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Reportage: Essen Motor Show: PS-Bolzen im Edelzwirn

Schneller, tiefer, aggressiver: Was die Tuner für die Essen Motor Show so alles auf die Räder gestellt haben – und warum sich die Autohersteller darüber nicht immer freuen. Das wichtigste von A wie Abt bis Z wie Zender.

Ein Porsche ist ein schnelles Auto. Sollte man meinen. Aber Tuner haben ihre eigene Sicht der Welt: Sie sind nie zufrieden mit dem, was die Hersteller vom Band rollen lassen. So stellt zum Beispiel TechArt seine eigene Interpretation des 911 Turbo auf die Räder: 580 PS, 339 Km/h Spitze und von 0 auf 100 km/h in 3,46 Sekunden (so genau wird in der Branche nachgemessen). Das einzige, was diesen Renner aufhalten könnte, wären wohl Benzinmangel oder ein Stau.

Bayrischen Sportwagen helfen Tuner wie AC Schnitzer oder Hartge auf die Sprünge. Der Hartge H50 V10 auf Basis des neuen 3er Coupés darf sich über 550 Pferdestärken und eine Höchstgeschwindigkeit von 320 Km/h freuen. Nicht ganz so schnell, aber dafür mit mehr Platz geht es im Abt AS7-R zur Sache. Der getunte Q7 ist so bullig wie eine ganze Football-Mannschaft und leistet 500 PS. Das reicht "nur" für eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 5,9 Sekunden.

Da hat der Brabus Rocket schon deutlich mehr auf der Pfanne: 730 PS und 360 Km/h Spitze leistet der schnittige Renner auf Basis des Mercedes CLS. In Essen gibt es den Rocket sogar als Streifenwagen für die Polizei zu sehen. Für den unwahrscheinlichen Fall, das jemand schneller unterwegs sein sollte, hätte der dann immer noch Blaulicht zum Räumen der Straße. Die Kollegen in Grün sollten aber nicht zu früh frohlocken – das Auto ist nicht nur schneller, als die Polizei erlaubt, sondern auch nur als Blickfang für den Brabus-Stand gedacht.

Ein gutes Gespür für Lücken im Tuning-Angebot hat Zender. Zusammen mit dem Motorenspezialisten HGP haben die Mühlheimer den Z440 R auf Basis des viertürigen Audi A3 Sportback auf die Räder gestellt. Ein aggressives Styling-Paket mit einem nach unten gewölbten, ungemein grimmigen Grill dürfte für reichlich Überholprestige sorgen. Und das mit Recht – der auf 440 PS gesteigerte V6-Turbomotor beschleunigt den Z440 R in nur vier Sekunden auf 100 Sachen.

Neu ist auch Zenders Tuningpaket für den Golf R32. Eine muskulöse Frontschürze, Seitenschweller und eine Verlängerung des Serien-Spoilers sorgen für eine aggressivere Optik. Genügend Leistung bringt der R32 ja von Hause aus bereits mit.

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Doch nicht immer stößt das Engagement der Tuner auf die Gegenliebe der Autohersteller. Am Rande der Messe berichten manche Tuning-Größen vom wachsenden Widerstand der Hersteller gegen die Leistungs-Superlativen. "Wenn jemand sein getuntes Fahrzeug zur Inspektion in einer Markenwerkstatt bringt, kann es sein, dass die Leistungssteigerung an den Hersteller gemeldet wird", sagt ein Tuner. Dies könne man in zunehmendem Maße bei BMW beobachten.

Aber auch andere Hersteller stünden den Tunern immer skeptischer gegenüber. Die Petzerei kann durchaus unangenehme Folgen haben: "Wenn es einen Motorschaden gibt, verweigern die Hersteller oft die Garantie – auch dann, wenn der Schaden gar nicht auf die Tuningmaßnahmen zurückgeführt werden kann", weiß der Tuner.

Die Hersteller sehen Ursache und Wirkung naturgemäß anders – schließlich ist jeder Motor in allen Feinheiten genau abgestimmt mit dem Fahrzeug und eine zusätzliche Leistungssteigerung nicht eingeplant. Immerhin: Wer sein Auto bei einem namhaften Tuner frisierten lässt, bekommt auch dort Garantien für den Schadensfall.

Pressinform / PRESSINFORM
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