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Lada Niva: Held der Arbeit

Mit seinem altbackenen Design, dem hohen Spritverbrauch und der mageren Ausstattung gehört der Lada Niva eigentlich ins Museum. Immerhin: Deutschen Schlaglöchern trotzt der russische Geländewagen souverän.

Von Walter Hasselbring

Niemand hat geahnt, dass Väterchen Frost sich einmal mit der Autoindustrie verbünden würde. Sind Geländewagen nicht schon zum "Schnee von gestern" erklärt worden? Und nun sind sie plötzlich die adäquaten Automobile, um die von ein paar Grad unter Null aufgerissenen Löcher in den Asphaltdecken unserer Strassen zu überwinden. Da kommt der Lada Niva als Testwagen gerade recht. Seit über 30 Jahren ist er hierzulande gelegentlich im Straßenbild zu sehen, aber nie war er so wertvoll wie heute. Eine Einschränkung gibt es: Das Auto ist technisch nicht gerade auf dem neuesten Stand.

Es riecht es etwas streng nach Plastik in dem Wagen und es dauert eine Weile, bis wir die Wegfahrsperre mittels eines, sagen wir mal Plastikstummels, und eines Sensors gelöst haben. Dann geht es aber zu, wie in einem Porsche. Das Zündschloss findet man nämlich links neben dem Lenkrad! Dafür ist der Blinkhebel rechts angebracht und das Licht schaltet man da ein, wo bei anderen Autos das Radio sitzt. Manchmal erwischt man auch den Schalter fürs Gebläse, wenn man das Licht einschalten will.

Im Stand läuft der 1,7 Liter- Vierzylinder-Benzin Motor mit seinen 81 Pferdestärken kultiviert und ruhig. Das ändert sich aber sofort, wenn man los fährt. Dann ächzt und keucht er und gelegentlich heult dann noch das Kühlgebläse dazu. Die Schaltung fühlte sich hakelig, aber sehr robust an. Nach einigen Versuchen finden wir die fünf Gänge aber wie im Schlaf. Die Sitze sind nicht gerade, wie man so schön sagt, "State of the Art". Den Begriff Ergonomie gab es zu der Zeit, als der Lada konstruiert wurde, aber auch noch gar nicht. Im Übrigen sind die Sitzmöbel in manchen Geländewagen von heute auch nicht viel besser. Auch da ist der Innenraum meist viel kleiner als es die Ausmaße der Vehikel versprechen.

Rollendes Werkzeug

Natürlich holperte der Wagen klaglos durch die Schlaglöcher unserer vom Winter zerstörten Haupt- und Nebenstrassen und selbstverständlich sind wir schon bequemer durch die norddeutsche Tiefebene gefahren. 137 Stundenkilometer Spitze waren aber in den 70er Jahren ein Tempo, mit dem man es auf deutschen Autobahnen noch mühelos mit den meisten Wagen aufnehmen konnte. Seine Stärken hat der Lada Niva als rollendes Werkzeug, oder um im Jargon des einst real existierenden Sozialismus zu bleiben: als Held der Arbeit! Immerhin kann man mit dem Wägelchen 1900 Kilogramm ziehen. Mit seinem permanenten Allradantrieb, einem Verteilergetriebe mit Geländereduktion und einer Differentialsperre ist er so geländetauglich wie sonst nur Autos, die dreimal so teuer sind.

Kleiner Säufer

Bergauf hat der Niva eine Steigfähigkeit von 68 Prozent. Bei diesem Wert hatten wir das Gefühl, jeden Moment nach hinten über zu kippen. Der problemlos mögliche seitliche Kippwinkel von 48 Grad bedeutet eine Schräglage, in die sonst nur Motorradrennfahrer kommen. Die Wattiefe, die für das Durchfahren von Wasser relevant ist, beträgt immerhin 65 Zentimeter. Schlamm und Morast sind für das Auto ebenso problemlos wie Felsen oder Schotter. Während allerdings moderne Geländewagen praktisch ohne Eingriff des Fahrers durch schwierigste Geländepassagen rollen, ist im Niva durchaus fahrerisches Können gefragt. Entsprechend seiner Bestimmung liest sich auch die Zubehörliste: Seilwinde, Wildwanne und Gewehrhalter sind aufpreispflichtig zu haben.

Das Auto aus Russland ist ein Säufer! 12-15 Liter laufen schon mal auf 100 Kilometern durch den Vergaser und das bei einem Tankinhalt von nur 45 Litern. Wenn man so zwischen 80 und 100 Stundenkilometern dahin rollt, kann man aber unter zehn Litern bleiben. Natürlich ist er auch kein Sprinter, rund 19 Sekunden braucht der Wagen von Null auf Tempo 100.

Zeitloses Design

Wer einen Lada Niva fährt, beschäftigt sich unweigerlich wieder mit Wörtern, die wir schon für ausgestorben hielten: Weißwandreifen oder Reservehahn beispielsweise, oder die Rundumsicht, die im Niva - im Gegensatz zu Autos moderner Konstruktion - reichlich vorhanden ist. Was das Design angeht, gehört der Wagen eigentlich ins "Museum of Modern Art" - wegen seiner Zeitlosigkeit. Kurzum: Der Niva ist kein Auto, das man auch im Gelände fahren kann, es ist ein Geländewagen, der auch straßentauglich ist. Der Wagen ist schließlich für die Tundra und die Taiga gebaut und demzufolge nichts für Leute, die mit ihrem SUV möglichst jeder Pfütze ausweichen. Die russische Alternative wählten hierzulande im vergangenen Jahr immerhin 3765 Verwegene.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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