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Fahrzeugkauf: Der Teuerste wird zum Billigsten

Autos werden immer billiger, allerdings nur für Käufer, die mit Nachlass, Rate oder Leasing sicher jonglieren können. Für alle anderen hat stern.de ausgerechnet, was drei verschiedene Automodelle mit einem Listenpreis von 30.000 Euro wirklich kosten. Das Ergebnis ist überraschend.

Von Christoph M. Schwarzer

Autos werden immer billiger! Sagt die Werbung! Für 99 Euro im Monat ist ein neues Automobil zu haben. Jedenfalls dann, wenn man enorme Anzahlungen oder Schlussraten bei der Finanzierung in Kauf nimmt. Was ein Neuwagen wirklich kostet, ist gar nicht so leicht auszurechnen. Den Listenpreis jedenfalls zahlt kaum noch einer. Die Barzahlung, ein Garant für satte Rabatte, lohnt heute nicht unbedingt. Viele Hersteller locken mit Billigstzinsen ihrere Hausbanken. Sogar Leasing kann für Privatkunden interessant sein, weil sich in den Raten oft hohe Nachlässe verbergen.

Gefragtes Trendauto, asiatischer Preisbrecher und Normalo

Im stern.de-Praxistest: Drei Autos, die mit 30.000 Euro in der Preisliste stehen. Der kommende Mini Clubman, der Kia Cee’d Sporty Wagon und der Opel Zafira. Ein gefragtes Trendauto, ein asiatischer Preisbrecher und ein Normalo.

Also auf zu den Händlern und nachgefragt: einmal nach dem Barzahlungstarif, dann nach einer Finanzierung mit 10.000 Euro Anzahlung und ebenso fürs Leasing - mal sehen, was von den 30.000 Euro bleibt, und nicht zu vergessen, wie der Wertverlust nach drei Jahren und 60.000 Kilometern ins Kontor schlägt!

Mini Clubman: Beim Autoverteiler

Herrlich. So müssen sich Mercedes-Kunden in den 70ern gefühlt haben. Nein, sagt der Verkäufer, er wolle nicht überheblich erscheinen, aber über einen Nachlass bei Barzahlung könne er höchstens reden, wenn die Bestellung verbindlich werde. Und dann, ja, dann werde das bestimmt weniger sein als beim normalen Alltags-Mini, der "in der absoluten Spitze" mit sechs Prozent verkauft werde. Präziser wäre: Verteilt, denn diesen Eindruck versucht der Verkäufer zu erwecken. Für den leckeren Clubman Diesel, natürlich in Hot Chocolate innen und außen, mit dicken Felgen und Navi, ruft die Liste 29.930 Euro auf. Minus angenommener drei Prozent plus 750 Euro für Überführung und Zulassung macht das 29.782 Euro. Toll, bei Mini ist der Euro etwas wert! Und zumindest für den Privatier klingen Finanzierung und Leasing weniger gut: 6,99 Prozent effektiver Jahreszins summieren sich zu 32.080 Euro, und beim Leasing sind für drei Jahre 17.291 Euro fällig.

Irrsinniges Überholmanöver

Überhaupt, der Wertverlust. Die Schätz-Profis von Schwacke geben unglaublich hohe 63 Prozent Restwert an - der absolute Wertverlust würde also lächerliche 10.926 Euro betragen, oder auf den Monat umgerechnet gute 300 Euro. Für den, der bar bezahlen kann, gilt also: Kaufen.

Kia Sporty Wagon: Für Langzeitfahrer

Freundlich, verbindlich und schnell geht es beim Kia-Händler zu. Eitelkeit gibt es hier nicht, sondern nur Realität. Und die klingt gar nicht schlecht: Inklusive Nebenkosten werden bei offizieller Preisliste für einen voll ausgestatteten Kia Cee`d Sporty Wagon mit dickem Diesel, Leder, Navi und Schiebedach 29.379 Euro fällig. Bei Barzahlung werden daraus 27.650 Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zum Mini - oder?

Nein, denn den Restwert nach drei Jahren und 60.000 Kilometern setzt Schwacke mit nur 43 Prozent des Neupreises und einem Händlereinkaufspreis von 12.400 Euro an. Ein Privatkunde hätte also 15.250 Euro oder etwa 424 Euro im Monat bezahlt. Zur Erinnerung: Beim Mini waren es insgesamt 10.926 Euro und gut 300 Euro monatlich. Auch die 1,99 Prozent-Finanzierung kann daran nichts ändern, und das Privat-Leasing bringt es auch nicht. Erst im Geschäftskundenbereich kommen die dicken Nachlässe auf den Tisch: Umgerechnet 18 Prozent. Trotzdem, so richtig lohnt sich der Kia erst für Langzeitfahrer, denen der Wertverlust egal ist und bei denen die 7-Jahres-Garantie einen echten Sinn hat.

Brot und Butter: Der Opel Zafira

Endlich Normalität. Kein spleeniger Engländer, kein aufstrebender Asiate, sondern Bochum, ich komm’ aus Dir. Für 30.000 Euro gibt es einen top Zafira mit 2.2-Liter Benzinmotor als komplettes Sondermodell "Navi", mit 18-Zoll-Felgen, IDS-Fahrwerk und Recaro-Sitzen. Der sportliche Pampers-Bomber schlechthin, und im Vergleich das mit Abstand größte Auto. Listenpreis inklusive Nebenkosten: 30.919 Euro.

Bei Barzahlung bleiben davon 27.770 Euro, also ähnlich viel wie beim Koreaner. Der Blitz aus dem Pott steht aber nach drei Jahren besser da: Knapp 52 Prozent Restwert macht 12.170 Euro Verlust oder 338 Euro im Monat. Super, sollte man meinen - wenn da nicht der aktuelle Finanzierungszins von 0,9 Prozent wäre. Der macht es nämlich noch attraktiver, den Opel abzustottern, weil bei 10.000 Euro Anzahlung nur 246 Euro Gesamtzins gezahlt werden muss. Wer das Geld liegen hat, kann also getrost den Restbetrag als Festgeld anlegen und den Wagen so noch billiger machen. Das Leasing rechnet sich bei 5,75 Prozent natürlich weniger. Ist ja auch klar, denn, der freundliche Opel-Verkäufer betont es, der Sonderzins bei der Finanzierung gilt natürlich nur bis Ende Oktober, und wer weiß, ob das jemals wieder kommt. Nur nicht kirre machen lassen: Solche Angebote kommen immer wieder.

Immer individuell rechnen

Zu viele Zahlen? Nur etwas für Rechenfüchse? Ja, sicher, aber nur so können Kaufinteressierte herausfinden, was ihr Wunschauto wirklich kostet: Immer nach Barpreis, Finanzierung und Leasing fragen. Und dann vergleichen. Nicht nur die reinen Kosten, sondern auch die Risiken, die gerade beim Leasing mit Vorsicht zu genießen sind. Da kann eine zu niedrig angesetzte Laufleistung schnell teuer werden. Auch die Investition in die Recherche des Wertverlusts lohnt sich. In diesem Vergleich macht sie den Mini zum günstigsten, obwohl der Nachlass am geringsten ist. So wird der scheinbar teuerste zum Best Buy.

Das Wichtigste zum Schluss. Nüchtern bleiben, genau rechnen und den Selbstbetrug außen vor lassen. Auch individuelle Faktoren von Arbeitsplatzsicherheit bis zur Familienplanung können ein Auto teurer als ein anderes werden lassen. 30.000 Euro sind jedenfalls niemals 30.000 Euro. Liste war gestern.

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