwas darüber, was sich in Jack und Julia abspielt?

Weil mich das nicht interessiert. Natürlich hat jeder seine Psyche, ich hab auch eine - ich bin geschieden. Mehr als einmal...

Sie haben sich im Januar von Ihrer vierten Frau getrennt.

Ich verstehe also durchaus, dass Menschen ein Gefühlsleben haben. Aber das ist nicht mein Thema. Darum können sich andere kümmern.

Und Sie machen aus dem Psychokonflikt Ihrer Helden lieber rasch ein technisches Problem wild gewordener Roboterschwärme.

Das ist nicht alles geplant. Ich setze mich einfach hin und schreibe, und da fällt ein Teil von mir Entscheidungen für die Handlung, die ich nicht mehr infrage stelle.

Werden Sie wieder einmal Regie führen?

Vielleicht. Aber es hat sich viel verändert seit meinem letzten Film. Als meine Tochter Taylor geboren wurde - sie ist jetzt 13 -, habe ich aufgehört. So ein Film frisst viel Zeit. 60 zu sein ist ja nicht einfach. Die Zeit lässt sich nun mal nicht beliebig dehnen.

Vielleicht sollten Sie sich einfrieren lassen, damit Sie später dank feinster Nanomedizin frisch weiterleben können.

Sehr bedenkenswert. Aber ich werde mich wohl doch lieber auf die Jahre beschränken, die mir so noch bleiben. Als meine Mutter 80 wurde, sagte sie zu mir: Weißt du, Sohn, das ist gar nicht so alt. Und allmählich verstehe ich, was sie damit meinte.

Interview: Frank Ochmann

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.