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Praxistest: Nissan Qashqai+2 2.0 L: Sieben auf einen Schleich

Der Qashqai hat sich zu Nissans Cash-Cow entwickelt und die Modellfamilie wird ausgebaut. Qashqai +2 bedeutet mehr Kofferraum und Platz für sieben. Für die große Fahrt fehlt es dem Japaner allerdings an Dampf.

Nissans "Stadtnomade" Qashqai – wahrscheinlich der Autoname mit der größten Tippfehler-Quote aller Zeiten – hatte bislang vor allem ein Problem: Der Kofferraum schreckt nicht nur mit einer enorm hohen Ladekante ab, sondern schluckt auch nicht sonderlich viel Gepäck. Die um 13 Millimeter verringerte Ladekante beim Qashqai+2 nimmt der geplagte Rücken beim Einladen zwar kaum zur Kenntnis - doch das Mehr an Raum macht sich durchaus bemerkbar.

550 Liter passen ins Gepäckabteil, wenn man die zweite Sitzreihe umklappt. Das sind 140 mehr als beim normalen Modell. Das maximale Ladevolumen bis zu den Vordersitzen beträgt 1520 Liter. Die mittlere Bank lässt sich geteilt umklappen und in Längsrichtung verschieben. Das Cockpit des Japaners überzeugt mit sauberer Verarbeitung und einem durchdachten Bedienkonzept.

Auf diversen Testfahrten mit verschiedenen Beladungen (eine Person plus Gepäck, zwei oder drei Personen und schließlich sechs Personen plus Hund) stellten sich zwei Dinge heraus: Erstens taugt der Wagen durchaus zum Groß- oder Mehrfamilienausflug - wenn auf den billigen Plätzen nicht gerade Erwachsene hocken, die erste Fondreihe der zweiten durch Verschieben der Sitze ein wenig mehr Kniefreiheit gönnt und man auf nennenswertes Gepäck verzichtet.

Zweitens darf man dann aber trotz zwei Litern Hubraum und 104 kW (141 PS) keine Wunder erwarten. Der Motor läuft kultiviert und hat Durchzugskraft, will aber durch häufige Schaltarbeit mit passenden Drehzahlen gefüttert werden. Der mit Beladung rund zwei Tonnen schwere Wagen setzt sich eher gemächlich in Bewegung. Kein Wunder, dass Nissan nicht wie ursprünglich geplant auch den Basis-Benziner mit 115 PS im verlängerten Qashqai anbietet.

Bedingt sparsam

Den offiziellen Durchschnittsverbrauch von 8,6 Litern pro 100 Kilometer konnte unser Testwagen selbst mit nur einer Person an Bord nicht ganz einhalten. Meist flossen 9 bis 10 Liter durch die Leitungen, in der Stadt muss man mit 12 bis 13 Litern rechnen. Ob man das Allradsystem dabei auf 2WD (Frontantrieb) oder auf Auto(matisch) einstellt, machte kaum einen Unterschied. Allerdings legt der große Qashqai dank Allradantrieb auf der Straße keine Traktionsschwächen an den Tag. Der Nissan hat ein On-Demand-System, bei dem die Antriebskraft normalerweise an die Vorderräder geht und nur im Bedarfsfall, also wenn Schlupf entsteht, auch an die Hinterräder.

Die einzige Alternativmotorisierung für den 4x4-Qashqai+2 ist der zwar sparsamere, aber auch deutlich teurere Zweiliter-Diesel mit 110 kW/150 PS. Der Japaner ist ab 23.490 Euro zu haben (Frontantrieb und 141 Benziner-PS), mit Allradantrieb werden es 25.340 Euro und mit Dieselmotor an Bord mindestens 27.690 Euro.

Die Top-Version Tekna ist unter anderem mit Lichtautomatik, Tempomat, CD-Wechsler, Regensenor, Xenon-Scheinwerfern, Ledersitzen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und Einparkhilfe ausgerüstet. Für 2000 Euro Aufpreis gibt es ein DVD-Navigationssystem in Kombination mit einer Rückfahrkamera. Das imposante Panorama-Glasdach ist bereits im Einstiegsmodell serienmäßig. Das Basismodell des normalen Qashqai (115 PS) ist übrigens ab 20.190 Euro zu haben.

Alternative Familientransporter (jeweils Basispreise für 7-Sitzer) sind der Opel Zafira (Sondermodelle ab 19.990 Euro), Chevrolet Captiva (25.990 Euro), der Peugeot 4007 (31.550 Euro) oder der Mitsubishi Grandis (29.970 Euro). Bei fast allen Siebensitzern wird es auf den billigen Plätzen allerdings arg eng, sobald die Passagiere das Grundschulalter hinter sich gelassen haben.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.