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Wertvoller Schrott Second-Life und Recycling: Das Milliardengeschäft mit kaputten Elektroauto-Akkus

Ein Mitarbeiter von Volkswagen Sachsen in Zwickau verkabelt einen Elektroauto-Akku.
Volkswagen-Mitarbeiter verkabelt den Akku eines neuen VW ID.3. Die Rohstoffe der Batterie sollen zunehmend recycelt werden (Symbolbild).
© Hendrik Schmidt / Picture Alliance
Ein Elektroauto gibt irgendwann Jahren seinen Geist auf. Die wertvollen Batterien werden danach teilweise im Sondermüll entsorgt. Nun wittern immer mehr Firmen ein Milliardengeschäft mit dem Recycling alter Akkus.

Im vergangenen Jahr wurden rund 200.000 Elektroautos in Deutschland zugelassen. Nach langer Anlaufzeit nimmt das Geschäft nun in großen Schritten Fahrt auf. Ein Jahr zuvor waren es schließlich nur halb so viele verkaufte Fahrzeuge. Doch auch ein anderes Geschäft boomt derzeit: Das Recycling der in den Wagen verbauten Lithium-Ionen-Batterien. Denn wenn das dazugehörige Fahrzeug in den Ruhestand geht, ist für viele Akkus lange noch nicht Schluss.

Second-Life: E-Auto-Akkus als Energiespeicher für zu Hause

Elektroauto-Batterien haben in der Regel mehr als ein Leben. In sogenannten Second-Life-Anwendungen dienen die Akkus kurzerhand einem neuen Zweck. Alte Akkus eignen sich beispielsweise ideal als Energiespeicher für den privaten Gebrauch. Wenn erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft zu viel Strom liefern, wird er in der Batterie aufbewahrt.

Die Praxis wird allerdings nicht nur in privaten Haushalten angewandt. Alte Akkus von Renault und Nissan sorgen regelmäßig dafür, dass das Stadion vom berühmten niederländischen Fußballclub Ajax Amsterdam zum Leuchten gebracht wird. Die 148 ehemaligen Leaf-Akkus speichern drei Megawatt an Strom, welcher durch mehr als 4.000 Solarzellen auf dem Dach der Arena erzeugt wird.

Wertvolle Rohstoffe sollen zurückgewonnen werden

Doch auch danach werden die Batterien in keinem Fall zum Sondermüll. Zwar gelten Lithium-Ionen-Batterien als leicht entzündbar und Gefahrengut, allerdings entpuppt sich der vermeintliche Müll für viele Unternehmen zunehmend als Goldgrube. Die Batterien enthalten Rohstoffe wie Kobalt und Lithium, welche nur begrenzt verfügbar und schwer zu gewinnen sind. Immer mehr Firmen arbeiten daher daran diese Rohstoffe erneut in den Materialkreislauf einzubinden.

Noch werden Akkus vielerorts eingeschmolzen. Das Verfahren ist lange erprobt, hat allerdings einige Schattenseiten. So stößt es vergleichsweise viel CO2 aus und wichtige Rohstoffe wie Lithium gehen verloren. Unternehmen wie das niedersächsische Duesenfeld setzen daher auf ein mechanisches Recycling. Bei dem Verfahren werden die Batterien tiefentladen, auseinandergenommen und geschreddert. Die dabei entstehenden giftigen Gase werden durch ein von der Firma entwickeltes Verfahren eliminiert. Duesenfeld gelingt es laut eigener Aussage so, bis zu 72 Prozent der Rohstoffe zu recyclen. Durch ein neu entwickeltes chemisches Verfahren, strebt das Unternehmen zukünftig sogar eine Recyclingquote von 91 Prozent an.

Recycling: Milliardengeschäft mit Schrott

Duesenfeld ist nicht der einzige Anbieter auf dem Markt. Volkswagen eröffnete Anfang 2021 eine eigene Recycling-Plantage in Salzgitter und auch Tesla-Mitbegründer Jeffrey Straubel versucht sich mit seinem Unternehmen Redwood Materials am Recycling von Elektroautobatterien. Geldgeber sind unter anderem Bill Gates und Jeff Bezos.

Selbst US-Präsident Joe Biden rief das Recyclen von alten Autobatterien kürzlich zum elementaren Baustein für den Kampf gegen den Klimawandel aus. Die Vereinigten Staaten wollen ab 2040 ausschließlich Elektroautos herstellen. Mit dem Recycling von alten Batterien will Biden einerseits die Herstellung von Elektroautos umweltfreundlicher gestalten. Die Regierung will sich allerdings zusätzlich auch auf einen unabhängigerer vom traditionellen Schürfen benötigter Rohstoffen in ausländischen Mienen machen.

Die Bewohner von Barsikow teilen sich ein E-Auto

Noch wird mit Recycling allerdings kein Geld verdient. Die Werkstätten lauern darauf, dass die derzeitige Generation von Elektroautos in den Ruhestand geht. Automobilexperte Wolfgang Bernhart hält im Gespräch mit Zeit Online aber bis 2030 bereits einen jährlichen globalen Umsatz von fünf bis sieben Milliarden Euro für möglich. Entscheidend sei, wie sich die Rohstoffpreise bis dahin entwickeln, wie lange die Batterien tatsächlich in Betrieb sind und ob sie in großer Menge im Second Life als Speicher genutzt werden.

Preis für Elektroautos könnte fallen

Einer Studie der Denkfabrik Agora Verkehrswende zufolge, stammen im Zuge dieser Entwicklung bereits am Ende dieses Jahrzehnts zehn Prozent der Rohstoffe für einen Elektroauto-Akku aus recycelten Materialien. Bis 2050 könnte der Anteil bei 40 Prozent liegen.

Neben der besseren Klimabilanz könnten schließlich auch Verbraucher auf lange Sicht von der Praxis profitieren. Durch das Recycling der Einzelteile, wird der Bedarf an Rohstoffen in Zukunft leichter gedeckt, was mittelfristig zu einem Fall der Preise von Elektroautos führen könnte.

Quellen: "Zeit Online", "Efahrer.com", Reuters


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