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Maybach Exelero: Unterwegs im Ungetüm

Der Maybach Exelero ist ein millionenteures Einzelstück für die Werbeauftritte einer Reifenfirma. Der stern hat die Wirkung des PS-Monsters getestet.

Was macht er Spitze? "Also, auf dem Hochgeschwindigkeits-Motodrom von Nard˜ in Süditalien lief er É"(Rest unverständlich, weil von einem infernalischen Wrooooaaaammmoooiiinnng verweht). Und was schluckt er so? "Wenn du ihn richtig schrubbst, sind das leicht mal É" (Rest geht unter in ohrenbetäubendem Kreisch-fauch-wummer-jaul). Und wie viele Zylinder hat er? (Krawall und Getöse, als höbe ein Kampfjet ab.) Lassen wir's. Das Cockpit des Exelero ist kein Plauderstübchen. Martin, der das Automonster zusammen mit einem Kollegen von Termin zu Termin fährt und notfalls rund um die Uhr bewacht, sagt in einem halbwegs ruhigen Moment an der Ampel: "So eine Schüssel muss einfach Krach machen. Sonst sagen die Leute, 700 PS und schnurrt wie 'ne Katze, was soll denn das?"

Irgendein behördlicher Autofreak hat - ears wide shut - dem schwarzen Blechhengst eine Straßenzulassung spendiert. Dabei klingt der Exelero wie ein Riva-Boot in voller Fahrt. Optisch wirkt er wie eine Kreuzung aus Batmobil und K.I.T.T., das sprechende Auto aus der TV-Serie "Knight Rider". Er brachte es in Nard˜ auf 351,45 km/h und beschleunigt von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden - nicht übel für ein Schwergewicht von 2,7 Tonnen. Die 23-Zoll-Serienreifen - Luftdruck 3,6 bar -, sind bis 350 km/h zugelassen. Der 12-Zylinder-Biturbo-Motor (sechs Liter Hubraum, Drehmoment über 1000 Newtonmeter) begnügt sich bei maßvollster Fahrweise mit 18 bis 20 Liter V-Power-Sprit. Auf dem Rennring, unter Volllast, säuft er leicht mal 100 Liter weg - heißt, der Tank liegt nach ungefähr 20 Minuten trocken. Wer baut so was? Wozu?

Auftritt Helge Jost, Marketingmanager der Reifenwerke Fulda aus Fulda. "Ach, Reifen sind leider nicht sexy. Niemand will was über Reifen wissen. Alles interessiert Menschen am Auto mehr als die Reifen. Reifen haben null Emotion. Motor, Karosserie, Felgen, sogar Bremsen finden die Leute interessant. Aber keiner sagt: "Oh, du hast aber schöne neue Reifen!" Kurz, Werbung für Reifen ist rausgeschmissenes Geld. Da haben wir uns gesagt, bauen wir doch ein supertolles Auto um unsere Reifen herum und machen sie auf diese Weise attraktiv ..."

Technische Daten

Motor

V12 Biturbo mit 5,9 Liter Hubraum und 700 PS

Fahrleistung

Beschleunigung 0-100 km/h: 4,4 Sek. Spitze: 351,45 km/h

Verbrauch

Keine Angaben

Karosserie

Zweisitziges Coupé aus Kohlefaser

Abmessungen

L/B/H: 5,89/2,14/1,39; Leergewicht: 2,73 t; Zuladung: 270 kg

Preis

Ein unterer einstelliger Millionenbetrag

Tatsächlich krebst der Reifenmarkt in Deutschland rezessionsbedingt vor sich hin. Die mittelpreisige Traditionsmarke Fulda konkurriert mit rund 100 anderen Fabrikaten, viele davon billige No-Name-Ware. Da schien die Idee kongenial, zusammen mit der von Daimler-Chrysler reanimierten Edelautofirma Maybach ein Supercar als Werbeträger zu kreieren. Eines, das es nur einmal und nie wieder geben würde. Eines, das den Autoverrückten in aller Welt die Augäpfel aus den Höhlen treiben würde. Das Projekt ward auf den Namen Exelero getauft, nach dem Reifen, den es bewerben soll.

