VG-Wort Pixel

Designer Marcello Gandini Der Maestro

Lamborghini Countach LP 500
Lamborghini Countach LP 500
© press-inform - das Pressebuero
Marcello Gandinis Name wird in einem Atemzug mit automobilen Design-Größen wie Giorgetto Giugiaro genannt. Der Turiner hinterließ vor allem bei Lamborghini seine Spuren. Aus seiner Feder stammen Ikonen wie der Lamborghini Miura und Countach.

Das Jahr 1938 gilt als Glückszeitpunkt der Automobilgeschichte. Während dieser zwölf Monate erblickte das berühmte italienische Design-Dreigestirn bestehend aus Leonardo Fioravanti, Giorgetto Giugiaro und Marcello Gandini das Licht der Welt. Ohne diese "Großen Drei" würde der automobile Kosmos heute ein gänzlich anderer sein. Schließlich zitieren die heutigen Formengeber nicht selten die Entwürfe dieser goldenen Ära des Automobildesigns.

Marcello Gandini ist der zweitälteste Sohn des Dirigenten des Turiner Symphonieorchesters und bekam so die künstlerische Ader förmlich in die Wiege gelegt. Zumal die Eltern den jungen Mann und dessen Aspirationen wohlwollend förderten. Das ist umso wichtiger, da Italien nach dem Zweiten Weltkrieg nicht unbedingt der Hort der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität war. In der Schule tat sich der Teenager jedoch nicht durch sein künstlerisches Talent hervor, sondern darin, dass er lieber in Ingenieursbüchern blätterte und an mechanischen Gerätschaften und Autos herumtüftelte. Irgendwann hatte Marcello das Pennäler-Dasein satt und schmiss die Schule, um sich nach einem Job umzusehen.

Dass der mit Autos zu tun hatte, verwundert nur wenig. Zunächst engagierte sich Gandini in der Rennszene und brachte solche Autos wie den Abarth 600 technisch auf Vordermann, indem er sich um das Getriebe, Motoren und das Fahrwerk kümmerte. Dieses technische Verständnis sollte sich später noch einmal als nützlich erweisen. Wenn es darum ging, Rennautos möglichst schnell zu machen, ging der junge Marcello keine Kompromisse ein. Also packte er die Flex aus, schnitt kurzerhand beim Boliden eines Freundes einfach das Heck ab und machte kurzerhand seine eigene Version einer Coda Tronca daraus. In den Anfangsjahren interessierte sich Gandini aber nicht nur für Autos und andere Vehikel, sondern machte sich auch als Designer in anderen Branchen Namen. So entwarf er das Interieur eines Nachtklubs und sagte später schmunzelnd: "Das war ziemlich hässlich, aber vermutlich auch deswegen erfolgreich."

Mit gerade einmal 20 Jahren war der kreative Tausendsassa bereits auf allen möglichen Schöpfungs-Parketten unterwegs und machte sich auch als Möbel- und Grafikdesigner einen Namen. Nach seinem 21. Geburtstag klemmte Gandini sich endlich hinter das Lenkrad und fing an, seine Vision eines Automobils zu Blech werden zu lassen. Eines seiner ersten Werke war die Osca Barchetta. Inzwischen wurden auch die Granden der italienischen Automobilszene auf das Nachwuchstalent aufmerksam, das keinen formellen Abschluss an einer der renommierten Design-Institutionen hatte. Man stelle sich nur vor, dass ein autodidaktischer Formgeber mit einer Mappe voller Entwürfe in Sindelfingen oder München vorstellig würde. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde der ambitionierte Designer bereits am Eingang vom Wachdienst abgewiesen werden.

In Italien der 1960er-Jahre war alles hemdsärmeliger und charmanter. Doch auch unter der freundlichen Sonne südlich der Alpen gedeihen persönliche Eitelkeiten und Animositäten. Schon 1963 wollte Giuseppe Bertone den aufstrebenden Nachwuchsstar unter seine Fittiche nehmen. Ausgerechnet der Altersgenosse und Bertone-Chefdesigner Giorgetto Giugiaro legte sein Veto ein. Als Giugiaro zwei Jahre später zur Carrozzeria Ghia anheuerte, war Gandinis große Möglichkeit gekommen. Bertone machte innerhalb eines Tages Nägel mit Köpfen und sicherte sich die Dienste des Newcomers.

Das erwies sich als Glücksgriff. In den nächsten 15 Jahren schuf Gandini einige Automobile, die heute Legenden sind. Vor allem Lamborghinis Geschichte ist untrennbar mit dem Namen Gandinis verbunden. Los ging es mit dem formschönen Lamborghini Miura, um den sich Stars wie Frank Sinatra rissen und der heute bei jedem Sammlertreffen im Mittelpunkt steht. In den 1970er Jahren folgte der unvergleichliche Countach, mit dem Gandini seine keilförmige Designsprache salonfähig machte. Da Bertone ein Auftragnehmer war, profitierten auch andere von dem Genius Gandinis. Aus seiner Feder stammen der Lancia Stratos, der grandiose Alfa Romeo Montreal, der Autobianchi A112, der Fiat X1/9 und der Alfa Romeo 33 Carabo. Gandinis Designs fanden auch in Asien einige Fans, deswegen trägt der Mazda Luce seine Handschrift, genauso wie der BMW 2500 (E3) oder der Citroën BX5 oder die BMW 5er-Reihe (E12).

Doch auch die beste Partnerschaft endet einmal. Ende 1979 teilte der Designer den Bertone-Managern mit, dass er Herr im eigenen Haus sein will und gründete sein Studio Marcello Gandini Design Srl, bei dem er bis zum heutigen Tag aktiv ist. Vor allem die französischen Marken profitierten vom Talent des Meisters und heuerten den Italiener als Berater an. Deswegen tragen Autos wie der flinke Renault 5 Gandinis Handschrift. In den letzten Jahren kehrte Marcello Gandini wieder zu den Anfängen seiner Karriere zurück und entwarf nicht nur Automobile, sondern die Kanzel für den Helikopter Heli-Sport CH-7. So schließt sich der Kreis.

pressinform

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker