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Fahrradhelme im ADAC-Test: Sicher, hässlich, unbeliebt

Der ADAC hat Fahrradhelm getestet und das Ergebnis überzeugt: Neun von zehn Kandidaten haben das Urteil "gut" errungen. Das Problem: Im Alltag mag kaum jemand so einen Helm aufsetzen.

Von Gernot Kramper

Radhelme können Leben retten. Im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmer ist der Radfahrer in einer dummen Situation. Den Autofahrer schützen Karosse, Masse und ein riesiges Sicherheitspaket, den Radfahrer nichts. Anders als ein Fußgänger erreicht er aber achtbare Geschwindigkeiten. Kuriere und sportliche Radler sind häufig mit über 30 km/h unterwegs, manchmal sogar mit über 40 km/h. Stößt ein Radfahrer auf ein starres Hindernis können 15 km/h aber bereits tödlich sein. Besonders gefährdet ist der Kopf. Kopfverletzungen wiegen immer besonders schwer. Doch der Radler fährt "Kopf voran", mit der guten Chance den ungebremsten Aufschlag an der empfindlichsten Körperstelle zu erhalten. Die meisten Körperteile können überdies durch die Muskulatur geschützt werden, auch diesen natürlichen Schutz gibt es beim Schädel nicht.

Wichtige Gründe also einen Helm zu tragen. Der Preis spielt laut ADAC nicht die entscheidende Rolle bei der Qualität. Auch der Prophete 0903 für 20 Euro konnte ein "Gut" erreichen. Als Testsieger (Note 1,8) ging der Casco Daimor Road (75 Euro) hervor, gefolgt vom teuersten Helm, dem Lazer O2 RD (109 Euro), mit einer Gesamtnote von 2,0. Danach folgen mit der Note 2,1 der Uvex Xenova (59,95 Euro), der Ked Zenith (54,95 Euro) und Giro Rift (79,90 Euro). Knapp abgeschlagen liegen mit der Gesamtnote von 2,2 der Abus Lane-U (54,56 Euro), der Bell Citi (59,90 Euro) und der Prophete 0903, der mit etwa 20 Euro der günstigste Kopfschutz im Test war. Als immer noch guter Helm liegt der Alpina Spice L.E. (etwa 60 Euro) mit der Note 2,3 an vorletzter Stelle. Weniger Schön, dass ausgerechnet der "Karma" der Nobelmarke Scott nur ein "befriedigend" erreicht. Angesichts der geringen Unterschiede bei den Test-Ergebnissen rät der ADAC auf die Passgenauigkeit zu richten. Selbst die besten Helme schützen nur, wenn sie gut sitzen.

Ein Radhelm ist kein Wundermittel, das einem Radfahrer das Sicherheitsniveau eines modernen Pkw verschafft. Der Helm schützt zu einem gewissen Grade vor schweren Kopfverletzungen, die Wirbelsäule wird natürlich nicht geschützt. Hier liegt übrigens auch der Grund warum viele Helme den Schlagtest gut überstehen. Es wäre nämlich unsinnig den Level für den Test immer weiter nach oben zu schrauben. Die Energie, die der Helm verteilt und abbremst, muss der menschliche Hals am Ende noch überstehen können.

Keine Pflicht zum Helm

Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt das Tragen eines Helmes, lehnt eine Pflicht allerdings ab. Für den Club geht es um eine Grundsatzentscheidung. Amateursportler seien durchaus willens für ihr Training spezielle Kleidung zu tragen. Hosen, Schuhe, Handschuhe und eben auch einen Helm. Aber je höher die Schwelle des Radelns vom Gesetzgeber gelegt wird, umso weniger alltäglich wird das Radfahren. Was zum Training einfach dazugehört, wird bei der Fahrt zur Eisdiele oder zur S-Bahnstation nur als störend empfunden. Letztlich würden strengere gesetzliche Regelungen dazu führen, dass weniger Rad gefahren wird.

Kleine Kinder werden von den Eltern noch zum Fahren mit Helm gezwungen, ab einem Alter von etwa zehn Jahren gilt der Helm als extrem uncool. Die vom ADAC getesteten Modelle können ihre Wurzeln im "Tour de France"-Look nicht verhehlen. Stromlinienform. Sonnenschutz und breite Kühlschlitze passen optisch vielleicht zum Sporttrikot, aber sonst? Nur die neuen Helme im BMX- und Dirtdesign können für ein junges Publikum attraktiv genug sein, um sie auch freiwillig aufzusetzen.

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