Basis für den Exelero ist der Maybach 57, eine kapitale - übrigens flüsterleise - Limousine für den gehobenen Ölscheich. Das Design hingegen knüpft an den geheimnisumwitterten Maybach Stromlinienwagen SW 38 an, mit dem Fulda vor dem Krieg Reifen bei Geschwindigkeiten um die 200 km/h testete. Das futuristisch geschnittene Automobil wurde 1938 vom Karosseriebauer Dörr & Schreck entwickelt und ein Jahr später ausgeliefert. Das einzige Exemplar, das je fertig gestellt wurde - der Kriegsausbruch verhinderte den Serienbau -, verschwand in der Nachkriegszeit spurlos. Gerüchte besagen seither, ein amerikanischer Soldat habe es in einer Scheune entdeckt und sich damit bezecht um einen Baum gewickelt.

Baupläne und Fotos des Boliden inspirierten ein Designerteam der Fachhochschule Pforzheim. Das Rennen machte der Entwurf des 24-jährigen Studenten Fredrik Burchhardt. Der schaffte es, der Form den erwünschten "Prosecco-Effekt" zu geben. Fulda-Mann Jost: "Wir wollen der Marke ein Prickeln verleihen." Ein Imagelift käme in der Tat gelegen. Fulda (Werbeclaim: "Schwarz, breit, stark") gilt traditionell als Domäne der so genannten Bordsteinkanten-Tuner.

Den Exelero durch Fulda chauffieren, das ist nichts für Scheue, Introvertierte. Die Bischofsstadt steht Kopf, wenn das fast sechs Meter lange Trumm aufkreuzt. Autofahrer erstarren offenen Mundes an der grünen Ampel, wenn sich der Riese unter kurzen, donnernden Gasstößen um die Ecke schiebt. Auf der Autobahn fegt er qua Präsenz die linke Spur frei, auf dem Parkplatz vor dem Spielwarenkaufhaus "Toys "R' Us" erzeugt er einen Auflauf. Dieses hochgradig phallische Männerspielzeug fasziniert sogar Frauen, die sich ansonsten überhaupt nicht um Autos scheren.

Ein Porschefahrer, dessen breitärschiger Carrera vom Volk keines müden Blickes gewürdigt wird, zischt unter aufheulendem Motor beleidigt vom Parkplatz. Eines steht fest: Sollte es heutzutage tatsächlich noch ein Kraftfahrzeug geben, das zum "Schnitten klarmachen" (Dieter Bohlen) taugt, so ist das ganz gewiss keines aus Zuffenhausen oder Maranello. Sondern das mit dem Kennzeichen FD-EX 1.

"Der Wagen", sagt Marketingmann Jost, "musste eine Reihe extremer Eigenschaften vereinen. Tollstes Design, höchste PS-Zahl, schnellster Wagen dieser Gewichtsklasse, niedrigster Aerodynamik-Wert, größte und breiteste Reifen." Ein Teil zum Nasedranplattdrücken, das von Veranstaltung zu Veranstaltung tingelt, die Motormagazine entzückt, auf den Highways des Internets um die Welt fährt.

Dass der Nutzwert sich dafür in Grenzen hält, wen schert's? Die unpraktischen Türöffner killen jeden längeren Fingernagel. Seitlich angebrachte Abgasschächte entzücken Selbstmörder, so viel Kohlenmonoxid lassen sie im Stand durch die heruntergefahrenen Scheiben ins Auto. Und tief gelegt ist das Ding! Bei jeder kleinen Bodenwelle kriegt man die Krise. Neben dem konzertanten Auspuff-Auftritt schnauft und zischt es im Innenraum wie in einem alten U-Boot. Eine komplizierte Hydraulikanlage soll Härten ausbügeln, die aufs Konto der Niederquerschnittsreifen gehen.

Bloß nicht am Lenkrad kurbeln, wenn der Motor nicht läuft! Ohne Servounterstützung bricht schnell mal was ab. Auf schlechten Straßen scheppert der Exelero lauter als ein Badewannenford von 1960. Gleich dem Albatros in Charles Beaudelaires Gedicht ist er König nur in seinem ureigenen Habitat, in diesem Fall der Rennpiste. Das noble Stück, laut Fulda einen Betrag im "unteren einstelligen Millionenbereich" wert, verfügt nicht mal über Sonnenblenden. Man gönnt sich ja sonst so allerlei.

Nur beim Grünen-Parteitag sollte man sich damit besser nicht blicken lassen. Der Exelero, eine röhrende Travestie auf den Hybridfahrzeug-Hype, ist hemmungslos politisch unkorrekt und herzerfrischend anachronistisch. Ein rollender Witz auf extrabreiten Schlappen. Doch leider haben Ökos keinen Humor.

Wolfgang Röhl / print
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.