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Audi Q7: Phat Boy Ingolstadt

Massig Blech, wenig Glas - das Montageband hat ein ehrfurchtgebietendes Wuchtgeschoss ausgespuckt. Mit dem Audi für die ganz dicke Hose gelang den Ingolstädtern das Kunststück, den größten und auch agilsten SUV auf die Straße zu schicken.

Ein Ruck, ein Sprung und man schaufelt sich auf den Fahrersitz. In diesen Audi gleitet man nicht, man besteigt ihn. Und da ist es schon, das begehrte King-Of-The-Road-Feeling inklusive Audi-Ambiente. Wie gewohnt bei den Luxus-SUVs wird man im Q7 nicht mit ländlichen Rustikalitäten behelligt. Die Qualität der Zutaten im Innenraum hält das bekannte Audi-Niveau. Besseres lässt sich schwerlich finden. Die Rückspiegel orientieren sich an den Gesamtdimensionen, in mehr Spiegelfläche blickt kein Busfahrer. Gewaltig fällt die Pedalerie aus, unten warten riesige Gummi-Paddel auf einen festen Tritt. Der Blick stutzt dann bei den Schalt-Pedals der Tiptronic am Lenkrad, so zierliche Renntechnik mag gar nicht zu dem Ingol-O-Saurus passen.

Lange Jahre hat sich Allrad-Spezl Audi gesträubt, den Kunden einen SUV anzubieten, in diesem Jahr wurde dafür richtig hingelangt. Beim Anblick des gewaltigen Grills und der riesigen Haube muss man schlucken. Dabei gelang Audi das Kunststück, den größten und auch agilsten SUV auf die Straße zu schicken. Ob die Welt mehr Wagen von 2,2 Tonnen Gewicht braucht? Haben will die Welt die Elefanten jedenfalls. Josef Schloßmacher - Technik-Kommunikation von Audi - sagte stern.de : "Der Audi Q7 ist mehr als erfolgreich gestartet: Zur Markteinführung im 1.Quartal lagen bereits ca. 16.000 Bestellungen europaweit vor - ohne dass ein einziger Kunde den Wagen zuvor hätte Probe fahren können. Um der Nachfrage gerecht zu werden, haben wir das Produktionsvolumen für 2006 bereits erhöht."

"Blind-Käufe" obwohl der Ingolstädter alles andere als ein Preischnapper ist. Audi versteht die Kunst, Begehrlichkeiten zu verkaufen. Das gefahrene Testfahrzeug rüstete den Basispreis von 48.000 Euro für den Diesel Q7 auf das nette Sümmchen von 68.000 Euro auf. Auf das eine oder andere könnte man vielleicht verzichten, aber unter 60.000 Euro wird kaum ein Q7 das Licht der Welt erblicken.

Spiele will das Volk

Werden verblasene ästhetische Kriterien vergessen und Schönheit zeitgmäß definiert, als das, was auffällt und gefällt, dann gewinnt unser Audi mit der Ramms-Nase jede Schönheitskonkurrenz. Abgesehen von den aufgebrezelten Sport-Audis pflegt die Desingnermarke unter den deutschen Blechschneidern die große Kunst der Zurückhaltung. Männer, die mittels Automobil die Pubertät ewig verlängern wollen, gingen bislang leer aus. Im korrekten A6 findet sich die standesgemäße Hülle zum Boss-Anzug. Derlei Zurückhaltung kennt der große Junge nicht, er macht auf dicke Hose und sorgt - zumindest zur Zeit noch - überall für Aufsehen. Fetter geht es in Deutschland kaum noch.

"Paris Hilton Feeling"

Zunächst schüchtern die gewaltigen Dimensionen ein, aber schnell gewöhnt man sich an den mächtigen Begleiter. Ein angenehmes Gefühl, so wohl beschützt wie von einem muskelbepackten Bodyguard kutschiert zu werden. Innen nimmt man die Welt so wahr, wie die Reichen und Schönen sie kennen. Der Q7 bringt Abstand nicht allein zum automobilen Fußvolk, die ganze Welt rückt in watteweiche Ferne. Am Steuer des Q7 wird die Landschaft zur Modelleisenbahnanlage. Fahrer und Passagiere der zweiten Reihe reisen im Komfort-Abteil des Lebens.

