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Hintergrund: Mercedes E-Klasse: Blick in die Zukunft

Mit Einführung der vorletzten E-Klasse der Baureihe W 210 sah man die Mercedes-Welt mit anderen Augen. Die neue E-Klasse schaut immer noch mit vier Scheinwerfern in die kaufkräftige Welt hinaus – und will ganz nebenbei das sicherste Auto der Welt sein.

In Sachen Design durfte man bei einem Massenmodell wie der Mercedes E-Klasse keine Wunder erwarten. Ähnlich wie beim VW-Golf ist die Kundschaft treu und mitunter betagt – da darf man nicht zu viel riskieren. So gibt es ein gutes Stück bekannter E-Klasse W 211, einen Hauch CLS und einen Schuss der Luxus-S-Klasse. Fertig ist die Baureihe W 212. Bei den Motoren gibt es zunächst einmal wenige Neuigkeiten. Im europäischen Volumenbereich wird sich viel um den neuen 2,2 Liter Diesel drehen, der in Leistungsstufen zwischen 170 und 204 PS für Fahrspaß und Sparsamkeit sorgen soll. Mittelfristig gibt es zudem neue Benzindirekteinspritzer und Turbotriebwerke. 4matic- und AMG-Versionen sind ebenso selbstverständlich wie das später auf den Markt kommende T-Modell und ein viersitziges Cabriolet.

Die Hightech-Ausstattung der neuen Mercedes E-Klasse kennt zumindest in Sachen Sicherheit kaum Grenzen. Erst vor wenigen Monaten hatte die jüngste Generation des BMW 7er mit einem fast schon unübersichtlichen Paket von Hightech die Öffentlichkeit beeindruckt. Die neue E-Klasse kann noch ein bisschen mehr und bringt mit einem echten Notbremsassistenten und einem Müdigkeitswarner zwei neue Sicherheitskomponenten auf den Markt, die das Autofahren nochmals deutlich sicherer machen sollen. Das Paket von Fahrerassistenzsystemen ist dabei so groß, dass man glaubt, in einem Bus Platz nehmen zu müssen. Die unsichtbaren Helfer für den sicheren Abstand zum Vordermann, einen Schutzengel, der immer in den Rückspiegel schaut oder genau das richtige Licht anschaltet, arbeiten jedoch im Verborgenen und belegen keinen der bequemen fünf Sitzplätze im neuen Oberklassemodell.

Invasion der Fahrassistenten

Ein großer Wurf scheint den sicherheitssüchtigen Schwaben mit dem Einschlafwarner gelungen zu sein. Seit vielen Jahren forschten die Entwicklungsabteilungen von zahlreichen Autoherstellern, um dem Sekundenschlaf den Schrecken zu nehmen. Gingen die meisten Entwickler lange Zeit auf Augen und speziell auf die Pupillenbewegung, so hat Mercedes eine völlig andere Lösung und misst das Verhalten des Fahrers in Bezug auf Lenkzeit, Lenkbewegungen, Uhrzeit und Fahrgewohnheiten an 70 Faktoren. Der Schlüssel zum Sicherheitsglück liegt in einem besonders feinfühligen Lenksensor. Misst der in Abstimmung mit den Gegebenheiten einen schreckhaft lenkenden Piloten, gibt es eine Warnmeldung mit entsprechendem Pausenhinweis. Im Gegensatz zu vielen anderen Sicherheitsausstattungen bietet Mercedes bei der neuen E- und wenige Wochen später bei der Überarbeitung der S-Klasse das Ganze ab Frühjahr 2009 serienmäßig.

Das würde man sich auch für Sicherheitsdetails wie ein intelligentes Xenonlicht, Abstandstempomat oder Überhol- und Spurhalteassistent wünschen. Doch hier bleibt man dem Premiumgrundsatz treu, dass derartige Annehmlichkeiten ihren teuren Aufpreis haben. Neu in der E-Klasse ist auch das von der S-Klasse übernommene und weiter entwickelte Nachtsichtgerät, das ab sofort auch über eine Objekterkennung verfügt. Befinden sich Personen auf der Fahrbahn, werden diese auf dem Multifunktionsbildschirm im Cockpit durch Fotoecken gekennzeichnet. Neu und ein wichtiger Schritt in Sachen Sicherheit ist die autonome Vollbremsung, die erstmals in einem Serien-PKW verbaut ist. Reagiert der Fahrer beim Auffahren auf ein Hindernis nicht auf Warnhinweise und die autonome Teilbremsung, tritt der Sicherheits-Benz 0,6 Sekunden vor einem sicheren Aufprall eigenmächtig in die Eisen – zumindest mit der Sonderausstattung Distronic Plus. „Durch unsere Pre-Safe-Bremse reduziert sich die Aufprallgeschwindigkeit um 16 km/h“, so Christian Früh, zuständig für Bremsen und Assistenzsysteme im Hause Mercedes, „insgesamt hat die neue E-Klasse am Computer 17.500 Crashtests am Computer und mehr als 150 in der Realität bestehen müssen.“

Prähistorische Handbremse

Für Sicherheit an Bord sorgen unter anderem ESP, Bremsassistent, neun Airbags, ABS und eine um 30 Prozent steifere Karosserie. "E- und S-Klasse sollen in Sachen Sicherheit zukünftig eng zusammenrücken“, erklärt Ulrich Mellinghoff, Entwicklungsleiter im Bereich Mercedes-Sicherheit, „das Auto soll bei uns zukünftig ein denkender Partner sein." Doch so sicher und hightech-orientiert die neue E-Klasse, die im Frühjahr kommenden Jahres auf den Markt kommt auch ist, eine längst bei der auch niederklassigen Konkurrenz etablierte automatische Feststellbremse fiel dem Rotstift zum Opfer. So wird diese wie in den 70er Jahren immer noch mit dem Fuß festgestellt und links am Armaturenbrett manuell gelöst – angesichts der anderen Zukunftskomponenten fast schon peinlich.

"Eine Vision vom unfallfreien Fahren ist in absehbarer Zeit wohl nicht zu verwirklichen, aber wir sind auf einem guten Weg", so Christian Früh. Unterstrichen wird dies durch Details wie einen zusätzlichen Hüft-Airbag, die Verkehrszeichenerkennung oder eine aktive Motorhaube, die den Fußgängeraufprall abmildern soll. Bereits beim Einsteigen in die E-Klasse wird der Gurt sanft vorgestrafft. Dann kann man in Ruhe den eleganten und hochwertigen Innenraum bestaunen. Schließlich geht es nicht nur um Technik. Das Auge isst ja auch mit. Und das kommt besonders im Innenraum der neuen Mercedes E-Klasse nicht zu kurz.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
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