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Elektromobilität in Detroit: Tradition und Moderne

Motown Detroit war früher Hochburg der Muscle Cars und jetzt regieren SUVs und Pick-ups. Doch wie schaut es mit der Elektromobilität aus?

Das Tesla Model 3 ist das meistverkaufte Elektromobil im "Premium Mid-sized Segment" - in Detroit sieht man es eher selten

Das Tesla Model 3 ist das meistverkaufte Elektromobil im "Premium Mid-sized Segment" - in Detroit sieht man es eher selten

Die dreiköpfige Familie mustert die Ladesäule argwöhnisch. "Damit kannst Du Elektroautos aufladen" erklärt der Vater seinem Sohn, ehe alle drei abziehen. Eine Ladestation vor der "Vinsetta Garage", dem angesagten Stamm-Restaurant der "Petrol Heads", also denjenigen mit Benzin im Blut, ist so deplatziert, wie eine Opernsängerin auf der Bühne eines Heavy Metal Open Air Konzerts. Nicht umsonst steht die Elektrotankstelle im Schatten eines klassischen Pick-ups. "Elektromobilität? Hör mir damit auf", sagt Jim, ein Trucker mit einem tellergroßen Tattoo auf dem Oberarm. "Mit diesen Autos kommt man nicht weit genug."

Tradition und Moderne
Das Tesla Model 3 ist das meistverkaufte Elektromobil im "Premium Mid-sized Segment" - in Detroit sieht man es eher selten

Das Tesla Model 3 ist das meistverkaufte Elektromobil im "Premium Mid-sized Segment" - in Detroit sieht man es eher selten

Mit dieser Meinung steht der stiernackige Mann mit der Baseball-Cap auf dem massigen Kopf nicht allein da. "Ich bin von der Elektromobilität nicht überzeugt, bin aber auch noch nie ein solches Auto gefahren", meint Lorrie, eine Bedienung in einem typisch amerikanischen Diner, das ein paar Kilometer nördlich von der "Vinsetta Garage" liegt. Die Skepsis ist noch weit verbreitet im Herzen der US-Autoindustrie. Doch das Pendel beginnt auch im Revier der Pick-ups und der riesengroßen SUVs auf die andere Seite auszuschlagen.

Chuck, ein Marketingmanager mittleren Alters, erzählt von seinem Schwager, der einen Chevrolet Volt fährt, und begeistert ist. "Aber er hat auch nur neun Kilometer zur Arbeit", verdeutlicht der Mann mit der dunklen Sonnenbrille die Umstände und kommt dann gleich auf das Kardinalproblem in dem weitläufigen Land zu sprechen. "Ich glaube, dass erst die Infrastruktur stehen muss, ehe die Elektromobilität sich durchsetzen kann. Es ist halt das altbekannte Henne-Ei Problem." Al, ein Werkzeug-Ladenbesitzer pflichtet ihm bei. "Der springende Punkt bei der Elektromobilität sind die Reichweite und die Anzahl der Lademöglichkeiten."

Im Stadtgebiet Detroit (Radius 15 Kilometer) sind laut der Webseite "ChargeHub" 220 Ladestationen vorhanden. Die große Mehrheit davon (96,36 Prozent) sind Level 2, also mit einer Ladeleistung bis zu 22 kW. Umsonst sind 79 Stück, was 35,91 Prozent entspricht. Die meisten Ladestationen gehören zum Tesla-Netz.

Elektroautos werden genug angeboten. Teslas Model 3 bleibt der unangefochtene Spitzenreiter bei den Elektromobilen. Alleine im letzten Jahr konnte der amerikanische Elektropionier 140.000 Exemplare der Limousine verkaufen. Dieser Trend setzt sich auch im Jahr 2019 fort. Im "Premium Mid-sized Segment" bleibt das Model 3 auch im ersten Halbjahr unangefochtener Spitzenreiter: Das Segment legte im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent zu. Dieses Wachstum geht aber zum großen Teil auf das Model 3 zurück, von dem bis Ende Juni 67.650 Modelle verkauft wurden, bis Ende Juli waren es sogar 81.100. Damit ist der kalifornische Stromer wieder auf Rekordkurs. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr holten sich 448.398 Kunden einen Pick-up der Ford F-Serie.

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Als Hochburgen der Elektromobilität gelten Städte, wie San Francisco mit dem angrenzenden High Tech Zentrum "Silicon Valley", während im Herzen der USA, wo weite Strecken zurückzulegen und nur wenig Ladestationen vorhanden sind, Automobile mit klassischem Verbrennungsmotor die erste Wahl bleiben. Das passt zum Eindruck, der sich auf den Straßen der "Motown" Detroit zeigt. Pickups und SUVs beherrschen das Straßenbild, Teslas oder Chevrolet Volts sind deutlich seltener anzutreffen.

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