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BMW X3 xDrive 20d: Weniger ist mehr

Nur bei wenigen Automodellen ist die Basisvariante die beste Lösung. Ganz anders der BMW X3 xDrive 20d. Denn mehr X3 braucht wohl keiner.

Beim überaus erfolgreichen Vorgänger sah das noch ganz anders aus. Die Vierzylinder der letzten X3-Generation waren alles andere als Bestbesetzungen. Der träge Zweiliter-Benziner war eine Schande für den hoch dekorierten Motorenbauer aus bayrischen Landen und der Zweiliter-Diesel wurde erst durch die Leistungssteigerung auf 177 PS erträglich. Eine Idealbesetzung war auch er nie - besonders nicht mit der optionalen Getriebeautomatik. Bei der neuen X3-Modellreihe sieht das ganz anders aus. Leistungsstarke Diesel und Benziner mit sechs Zylindern und ordentlich Power unter der Haube sind nach wie vor prächtig zu fahren und ein wahrer Lustgewinn für den SUV-Fan.

Doch betrachtet man Kosten und Nutzen mit Rücksicht auf den tatsächlichen Fahrspaß, braucht es beim BMW X3 nicht mehr als einen xDrive 20d. Der ist mittlerweile auf 184 PS erstarkt und fährt sich im Gesamtpaket weitaus besser als der Vorgänger. Mehr als das karge Leistungsplus von sieben Pferdestärken machen sich die bessere Geräuschdämpfung und der Durchzug von unten heraus bemerkbar. Selbst die Kombination mit der nunmehr achtstufigen Getriebeautomatik (2.300 Euro Aufpreis) macht den X3 xDrive 20d nicht zu einem derart unwilligen Krieger bis ehemals.

Überraschend dynamisch

Im Bereich Fahrdynamik setzt der BMW X3 der Generation zwei eindrucksvolle Maßstäbe. Seine Lenkung ist so präzise wie keine andere im Segment und die unnötige Fahrwerkshärte des Ahnen ist in den ewigen Jagdgründen des SUV-Waldes verwunden. Dabei ist das mittlere X-Modell nach wie vor straff unterwegs. Doch insbesondere seine dynamische Dämpferregelung (1.100 Euro Aufpreis) nimmt der Härte den Schrecken und den Nick- oder Wankbewegungen die Angriffspunkte. Ein Druck auf den Taster neben dem Getriebe und der X3 schlägt sich im Normalmodus überaus kommod ohne nur einen Gedanken an Schwammigkeit zu verbreiten.

Auch abseits befestigter Pisten, auf Eis und Schnee glänzt der X3 wie kaum ein anderer. Die Motorleistung wird variabel und überaus aktiv zwischen Achsen sowie einzelnen Antriebsrädern verteilt. Die spürbare Untersteuer-Neigung des Vorgängers ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich geringer geworden. Das macht den BMW agiler denn je. Das stramme Gesamtpaket passt zu den ordentlichen Fahrleistungen einer überraschend dynamischen Einstiegsmotorisierung. Denn trotz zwei Litern Hubraum, vier Zylindern, 135 KW/184 PS und 380 Nm Drehmoment ist der X3 nach einem kleinen Turboloch mehr als munter unterwegs. Wer es darauf anlegt, drückt die Tachonadel auf der Autobahn sogar über die 210-km/h-Marke und schafft den Spurt 0 auf 100 km/h in unter neun Sekunden. Der Expresszuschlag macht sich auch im Durchschnittsverbrauch bemerkbar.

Verbesserter Komfort und Größenzuwachs

Doch bei normaler Gangart ist der rund 1,8 Tonnen schwere Allrader, dessen Produktion von Graz nach Spartanburg / USA ausgewandert ist, mit 7,2 Litern zu bewegen. Das sind eineinhalb Liter Unterschied zum Werksversprechen, aber in den kalten Wintermonaten allemal ein ordentlicher Wert. Besonders angenehm ist die Laufruhe des Vierzylinder-Commonrail-Diesels. So macht Dieselfahren auch in der Einstiegsklasse Spaß. Über eine Start-Stopp-Automatik verfügen Handschalter und Achtgang-Automat gleichermaßen. Das Ausgehen des Triebwerks an der Ampel vollzieht sich vorbildlich, doch wer nach einem kurzen Stopp kuppelt und den Gang wieder einlegt, spürt ein Rütteln, dass durchaus noch einiges Verbesserungspotenzial lässt.

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So groß die Verbesserungen beim Komfort, so weit hat sich auch das Interieur des X3 weiterentwickeln können. Der Größenzuwachs der zweiten Generation von rund zehn Zentimetern kommt insbesondere den Insassen im Fond zugute. Cockpit und Armaturenbrett wirken bei weitem nicht mehr so preiswert und lieblos wie beim Vorgänger. Vielmehr orientiert sich der BMW X3 beim Armaturenbrett an den hochpreisigen Modellen der 5er, 6er und 7er Reihe. Die optionalen Sportsitze (630 Euro) bieten sehr guten Seitenhalt und die Sitzfläche lässt sich ebenso in der Länge verstellen wie die Breite der Rückenlehne. Bei den Ablagen dürfte der BMW durchaus noch ein paar innovativere Plätze finden und der Sitzkomfort auf der Rücksitzbank hat trotz deutlicher Verbesserungen noch immer etwas Luft nach oben. Gut: die 550 Liter Stauraum lassen sich durch Umlegen der Rücksitze im Verhältnis 40:20:40 auf 1.600 Liter erweitern. Leider nur gegen Aufpreis, aber mehr als sinnvoll ist die elektrische Heckklappe. Nur schwer zu glauben, dass das Ablagepaket mit Klappen und Netzen im Innen- und Kofferraum nochmals 360 Euro kostet.

Patzer bei den Fahrerassistenzsystemen

So dynamisch sich der BMW X3 auf jeglichem Untergrund, in der Stadt oder auf der Autobahn bewegen lässt, so dünn ist das Angebot an Fahrerassistenzsystemen. Annehmlichkeiten wie Abstandstempomat, Spurhalte- oder Totwinkelassistent sucht der Interessent in der überlangen Aufpreisliste vergeblich. Für ein Auto, das im Modelljahr 2011 seine Premiere feierte, ein mutiger Schritt. Schließlich bieten selbst Fahrzeuge der Kompaktklasse solche Details seit längerer Zeit. Hier hat BMW gepatzt und den Innovationstrend verschlafen.

Immerhin sind beim X3 mittlerweile Head-Up-Display, das sehr gute Navigationssystem Professional und eine Rückfahrkamera zu bekommen. Der Basispreis für den BMW X3 xDrive 20d liegt mit 39.400 Euro auf Wettbewerbsniveau. In dieser Klasse sind Xenonlicht (ab 1.040 Euro), beheizbare Ledersitze (ab 1.800 Euro), Navigationssystem (2.590 Euro) und Einparkhilfe (780 Euro) in der Bestellliste nahezu obligatorisch. So ist ein gut ausgestatteter BMW X3 xDrive 20d kaum unter 50.000 Euro zu bekommen. Viel Geld für eine Einstiegsvariante - auch wenn die, die beste Lösung ist.

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