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Rallye Dakar 2010: Höllenritt der Finanzbeamtin

Die Motorrad-Piloten, die bei der Rallye Dakar an den Start gehen, gelten als hart, aber auch extrem verrückt. Halt etwas für harte Männer! Aber auch etwas für Frauen – besonders für die Hamburgerin Tina Meier.

Von Stefanie Szlapka

Eigentlich wollte Tina Meier bereits 2008 an der Wüstenrallye teilnehmen, doch damals sagte die Organisation die Veranstaltung kurzfristig ab. Auch vergangenes Jahr hatte sie kein Glück und fiel nach dem zweiten Tag mit einem technischen Defekt aus. Damals ließ sie sich jedoch nicht unterkriegen und entschied sich, bei verschiedenen Servicefahrzeugen um ein Plätzchen zu bitten. So erlebte sie die Rallye doch noch. Dieses Jahr scheint alles besser zu laufen: Die neunte Etappe ist vorbei und sie ist immer noch Teil des Rennens.

Die 37-Jährige ist im normalen Leben Finanzbeamtin in Hamburg und organisiert nebenbei noch Motorradtouren durch die Wüste – auch speziell für Frauen. Wenn sie dann auch noch Zeit hat, widmet sie sich dem Tango-Tanzen. Ein Hobby, das sich auszahlt. Tina Meier über die Dakar:

"Jeder Stein kann einen wegkatapultieren. Da muss man ganz schön die Balance halten. Da kommen wir das zu meiner zweiten Leidenschaft: dem Tangotanzen. Den betreibe ich als Vorbereitung und vor allem um mich zu entspannen. Doch ich finde es auch interessant, dass ich auf dem Motorrad die Koordination und das Training merke. Beim Fahren springt das Motorrad auch immer wieder mal wohin es will und man muss darauf jedes Mal mit dem Körper reagieren. Man weiß vorher nicht was als nächstes kommt. Beim Tango ist das auch so. Derjenige, der führt, entscheidet wo es hingeht und man muss darauf konzentriert sein, seine Körpersprache aufzunehmen und zu sehen, wo er hinwill.

Passend zum Tango, gefällt es mir auch in Südamerika sehr gut. Überall die charmanten Leute. Wenn man das tiefste Tief hat und denkt, man hört einfach auf, stehen da plötzlich Zuschauer, die jubeln und das ist ganz toll. So auch auf der dritten Etappe als es so heiß war. Ich hatte meinen gesamten Wasservorrat von 2,5 Litern schon ausgetrunken und deswegen bei den letzten Zuschauern angehalten, die ich entdecken konnte. Doch dann fuhr das Motorrad nicht wieder weiter.

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Ein Zuschauer ist dann auf die Idee gekommen, mit dem Pferd ins Biwak zu reiten, denn das Telefon ging auch nicht. Er meinte: "Soll ich dich ins Biwak bringen? Das ist zwei, drei Kilometer Luftlinie von hier." Ich also zack rauf auf den Gaul - mit vollen Motorradklamotten. Er hatte zwei Pferde und hat mich quasi angeschleppt. Dann habe ich meinen Mechaniker gebeten mitzukommen, damit er mir sagen kann, was wir machen können. Hinterher habe ich gehört, dass alle Motorräder solche Probleme hatten. Es fuhr wieder, als wir ankamen. Es stand eine Stunde im Wind und hatte sich abgekühlt. Ich bin dann weitergefahren und habe überall die parkenden Autos mit offenen Motorhauben gesehen.

In Buenos Aires anzukommen, ist für mich das große Ziel. Aber ich denke von Tag zu Tag. Alles andere wäre für mich zu viel. Ich teile mir sogar den Tag auf. Zum Beispiel bis zum nächsten Tankstopp. Ich will erst im Etappenziel ankommen und dann fängt der nächste Tag an.

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