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Automarkt: Wie werde ich meinen alten Diesel los?

Wegen drohender Fahrverbote wollen sich Diesel- Besitzer schnell von ihrem Wagen trennen. Onlineportale versprechen: Wir erledigen das ruck, zuck. Wirklich? Die schmerzhaften Erfahrungen der Verkäufer.

Von Rolf-Herbert Peters

Den alten Diesel abstoßen? So gehen Sie am besten vor.

Etwa 12,5 Millionen deutsche Diesel erfüllen nicht die Euro-6-Norm. Sven Burkhardt beim Aufkäufer: "Am liebsten würden wir den Golf Diesel behalten"

Auf dem Monitor erscheint eine Zahl: 6365 Euro. Sven Burkhardt schaut darauf, als kündige sie einen Zahnarzttermin an. Schmerzhaft wird es werden, das ist dem Diesel-Fahrer spätestens jetzt klar. Vor einer Minute hat er die Daten seines VW Golf beim Verkaufsportal Wirkaufendeinauto.de (WKDA) eingetippt: 1.6 Liter. Baujahr 2013. 155 850 Kilometer. Er will den Variant möglichst schnell loswerden. Die 6365 Euro sind die erste unverbindliche Einschätzung von WKDA. Der 30-Jährige ist entsetzt: "Normalerweise ist dieser Wagen über 9000 Euro wert!"

Seit Fahrverbote für Diesel drohen, lassen sie sich nur noch mit viel Mühe oder hohen Preisnachlässen losschlagen. Burkhardt ist einer von Millionen Diesel-Besitzern, die entscheiden müssen, was sie jetzt mit ihrem alten Auto machen: behalten oder loswerden? Wer die schnelle Trennung sucht, landet immer häufiger bei Internetportalen, die auch für schwer verkäufliche Modelle eine zügige Abwicklung versprechen. Aber was taugen sie? Und wie drastisch ist der Preisverfall wirklich?

Nachfrage nach Diesel um die Hälfte eingebrochen

Burkhardts Golf parkt vor der Tür seines Einfamilienhauses im niederrheinischen Korschenbroich – gepflegter platingrauer Metalliclack, auf dem Rücksitz steht der Kindersitz von Tochter Leonie. "Am liebsten würden wir das Auto behalten", sagt Burkhardt. "Tempomat, Navi, Automatik – es hat alles, um mit der Familie komfortabel zu reisen." Aber Euro-5-Diesel wie seiner könnten nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bald wegen ihres Stickoxidausstoßes aus belasteten Innenstädten ausgesperrt werden. Der Industriemechaniker muss aber jeden Tag zur Arbeit nach Krefeld.

Doch während das Angebot an mehr oder minder betagten Selbstzündern auf den Onlinemärkten steigt, ist laut ADAC die Nachfrage nach Dieseln binnen eines Jahres etwa um die Hälfte eingebrochen. Ferdinand Dudenhöffer, Experte an der Universität Duisburg-Essen, sagt: "Die Gefahr von Fahrverboten bewirkt im Schnitt 2000 Euro Einbuße pro Wagen." Dieses Jahr würden die Preise noch mal um mindestens 15 Prozent fallen. Auf Deutschlands Straßen fahren 12,5 Millionen Diesel, die die neue Euro-6-Norm nicht erfüllen. Schon 2000 Euro Wertverlust pro Auto bedeuten einen Gesamtschaden von bis zu 25 Milliarden. Und zwar bei Autofahrern, die weder mit den Manipulationen bei Abgasmessungen zu tun haben noch etwas dafür können, dass die Vorgaben zur Luftreinhaltung in den Städten jahrelang ignoriert wurden.

Fahrzeugcheck in der WKDA-Halle: Trotz Extras und Winterreifen sank der Preis deutlich

Fahrzeugcheck in der WKDA-Halle: Trotz Extras und Winterreifen sank der Preis deutlich

Die Not der Diesel-Fahrer kommt Dienstleistern wie WKDA gerade recht. Die Tochter des Berliner Start-ups Auto1.com, das auch Jetztautoverkaufen.de betreibt, lockt mit einem Deal: Wir tragen das Kreuz des Verkaufs, ihr müsst nur noch die Hand aufhalten. "Verkaufen Sie Ihr Auto ab sofort ohne Kompromisse". Die Botschaften anderer Verkaufsportale klingen ähnlich verführerisch. "So einfach kann es sein, Ihr Auto zu verkaufen", wirbt das Düsseldorfer Auktionshaus Ichwillmeinautoloswerden.de. Und Carsale24 aus Hamburg, das mit Meinautomakler.de verschwistert ist, verspricht: "In wenigen Schritten zum Erfolg".