Die zusätzliche dritte Reihe bietet den üblichen Sperrsitz für die Jugend, sie muss man nicht unbedingt mitbestellen, netter sitzt es sich in der zweiten Reihe. Sie kann man 100 Millimeter nach hinten schieben und dann Gedanken und Füße in unendlichen Räumen schweifen lassen.

High-End-Fahrwerk

Die extra Liste ist so lang, dass man den Wagen locker ein zweites Mal bezahlen könnte. Ein wirkliches Must-Have unter all dem Schönen und Teuren ist das adaptive Fahrwerk (Aufpreis 2500 Euro). Es verleiht dem Riesen Flügel. Für Ausflüge ins Gelände verschafft es dem Boliden die entsprechende Bodenfreiheit, im Dynamik-Mode wird die Karosserie hingegen weiter abgesenkt. Wie auch im A6 Allrad findet sich im Q7 kein Sperrdifferenzial. Eine vernünftige Entscheidung, dem SUV nicht die Attribute eines echten Geländewagens einzupflanzen.

Die Größe des Q7 liegt dann auch weniger im Gelände, er spielt seine Stärken auf der Straße aus und setzt dort trotz seiner Größe die Referenz seiner Klasse. Allerdings nur mit dem schlauen Fahrwerk. Mit ihm bewegt er seine 5086 mm Länge so flink, dass die Konkurrenz erblassen muss. Das übliche unsichere SUV-Geschaukel bei hohen Geschwindigkeiten fehlt völlig. Muss auch, das leisten sich der BMW X5 und die ML-Klasse von Mercedes auch nicht. Auf der Autobahn liegt der Wagen sicher und fest, Spurwechsel und Überholmanöver spult er mit gelassener Souveränität ab. 1000 Kilometer mit ihm gehören eindeutig zu den entspannteren Phasen des Lebens.

Dabei passt der Dreiliterdiesel wie angegossen zum Fahrzeug. Obwohl ein Motor mit 233 PS mit 2,2 Tonnen Leergewicht nicht gerade unterfordert ist, treibt der Diesel den Q7 mit seinen 510 Nm Drehmoment wacker an. Selbst stramme Steigungen zwingen den Diesel nicht in die Knie.

Akzeptabler Verbrauch

Abgesehen vom Bereich oberhalb von 180 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h bleibt der Verbrauch dabei durchaus vertretbar. Im Durschnitt sollte man sich auf zwölf Liter einstellen. Der Wagen fährt leise, souverän und mit den richtigen Leistungsreserven. Auf langen Autobahnfahrten genießt man das Fahrgefühl einer Limousine - nur mit dem Raumangebot des Q7. In Kurven gibt sich der Q7 keine Blöße. Der Fahrer wird serienmäßig von einer geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung unterstützt, exakt folgt der Wagen dem eingeschlagenen Weg.

Auch auf kurvigen Straßen stellen sich keine Nick- oder Wankbewegungen ein. Die Allrad-Kraftverteilung von 40 zu 60 Prozent zugunsten der Hinterachse lässt den Riesen spurtreu und behände agieren. Den Q7 bremst auf Serpentinen allein die schiere Größe des Modells aus.

Bescheidenheit ist eine Zier

Entsteigt man dem Q7, darf man die begehrlichen Blicke der Mitmenschen ernten. Für Fahrer, die nicht weiter auffallen wollen, trägt er eindeutig zu dick auf. Damit dem stolzen Besitzer der Kamm nicht allzu sehr anschwillt, verlangt der Q7 ihm als Buße einiges an Zurückhaltung ab. "Sich einfach mal dazwischenquetschen" - das geht meist nicht.

Der Kauf einer Einparkhilfe mit Kamera sollte immer erwogen werden. Wenn verschiedene Personen ans Steuer dürfen, ist die Kamera unersetzlich. In verwinkelten Gassen und italienischen Städten gehört Geduld zur ersten Fahrerpflicht. Mit einer properen Breite von 1983 mm ohne Spiegel darf der Q7 auch auf deutschen Baustellen nicht auf die flinke Zwei-Meter-Spur, dort hat sich das Vollschiff brav in die Lkw-Schlange einzureihen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.