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Elektroauto: Warum der vielversprechende Opel Ampera-E unter die Räder kommt

Starke Batterie und innovative Technik machten den Opel Ampera-E attraktiv. Doch die Zukunft des Modells ist finster.

Von Frank Janßen

Elektromobilität: Unter die Räder gekommen

Agil, umweltschonend, ausdauernd: Autotester liebten den Ampera-E, doch das allein rettet ihn nicht

Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu" – die Fußballerweisheit, geprägt von Mittelstürmer Jürgen Wegmann, hat sich als weithin gültige Lebensregel erwiesen. Zurzeit wird sie der Ausbreitung der Elektromobilität gerecht – sie beschreibt genau die Rolle, die der Marke Opel dabei zukommt.

Noch vor Kurzem hatten die Rüsselsheimer allen Grund zum Optimismus. Ihr vollelektrischer Ampera-E erhielt anerkennende Kritiken: Seine Reichweite ist fast so groß wie die eines beinahe dreimal so teuren Tesla. Damit könnte der kompakte Opel das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter seinen Wettbewerbern bieten.

"Der Ampera-E ist leider ein Verlust-Auto"

Könnte. Denn leider ist er so gut wie nicht zu haben. In Norwegen, dem in Europa wichtigsten Markt für Elektroautos, wurden im September 28 Ampera-E zugelassen. Von VWs E-Golf waren es 949 Exemplare, vom teuren Tesla S gar 1007.

Enttäuschte Interessenten argwöhnen: Die im Sommer vollzogene Übernahme der ehemaligen GM-Tochter Opel durch den PSA-Konzern (Peugeot, Citroën) könnte der Grund sein. Die Franzosen aber dementieren. "Die Knappheit liegt nicht an uns", sagt PSA-Chef Carlos Tavares, denn: "Der Ampera-E ist leider ein Verlust-Auto. Warum machen wir damit keinen Gewinn? Weil wir für die Rechte zahlen müssen." Für jedes Exemplar, das Opel aus der GM-Fabrik Hamtramck am Stadtrand von Detroit bezieht, sind Lizenzgebühren fällig, die gegen die Entwicklungskosten aufgerechnet werden – kein Glück für Opel.

Eine Sonderregelung für das so wichtige Modell hat es bei der Übernahme offenbar nicht gegeben. "Es geht nur um Politik", sagt der britische Marktbeobachter Peter Schmidt. Denn statt nach Europa könne GM den Ampera-E nun als Chevrolet nach China exportieren, wo Importeure bald mit einer Quote für E-Autos belegt werden dürften – Pech.

Trauer bei Opel

"Tavares ist nicht bereit, ein Fahrzeug mit Verlust zu verkaufen", sagt Marktexperte Peter Schmidt, denn er sei ein strikter und erfolgreicher Sanierer: PSA, vor Kurzem noch selbst Übernahmekandidat, konnte die Opel-Übernahme aus eigener Kraft stemmen. An der Entwicklungsleistung der Rüsselsheimer ist PSA jedoch nur am Rande interessiert. Lukrativ ist vor allem der Marktanteil, den der gewachsene Konzern gewonnen hat. GM ist seinen deutschen Verlustbringer, den man fast zu Tode gespart hatte, endlich los.

Bei Opel trauert man. Der Ampera-E hätte das Image der Rüsselsheimer nachhaltig verbessern können. Doch ist er wohl nur in der Theorie noch Bestandteil des Angebots. Die Vorbesteller-Website wurde kürzlich geschlossen.

Elon Musk, Gründer von Tesla
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