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Fahrbericht BMW 3er: Ruppig per Knopfdruck

Der BMW 3er geht in die sechste Generation. Der neue sollte wieder der Sportlichste seiner Klasse werden und schafft das mit einem Knopfdruck.

Der 3er ist die Seele der Modellpalette von BMW. Und wenn man die Seele neu auflegt, dann darf nichts schief gehen. Dieses Modell macht rund ein Drittel aller Verkäufe unter dem weiß-blauen Markenlogo aus. Seit 1975 sind rund 12,5 Millionen Exemplare verkauft worden. Wer die ersten Kilometer im 3er der Baureihe F30 zurücklegt, der gesteht gerne zu: BMW hat einen guten Job gemacht.

Der neue 3er BMW wirkt eleganter und sportlicher als sein Vorgänger. Vorne gibt es das neue Markengesicht, bei dem die flachen Scheinwerfer links und rechts bis an die Niere reichen. Insgesamt ist der 3er gewachsen: In der Länge sind 93 mm dazu gekommen, die Spur vorne bekam 37 mm, die hinten 47 mm mehr Breite zugestanden, der Radstand ist um 50 mm gewachsen. Das verschaffe vor allem den Font-Passagieren mehr Platz, verspricht BMW. Doch schon die nackten Zahlen zeigen: In der zweiten Reihe geht es nicht wirklich großzügiger zu als beim Vorgänger - ganze 15 mm mehr Platz haben die Knie, 8 mm mehr der Kopf. Ein großgewachsener Fahrer macht jeden 3er wie gehabt schnell zum 2+2-Sitzer. Ohnehin läuft der 3er unter der Rubrik "sportliche Limousine" - da rechnet niemand mit Clubatmosphäre hinten. Wenigstens gehört der Kofferraum mit 480 Litern Fassungsvermögen nun zu den üppigen seiner Klasse.

Alles wird etwas besser

Der Einstieg ist vor allem hinten dank der etwas größeren Türen bequemer geworden. Wer auf dem Fahrersitz Platz nimmt, wird sich sofort heimisch fühlen - und gleichzeitig feststellen, dass alles noch ein wenig durchdachter geworden ist, gediegener und mit deutlichen Anleihen an den 5er BMW. Der breite Bildschirm des iDrive-Systems steht nun frei über der Mittelkonsole. Die Sicht darauf ist auch für den Beifahrer gut, die Darstellung selbst bei einem schnellen Blick gut zu erkennen. Die Kartendarstellung erreicht opulente Größe. Bedient wird das alles wie gehabt über den ergonomisch gut neben dem Gangwahlhebel platzierten Drehschalter. Das gesamte Cockpit ist aufgeräumt und übersichtlich. Das gegen Aufpreis erhältliche und gestochen scharfe Head-Up-Display ist nun vollfarbig und in seiner Darstellung noch einmal deutlich besser geworden.

Ein paar Knöpfe und Schalter sind dennoch dazu gekommen. So zum Beispiel das, was BMW "Fahrerlebnis-Schalter" nennt. Aus dem normalen Fahrmodus lässt sich per Knopfdruck eine sportliche und eine besonders sportliche Einstellung wählen - die Kenndaten vor allem für Schaltung, Lenkung und Fahrwerk werden entsprechend ruppiger angepasst. Weniger Freunde bei sportlichen BMW-Piloten wird dagegen wohl die Eco-Einstellung finden. Sie macht aus dem spritzigen Bayern eine eher kommode Sparversion, die nicht mehr so recht in die Puschen kommen mag und deutlich verhalten unterwegs ist.

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Auf Wunsch sportlich

Aber auch im voreingestellten Normalmodus macht das Fahrwerk des 3er überraschend viel Freude. An Sportlichkeit hat es keinen Deut verloren. Es zieht den gegenüber seinem Vorgänger um 40 Kilogramm abgespeckten BMW wie auf Schienen durch die Kurven, macht einen Heidenspaß und lässt nie ein Gefühl von Unsicherheit aufkommen. Und es zeigt, dass sportliche Fahrweise und Komfort keine Gegensätze sein müssen. So schluckt die Federung Fahrbahnunebenheiten komfortabel weg - der Sportler ist geschmeidig wie auf Samtpfoten unterwegs. Nicht einmal in der Sport+-Einstellung wird der 3er aufgeregt und zickig. Die Lenkung wie gewohnt präzise, direkt und mit einer ordentlichen Rückmeldung von der Straße. Eine besondere Freude ist das von ZF gelieferte Getriebe mit acht Schaltstufen. Es ist nicht mehr so ganz neu - doch mit dem 3er hat es nun zum ersten Mal den Sprung von der Luxus- und der SUV-Klasse in die Regionen der Normalsterblichen geschafft. Schaltunterbrechungen sind kaum noch wahr zu nehmen, das Wechseln von einer Stufe in die andere geschieht flüssig und sanft. Zusammen mit der Automatik, die sich über Paddel am Lenkrad oder über den gut erreichbaren Schaltknüppel auf der Mittelkonsole auch manuell schalten lässt, liefert BMW im Paket auch eine Start-Stopp-Automatik aus.

