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Autonomes Fahren Das Google-Car ist am Ende - und wird zu mehr Macht für die Daten-Krake führen

Eine Weiterentwicklung des Google-Car wird es nicht geben.
Eine Weiterentwicklung des Google-Car wird es nicht geben.
© Google
Google wird kein eigenes Auto bauen, sondern will mit seiner Technik möglichst schnell in die Wagen anderer Hersteller. Der Grund: Dem Technikgiganten läuft die Zeit davon.

Beim Thema "Autonomes Fahren" ist keine Firma soweit vorgeprescht wie Google. Schon im Jahr 2009 fuhren die Versuchsfahrzeuge von Google ohne menschlichen Fahrer über die Straßen von Kalifornien. Doch nach der Präsentation des Google Car 2015 wurde es erstaunlich ruhig. Das Feld der Medien wurde danach von Tesla beherrscht. Zuerst mit gewaltigen Ankündigungen zum Autopiloten, dann mit einer Serie von Pannen. Eher unbemerkt holten klassische Autohersteller wie BMW mit sehr leistungsfähigen Fahrassistenten auf. Nun gab es eine Ankündigung von Google, die man als Kurskorrektur werten kann: Google wird kein eigenes Auto bauen. Tatsächlich hat Alphabet, die Mutterfirma von Google, damit die nächste Stufe eingeleitet. Das autonome Auto ist kein Forschungsprojekt mehr, es ist ein Geschäft. Und hat auch schon einen Namen: Waymo.

Von der Forschung zum Geschäft

John Krafcik, neuer Boss von Waymo, postete, nach zusammengenommen 300 Jahren autonomer Fahrstunden "machen wir jetzt den nächsten großen Schritt und werden zu Waymo, einer neuen Geschäftsfeld von Alphabet." 

Patrick Moorhead, ein Analyst von Moor Insights & Strategy bestätigt die Ankündigung. Er sagte zu Computerworld: "Das hat große Bedeutung, die Forschung muss unmittelbar vor der Produktreife stehen. Wir stehen etwa drei Jahre vor einem Auto mit wirklich autonomen Eigenschaften." Aber er sagte auch, dass der einstige Vorsprung von Google zunichte sei, und man davon ausgehen müsse, dass BMW und Tesla weiter fortgeschritten seien. 

Waymo-Chef Krafcik schwärmt: "Wir sind nahe dran. Wir sind fast fertig. Und wir wollen der Welt davon erzählen." Doch in Wirklichkeit läuft Google die Zeit davon. Und  tatsächlich ist von der einstigen Revolution wenig übrig geblieben. Das gezeigte Google-Car sah zwar aus wie eine Kreuzung von Überraschungsei und Golfkarren, aber es sollte ursprünglich ein echtes Roboter-Auto werden. Der Mensch sollte nur das Ziel angeben, den Rest hätte das Auto übernommen. Nicht einmal Bremsen und Lenkrad waren noch vorgesehen.

Möglichst schnell in den Markt

Zumindest die ersten Produkte von Waymo sind deutlich bescheidener. Auf absehbare Zeit wird auch bei Waymo ein Mensch am Steuer sitzen, die Technologie soll ihn nur als Assistent unterstützen. Vom Konzept her bieten Autohersteller wie Tesla und BMW so etwas heute schon an. Google könnte die Konkurrenten in Sachen Preis und Leistungsfähigkeit überflügeln, aber eine Revolution sähe anders aus. Ohne eigenes Google-Auto wird ein Geschäft daraus, wenn Autohersteller die Waymo-Technik in ihren Modellen implantieren. Interessant ist dieses Modell für alle Hersteller, die das Wettrennen um die autonome Technik aus eigener Kraft nicht gewinnen können. Anstelle einer zweitklassigen Eigenentwicklung könnte man die Technik von Waymo einsetzen.

Wettrennen geht verloren

Das neue Konzept von Waymo ist der Ausweg aus einem Dilemma: Google mag unendliche finanzielle Reserven haben, aber Zeit hat der Konzern nicht. Die unzähligen Versuchsfahrten von Google wirken auf dem Papier eindrucksvoll, doch sie bedeuten nichts, gegen die Daten und Erfahrungen, die Firma sammeln, deren Fahrzeuge und Assistenten bereits bei Kunden im Markt sind. Jeder Kilometer eines Teslas oder eines mit entsprechenden Systemen ausgerüsteten BMW oder Mercedes vergrößert die Datenbasis und Erfahrungsschatz der Konkurrenz.

Daten sind das Geschäft

Der neue Weg wirkt bescheiden, könnte aber der Schlüssel zum Erfolg sein. Android wurde nicht führendes Betriebssystem bei Smartphones, weil Google selbst Smartphones herstellt, sondern weil das Betriebssystem anderen Herstellern zur Verfügung gestellt wurde. Überraschend ist der Umschwung nicht: Um die Autotechnik zu kommerzialisieren, wurde kein Automanager eingestellt, sondern Shaun Stewart im September von Airbnb abgeworben.  Auch Apple scheint vor einem ähnlichen Schritt zu stehen, und wird wohl auf ein eigenes Auto verzichten. Wir berichteten: "Steht das Apple Car vor dem Aus?" Das eigentliche Geschäft von Google wird nicht der Verkauf von Zubehörteilen, es wird in der Erhebung, Verwaltung und Kommerzialisierung der Daten liegen. Und das ist ein Geschäftswelt mit dem sich die Daten-Krake Google hervorragend auskennt.

Gernot Kramper

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