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Chrysler Grand Voyager: Whale Rider

Auch Klassiker müssen sich verändern um zu bestehen. Das Kunststück besteht darin, bei der Wandlung nicht den eigenen Charakter zu verlieren. Die aktuelle Generation des großen Amerikaners besticht mit den alten Tugenden und hat noch eine Menge dazugelernt.

Von Gernot Kramper

Dieser Wagen ist groß, einfach groß. Man entert den Sitz des Fahrers wie die Brücke auf einem Schiff und um einen herum herrscht eine unendliche Weite. Wer mit diesem Gefühl nichts anfangen kann, hat die falsche Wahl getroffen. Landstraßenjäger und Durchdrängler sollten sich eine andere Wirkungsstätte suchen.

Die "Mutti aller Family-Vans" sieht nach den letzten Eingriffen besser aus denn je. Schönere Scheinwerfer, einige Einflüsse der 300 C Limousine, dazu viele Zierelemente in Chrom. Der Wagen wirkt stattlich und wertvoll, zu dem Eindruck trägt auch der mächtige Grill bei. Insgesamt schwingt sich der Grand Voyager zu einer stattlichen Repräsentanz auf, mit der er sich deutlich von der Konkurrenz wie Sharan und Galaxy abhebt. Der erste Eindruck geht eben nicht in die Richtung von Reihenhaus und "Pampers-Bomben", der Grand Voyager wirkt irgendwie wohlhabender.

Dieser Eindruck setzt sich im Innenraum fort. Böse Vor-Urteile wie "klapprig wie ein Amerikaner" greifen nicht. Hier sitzt alles und verströmt behagliche Solidität. Insbesondere wenn man das Innenleben mit einem T5 vergleicht, der auch in hohen Preisklassen seinen Ursprung als Klempner-Fahrzeug nie ganz abstreifen kann. Neu in dem Modell sind das "Stow 'n Go"- und das "Swivel 'n Go"-System. "Swivel 'n Go" will sagen, dass man die Sitze der zweiten Reihe um 180 Grad nach hinten drehen kann. Im Fond kann man also nach hinten schauen und etwa mit den Leuten auf Bank drei Kartenspielen. Wer es mag, wird es toll finden.

Die meisten Menschen schauen beim Fahren lieber nach vorn. Mit dem "shiwel", war es also nichts, aber "Stow 'n Go" hat sofort eingeschlagen. Die Plätze der Reihe Nummer drei verschwinden per Knopfdruck im Boden und erheben sich auch genauso wieder. Niemand muss in den Wagen turnen, um Blockierungen und Kopfstützen lockern. Ein Knipserchen genügt, alles Weitere geschieht von selbst. Wer will, kann alle Sitze hinten im Wagenboden versenken lassen. In wenigen Sekunden verwandelt sich der 7-Sitzer in einen Transporter mit 3296 Litern Kofferraum. Mit sieben Sitzen bleiben übrigens immer noch 638 Litern Laderraum übrig. Selbst mit dem halben Kindergarten an Bord bleibt es dann noch genug Platz für Gepäck. An Ablagen, Getränkehaltern und anderen Spielkram herrscht ohnehin kein Mangel. Das Testmodell war zudem mit zwei Displays ausgestattet. In der zweiten und dritten Reihe soll man damit gleichzeitig verschiedene DVDs sehen können. Wer Spaß an Spielfilmen auf der Autobahn hat, wird es zu schätzen wissen.

Bei den Preisen wird der Voyager umso interessanter, je näher man der "Vollausstattung" kommt. In der Grundausstattung liegt der Grand Voyager im Umfeld der Konkurrenten, aber weil es den Luxus bei ihm zum Schleuderpreis gibt, verbessert sich seine Position je mehr man zu den Nettigkeiten des Lebens greift.

Überraschend gut schlägt sich der 2,8-Liter-Turbodiesel. 163 PS machen aus einem 2,8 Tonnen-Dampfer keine Rennfeile, aber man steht auch nicht als Hindernis im Weg. Kurze Zwischensprints beim Überholen auf der Landstraße sind natürlich nicht möglich. Im Testzeitraum genehmigte sich der Wagen bei normaler Fahrweise dafür kaum mehr als acht Liter. Das ist angesichts der schieren Größe des Wagens mehr als achtbar. Dem Fahrwerk wurde jetzt eine Verbundlenkerachse spendiert. Dennoch wollen abfallende Kurven mit Vorsicht genossen werden. Ein Wagen gebaut zum souveränen Reisen und nicht zum Rasen.

Sicherlich fühlt sich so ein stattliches Mobil in engen Innenstädten und verwinkelten Gassen nicht in seinem Element. Aber auch ein Ausflug quer durchs Trentino und ein paar Tage im k.u.k.-Städtchen Arco machten große Freude. Wenn man sich auf ihn einlässt, kann man mit dem Voyager eben schnell Freundschaft schließen, denn selbst nach längeren Strecken verlässt man ihn relaxt und gut gelaunt. Das kann mehr wert sein, als "wertvolle" Zehntelsekunden im Sprint auf Hundert.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.