Grundsätzlich lassen sich Autos auf diesem Weg tatsächlich schneller veräußern. Denn die Webportale vermitteln sie in der Regel an Händler in ganz Europa – bevorzugt dorthin, wo Umweltverschmutzung durch den Verkehr kein Thema ist. Laut den Statistikern von Autoscout24 ist die Nachfrage nach deutschen Dieseln etwa aus Österreich, Polen, Rumänien oder Frankreich deutlich gestiegen. Gert Schleichert vom Auto Club Europa (ACE) sieht die Verkäufer trotzdem eher als Melkkühe: "Die Betreiber der Portale wollen billig einkaufen, der Gewinn liegt im Einkauf. Besonders in der jetzigen Situation, wo der Diesel in Verruf geraten ist."

Sven Burkhardt hat schon seit Wochen versucht, den Golf über die Internetseite Mobile.de abzustoßen. Anfangs verlangte er 9200 Euro. "Null Reaktion." Dann ging er 1000 Euro runter. "Ebenfalls null ernsthafte Interessenten." Der Ärger war nicht absehbar. Denn als er den Golf kaufte, zählte das Blue-Motion-Modell noch zu den Umweltschützern unter den Pkws. Nun lastet ein Killer-Image auf ihm. Weil ältere Diesel besonders viele Stickoxide ausstoßen, die für Krankheiten und sogar den verfrühten Tod Tausender verantwortlich gemacht werden. Immer wieder sind die Grenzwerte verschärft worden.

"Die Leute sind alle total verunsichert"

Burkhardt bucht einen Termin in einer WKDA-Filiale. Sein Kalkül: Wenn die Prüfer erst sehen, wie gut der Wagen in Schuss ist, wie viele teure Extras er aufweist, dann wird der Preis schon in die Höhe gehen. Außerdem gibt es noch einen Satz Winterreifen dazu. Der Mann mit dem hippen Kinnbart ist aber auch schon ein bisschen weich geworden. "Meine Schmerzgrenze liegt inzwischen bei knapp unter 8000 Euro", sagt er und tippt die Adresse der WKDA-Filiale in Mönchengladbach in sein Navigationsgerät.

Vor dem gläsernen Bürogebäude weht eine Fahne mit der Aufschrift: "Jede Marke. Jedes Alter. Jeder Zustand." Eine Wand im Empfangsbüro ist mit Schwarz-Weiß-Ausdrucken gepflastert. Sie zeigen glücklich wirkende Autobesitzer, die mit WKDA-Prüfern auf ihren Motorhauben sitzen und gestreckte Daumen in die Kamera recken. Nach einer kurzen Probefahrt nimmt ein Prüfer Burkhardts Golf in einer Halle im Hinterhof unter die Lupe. Grell leuchtende Halogenscheinwerfer sind auf den Wagen gerichtet. Der Mann horcht den Motor ab, prüft die Lackschicht mit einem Messgerät, schießt Fotos. Er redet, als wolle er den Preis schon mal drücken. "Es kommen fast nur noch Diesel, die Leute sind alle total verunsichert", sagt er. Und schiebt hinterher: "Der Markt ist tot."

Spätestens jetzt wird Burkhardt klar: Das Schmuddel-Image seines Diesels wird auch WKDA nicht ausgleichen können. Und das ergeht nicht nur ihm so. Wer in diesen Wochen mit Diesel-Verkäufern über ihre Erfahrungen mit Web-Verkaufshelfern spricht, hört fast nur trostlose Storys.