Praxisverbrauch deutlich höher als die Normangaben

Zum Marktstart wird der 3er mit vier Motoren zur Auswahl an den Start gehen: Zwei Diesel und zwei Benziner. Neu ist vor allem der 4-Zylinder-Turbo im 328i. Mit dem Hubraum hat die Nomenklatur bei BMW nichts mehr zu tun: Die 245 PS Leistung stammen aus einem 1997 ccm-Motor, das maximale Drehmoment liegt bei 350 Nm, die bereits ab 1250 U/min. zur Verfügung stehen. Soviel Kraft schafft der Motor über seinen Twin-Scroll-Aufladung. Dabei werden jeweils zwei Zylinder über eigene Kanäle mit Frischluft ver- und vom Abgas entsorgt. Das sorgt vor allem für ein deutlich besseres Ansprechverhalten.

Entsprechend kraftvoll macht sich der kultiviert laufende Vierzylinder auch ans Werk. Wer das Gaspedal durchtritt, kann sich über den Vortrieb nicht beklagen: 5,9 Sekunden braucht der 328i aus dem Stand auf 100 km/h, bei 250 km/h ist Schluss. Ob die neue Motoren-Philosophie von BMW - lieber vier als sechs Zylinder - unterm Strich auch zu tatsächlichen Verbrauchseinsparungen führt, bleibt allerdings abzuwarten. BMW selbst gibt für den 328i den Durchschnittsverbrauch mit 6,4 Litern auf 100 km an - das wäre weniger als die 7,2 Liter beim alten 325i mit seinem 6-Zylinder und seinen 218 PS. Bei einer ersten, durchaus moderaten Ausfahrt rechnete der Bordcomputer des 328i allerdings ganz anders: Dessen Anzeige war kaum unter die zehn Liter zu drücken.

Ausgeliefert in drei Ausstattungslinien

Neben dem neuen Vierzylinder bietet BMW zum Start auch den 335i mit sechs Zylindern und 306 PS an. Dazu kommen zwei optimierte Diesel: Der 320d Efficient Dynamics mit 163 PS, der sich mit 4,1 Litern auf 100 km begnügen soll und der 320d mit 184 PS und einem offiziellen Verbrauch von 4,5 Litern. Für Herbst nächsten Jahres angekündigt ist schon der ActiveHybrid3, der auf dem 335i basieren wird.

Zum ersten Mal gibt es die 3er-Reihe in den drei unterschiedlichen Ausstattungsvarianten "Sport Line", "Modern Line" und "Luxury Line". Unterschiedlich sind dabei vor allem die Farb- und Materialwelten sowie ein paar Design-Akzente. In der "Luxury Line" etwa dominiert bei den Zierleisten und Nierenstäben Chrome, bei der "Modern Line" ist es mattes Aluminium und bei der "Sport Line" bildet Schwarz den Kontrast zur Wagenfarbe. Je nach Ausstattungslinie unterscheiden sich auch zum Beispiel die Einfassungen der Nebelleuchten oder die Felgen. Dazu gibt es Optionen auf ein reichhaltiges Portfolio an Assistenzsystemen, die bislang zum Teil nur in den höheren Modellklassen angeboten wurden.

Bei den Preisen ist sich BMW weitgehend treu geblieben. Es geht zunächst los mit 35.350 Euro für den Diesel. Sein Vorgänger kostete gut 1000 Euro weniger. Für den 328i muss man schon in der Basisversion 37.400 Euro hinblättern - und darf sich noch einmal tüchtig im Ausstattungskatalog austoben, bis das Paket tatsächlich alltagstauglich ist.

Jürgen Wolff, Press-Inform
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