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20 Jahre VW California: Der Wochenend-Hippie

Abgerittener Samba-Bus, Surfer-Mobil oder lauschig ausgebaute Liebeshöhle - der VW Bus ist ein mobiles Paradies für Individualisten. In diesem Jahr feiert die Kultkutsche VW California ihr 20-jähriges Jubiläum.

Der Bulli ist eigentlich kein fertiges Auto. Er ist eine Art Lego-Grundpackung, die erst dadurch interessant wird, dass man sie nach Belieben erweitern kann. Das geht entweder mit Zusatzpackungen, die man teuer im Laden kauft, oder mit eigenen Lego-Steinen. So gesehen war der VW-Bus vom Start weg ein Spielzeugparadies. Es gab nichts, was man nicht durch Um, An- und Ausbauten oder mit Zusatzausstattungen aus diesem Auto hätte machen können.

1979 kam mit dem T3 VWs letzter Transporter mit Heckmotor auf den Markt. Wer ihn einmal gefahren hat, schwärmt bis heute von der genial einfachen Konstruktion: Vier Räder, vier Ecken, viel Platz dazwischen und fertig. Hinter der Windschutzscheibe hört auch das Auto auf, was das Einparken kinderleicht macht. Beim Bremsen und Anfahren nickt der T3 immer leicht mit dem Kopf, und im Winter besteht der halbe Fahrspaß darin, den Bulli mit Schwung und geübtem Handbrems-Einsatz um vereiste Straßenecken zu lotsen.

Joker bleibt in Erinnerung

In Wolfsburg begann man schnell damit, den Transporter zum Freizeitmobil umzurüsten. Als Caravelle wurde der Bulli zum Edel-Bus und als Multivan zum Tausendsassa, der beim Großeinkauf eine ebenso gute Figur machte wie beim Familienpicknick am Wochenende. Mit einer Klappsitzbank im Heck, einem Platz hinter dem Fahrersitz gegen die Fahrtrichtung, einem Klapptisch und einer Kühlbox ließ er kaum Wünsche offen. Was es nicht im Zubehörkatalog gab, bastelte man eben selbst.

Wie schon seine Vorgänger wurde der T3 von zahlreichen Aufbauherstellern in die Mangel genommen und zum Kompakt-Camper geadelt. Nummer Eins blieb dabei Westfalia, und als eines der berühmtesten Wohnmobile auf T3-Basis bleibt bis heute der Joker in Erinnerung. Nach dem Öffnen der rechten Schiebetüre blickte man auf eine Schrank- / Küchenzeile, eine Wasser- und Gasanlage war ebenfalls an Bord. Um mehr Platz für Kind und Kegel zu schaffen, waren sowohl Ausstelldach als auch Hochdach im Angebot. Der erste Joker kostete 27.466 Mark.

Standard-Etagenwohnung auf Rädern

VW wollte das Geschäft jedoch nicht gänzlich dem nachgeschalteten Markt überlassen und präsentierte 1988 seine eigene Camping-Version - den California. Der Prospekt versprach eine "mobile Ferienwohnung für vier Personen". Eigentlich war der California nur ein abgespeckter Joker, doch er verkaufte sich wie geschnitten Brot. Weil er nicht soviel Ausstattung, aber den gleichen Grundriss und das gleiche Innenraumkonzept wie der Joker bot, hatte der California das Zeug zum Volks-Camper - er war nämlich wesentlich billiger. Ein weiterer Vorteil war, dass der Wagen mit einer Höhe unter zwei Metern in viele Garagen, unter jedes Carport und selbst durch die Waschanlage passte. Der California wurde zur festen Größe im Bulli-Programm und überlebte auch die bislang größte Revolution der Baureihe - den Umstieg auf Frontmotor und Frontantrieb mit der Vorstellung des T4 im Jahr 1990.

Der California ist so etwas wie die Standard-Etagenwohnung auf Rädern, in der man sich sofort zurechtfindet: Links die Möbelzeile mit Küchenblock und Kleiderschrank und rechts die Doppelsitzbank mit Liegefunktion, die zusammen mit den gedrehten Fahrerhaussitzen die Sitzgruppe bildet. Der aktuelle California ist 4,9 Meter lang, bietet auf 4,3 Quadratmetern genügend Platz für den Campingalltag und ist mit 1,9 Metern Höhe immer noch Carport-tauglich.

Neues Sondermodell

Schon für die Basisversion Beach gibt es optional ein Aufstelldach, die Modelle Trendline und Comfortline sind auch als Hochdach-Camper zu haben. Der Traum vom rollenden Zweitwohnsitz für alle ist freilich schnell ausgeträumt, denn mittlerweile sind bei VW Apothekenpreise angesagt. Schon für einen California Beach muss man mindestens 30.874 Euro auf den Tisch legen, und Raum nach oben ist reichlich: Der California Comfortline mit Hochdach haut mit 50.604 Euro ins Kontor. Immerhin kommt man damit noch günstiger weg als bei vielen Wohnmobilen, und auch die Spritkosten bleiben überschaubar.

Damit der California seinen Fans nicht doch irgendwann langweilig wird, gibt es immer wieder mal ein neues Sondermodell. Das jüngste ist der "Biker", bei dem unter anderem ein Heckgepäckträger für Fahrräder serienmäßig an Bord ist. Fast 50.000 Euro kostet das Sondermodell. Kein Wunder also, dass viele Camping-Fans ihre alten Schätzchen hegen und pflegen: Wer einen gut erhaltenen California auf T3- oder T4-Basis sein Eigen nennt, gibt ihn so schnell nicht wieder her.

Sebastian Viehmann, press-inform / press-inform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.