AUTO Schwungvolle Ouvertüren


Sportlich elegante Ableger von Limousinen sind die Modehits von morgen. Audi arbeitet an einem viertürigen Coupé, BMW an einem spektakulären Kraftprotz. Der stern zeigt schon jetzt die geheimen Modelle.

Der Knüller steckt hinten. Zum Einstieg auf die Rücksitze klappen die Hecktüren des Audi A4 Coupés in Fahrtrichtung nach vorn auf.

Marketingstrategen werden diese Bauweise als Durchbruch zu mehr Komfort feiern, weil die Fondpassagiere zum Platznehmen in der zweiten Reihe nicht mehr über die hinderlichen Radkästen turnen müssen. So weit die Werbebotschaft.

Coupé mit vier Türen

Tatsächlich jedoch wollen die Ingolstädter Autobauer mit dem ungewohnten Tür-Spektakel einen Knick in ihrer Modellpolitik glatt bügeln. Denn bei den Konkurrenten rollt schon längst die Coupé-Welle, aber Audi hat derzeit dazu nichts zu bieten. Zur Aufholjagd muss jetzt ein Knaller her, den noch keiner hat: ein Coupé mit vier Türen.

Geschmackliche Alternative

Klingt widersinnig, ist aber Absicht. Während die Limousinen auch künftig für möglichst viele Geschmacksrichtungen eher bieder und klassisch daherkommen, sollen ihre Ableger in Kleinserie den Zeitgeist bei automobilen Schöngeistern und Design-Freaks kitzeln.

Das A4 Coupé wird zwar kaum Entzückensschreie auslösen, gibt aber dennoch ab Herbst 2003 den Trend im Haus der vier Ringe vor. Windkanalgeburten, die wie abgelutschte Sahnebonbons ausehen, sind endgültig out.

Gestreckte Linien und scharfe Kanten sind wieder schick. Außerdem ist Power angesagt. Der Neuling wird höchstwahrscheinlich auch den hauseigenen Achtzylinder-motor unter die Haube bekommen.

Keine Schau-Effekte

Die Maschine, zurzeit 310 PS, wird auch im großen A6 Coupé für Vortrieb bei Leuten ohne Kind und Kegel sorgen. Unter dem Kuppeldach des 4,70-Meter-Gefährtes mit scharfkantigem Heck sorgt spätestens ab Frühjahr 2004 die Bedien-Elektronik des neuen A8, der gut ein Jahr vorher Premiere feiert, für Kurzweil unterwegs.

Ziehen, drehen und drücken per Hebel auf der Mittelkonsole regelt vom Internetzugang bis zur Navigation alles, was der Kunde für rund 120 000 Mark in der Topversion gern befummelt. Außen verzichtet das A6 Coupé auf Schau-Effekte.

Mut zum Design

Stattdessen besticht der große Zweitürer durch fast nordisch-kühle Eleganz. Besonders, wenn bei abgesenkten Scheiben kein Türholm die Optik verschandelt.

Auf den wollen die Konkurrenten aus München beim neuen BMW 6er Coupé nicht verzichten. Designmäßig beweist das Team von der Isar trotzdem weitaus mehr Mut als Audi.

Das Heck des Neulings gleicht, wenn auch leicht »entradikalisiert«, dem Hintern der Z9-Studie aus dem Jahre 1999, über die Fans und Gegner der Weiß-Blauen bis heute eifrig debattieren.

Auto statt Haus

Für den etwa 90 000 Mark teuren 630 Ci, der trotz des stolzen Preises irreführend Basismodell heißt, wird der bewährte Dreiliter-Sechszylindermotor auf 240 PS hochgepäppelt.

Wer fürchtet, damit den fließenden Verkehr aufzuhalten, kann ja sein Reihenhaus beleihen und für 175 000 Mark den besonders giftigen Spitzentyp M6 bestellen. Dessen Zehnzylindermotor mit fünf Liter Hubraum und etwa 500 PS dürfte für standesgemäßes Stau-Stehen auf Münchens Mittlerem Ring reichen.

Von Peter Weyer


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