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Das Auto und die Politik: Alt, gut, aber wertlos

Autos gehen kaum noch kaputt. Was an sich eine überaus gute Nachricht ist, entpuppt sich für viele Besitzer als negativ: Durch die Steuerpolitik des Bundes werden alte Fahrzeuge "bestraft". Den Schaden haben die Kunden, deren Wagen plötzlich nichts mehr wert ist.

Von Gernot Kramper

Eigentlich hatte Marika K. alles richtig gemacht: Der neue Wagen sollte vor allem zuverlässig und praktisch sein. Groß genug für eine vierköpfige Familie mit Hund, aber auch nicht zu groß, denn meistens fährt sie allein. Als Lehrerin mit langem Schulweg entschied sie sich für einen Diesel. Und weil Neuwagen so einen hohen Wertverlust haben, wählte sie einen Halbjahreswagen mit günstiger Finanzierung.

So weit, so gut, der Wagen lief ohne Probleme. Viereinhalb Jahre später kam die unangenehme Überraschung. Beim Verkauf erlöste der Wagen 2000 Euro weniger als geplant. Der Grund: Er stammte aus der Vor-Diesel-Partikelfilter-Ära. Das gesparte Urlaubsgeld war damit futsch.

Kein Einzelfall. Ein Auto hält mit etwas Pflege ohne weiteres 16 Jahre durch. Das Auto ist ein sehr langlebiges Konsumgut geworden. Zu langlebig offenbar. Einer Allianz aus Autoherstellern, Öko-Freunden und Politkern gehen die Wagen nicht schnell genug kaputt.

Früher mochte man sich nur ungern mit einer "alten Rostlaube" sehen lassen. Seitdem Autos nicht mehr sichtbar gammeln, könnte man lange Zeit mit ihnen glücklich sein. Könnte, denn seit einigen Jahren werden Altfahrzeuge öffentlich als "alte Stinker" tituliert und ihr Betrieb zunehmend stigmatisiert. Die aktuellen oder die kommenden Steuermodelle haben alle eines gemeinsam: Alte Wagen mit alter Technik müssen mit "Bestrafungen" rechnen.

Strafmaßnahmen gegen "Stinker" sind populär, sie dienen ja der Umwelt. Übersehen wird eine entscheidende Nebenwirkung: Die politische Alterung von Fahrzeugen schlägt auf den Wert des Fahrzeuges durch. Ein Wagen, der nicht den jeweils aktuellen politischen Vorgaben entspricht, erleidet eine deutliche Minderung. Entsprechend höher ist der Wertverlust für den Besitzer. Wie Marika K. erfahren musste. Erst ab den Jahren 2004 und 2005 wurden Dieselpartikelfilter bei einer nennenswerten Anzahl von Modellen angeboten. Fahrzeuge ohne Filter sind inzwischen generell schwer verkäuflich, mussten also eine "außerplanmäßige" Wertminderung hinnehmen. Den Filter konnte man – mit unterschiedlichem Erfolg – noch nachrüsten lassen. Doch so oder so: Es muss mehr Geld investiert werden.

Ein - noch - fiktives Beispiel: Falls es der Industrie gelänge, Null-Emission-Technik in "normalen" Wagen einzubauen, müssten alle konventionellen Fahrzeuge mit Fahrverboten in City-Zonen rechnen. Sie wären dann quasi über Nacht schwer verkäuflich. Der verschärfte technische Forschritt, sich wandelnde Rahmenbedingungen und staatliche Zwangsmaßnahmen machen die Kalkulation von Restwerten unüberschaubar. Über Zeiträume von 12 bis 16 Jahren kann niemand planen. Der Kauf eines Wagens wird zum Va-Banque-Spiel.

Der normale Kunde muss diesen Zusammenhang nicht verstehen. Es reicht aus, wenn er seinen Wagen verkaufen will. Kunden, wie Marika K., die diese Erfahrung einmal gemacht haben, haben das Vertrauen in das Abenteuer "Autokauf" verloren. Die Falle der Dieselpartikel mit dem folgenden Nachrüstungsdesaster zeigt, dass hier keine einzelne Person sondern Hunderttausende getroffen wurden. Klare Ziele und feste Rahmenbedingungen für einen Zeitraum von über 12 Jahren wird die Politik auch in Zukunft kaum setzen wollen. Über die Auto-Unlust und Kaufzurückhaltung, die man eben erst produziert hat, zeigt sich die Regierung überrascht, wenn man vor der Kamera als Opel-Retter posiert.

Bei Leasing-Modellen wird das Risiko auf den Hersteller bzw. Händler verlagert. Dafür hat sich auch Marika K. beim nächsten Wagen entschieden. Noch flexibler sind Finanzierungsmodelle, die es dem Kunden nach einer bestimmten Frist freistellen, den Wagen zum Restwert zu übernehmen oder einfach zurückzugeben. Der Kunde ist dann vor Überraschungen sicher. Gelöst wird das Problem damit nicht, der Verfall der Restwerte schlägt dann geballt auf Hersteller und deren Banken durch.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.