Der Kölner Werner Meiering, der seinen richtigen Namen nicht gedruckt sehen möchte, versuchte es mit seinem Škoda Superb Diesel bei Ichwillmeinautoloswerden.de, das nach eigenen Angaben mit rund 11.000 Autohändlern kooperiert. Schnell meldete sich ein freundlicher Berater und machte ihm Mut – auch beim Preis: 22.000 Euro laute das Mindeststartgebot für Händler, "drunter geht nichts!" Meiering war zufrieden. Doch das erste Gebot, das am nächsten Tag per Mail ins Haus kam, betrug gerade einmal 16.500 Euro. "Da hat es mir schon gereicht", sagt Meiering genervt. Am Ende fand er nach Wochen des Wartens über Ebay-Kleinanzeigen einen Privatkäufer und kassierte 23.000 Euro.

Sven Bertsche aus Bad Dürkheim hat versucht, seinen BMW 335 D Touring über Abracar zu veräußern (Werbespruch: "Genießen Sie Ihre Freizeit. Wir übernehmen alle anfallenden Aufgaben"). Die Allianz-Tochter vermittelt Fahrzeuge nicht an Wiederverkäufer, sondern an Privatpersonen. Im Falle eines Zuschlags zahlen die Verkäufer für den Dienst bis zu 999 Euro Provision. Abracars Service: Ein unabhängiger Gutachter kommt ins Haus, erstellt eine Expertise des Gefährts und fotografiert es ausgiebig. Dann stellt Abracar den Wagen in die üblichen Verkaufsportale wie Mobile.de oder Autoscout24.de ein – 60 Tage Garantie inklusive – und managt Besichtigungstermine.

Bertsche war anfangs begeistert: "Der Gutachter hat sich den Wagen zu 110 Prozent angeschaut." Auch der im Gutachten berechnete Verkaufspreis von 38.900 Euro war attraktiv. Nur: "Es hat sich über Wochen kein einziger ernsthafter Interessent gemeldet." Deshalb bat Abracar Bertsche immer wieder, den Preis senken zu dürfen, 500 um 500 Euro. Nach sechs Wochen lag er schon bei 35.900 Euro. "Ich habe dann abgebrochen", sagt Bertsche. "Die Diesel-Debatte hat mir den Rest gegeben." Am Ende verhökerte er den BMW entnervt für 34.000 Euro privat.

Verlustgeschäft

Was ist also die beste Verkaufsstrategie für die Diesel? Von Vermittlungsportalen rät ACE-Fachmann Schleichert in diesen Zeiten ab: "Wenn es geht, die Finger davon lassen!" Viel besser sei: Geduld. Viel Geduld. Einen Euro-5-Diesel jetzt zu verkaufen bringe ein "absolutes Verlustgeschäft". Deshalb solle man es tunlichst lassen. Lieber abwarten, ob Fahrverbote überhaupt kommen, oder auf Nachrüstsätze warten, die den Motor sauberer machen. Sobald solche Lösungen auf den Markt kämen, stiegen die Preise für Diesel-Autos wieder.

Vor allem solle man sich aber nicht in Unkenntnis des Marktes mit den Angeboten von WKDA und Co. abspeisen lassen, rät das Verbraucherportal Finanztip.de. Es hat Vermittler geprüft und empfiehlt, sein Diesel-Auto erst einmal bei den Profis der DAT oder bei Schwacke bewerten zu lassen, um den wahren Marktwert zu erfahren. Eine gute Einschätzung liefere zudem Autouncle.de, das die Gebrauchtwagenpreise in ganz Europa transparent macht.

Sven Burkhardts Termin bei WKDA in Mönchengladbach geht nach einer knappen halben Stunde zu Ende. Der Prüfer hat alle Daten in sein Tablet eingetippt, jetzt checkt der Großrechner in der Berliner Zentrale, was interessierte Händler in Deutschland und Europa für den Golf Diesel zahlen würden. "In etwa 45 Minuten erhalten Sie dann unser endgültiges Angebot", verabschiedet sich der Prüfer und winkt den nächsten Diesel herbei.

Es dauert dann doch 90 Minuten, bis die Mail auf Burkhardts Smartphone eintrifft: 4836 Euro. Etwa 1500 Euro unter dem ersten Lockangebot. "Hammer!", sagt er nur leise. Der Familienrat tagt kurz, dann die Entscheidung: Er wird den Golf weiterfahren. Dafür setzen sie nun den Dacia Duster seiner Schwiegereltern, die mit im Haus leben, ins Netz. Für den Discount-SUV ist mehr zu erwarten als für den hochwertigen Golf. Burkhardt sagt: "Der ist gefragt, der fährt mit Gas."

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Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.